Politik | 27.09.2017

Informationsveranstaltung des Ortsverbands der Grünen Maifeld-Rhein-Mosel in Münstermaifeld

„Zeitgemäßer Umgang mit der Umwelt“

Vier Impulsreferate standen im Mittelpunkt.privat

Münstermaifeld. Zu einer Informationsveranstaltung mit dem Europaabgeordneten der Grünen, Martin Häusling, und weiteren Experten hatte der Ortsverband der Grünen Maifeld-Rhein-Mosel nach Münstermaifeld eingeladen. Dieser Einladung folgten rund 40 interessierte Bürger. Nach der Begrüßung durch Ortsverbandssprecherin Jutta Wein wurden vier Impulsreferate vorgetragen.

Martin Häusling (MdEP, Agrar- und Umweltpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA: „Die Wasserrahmenrichtlinie aus europäischer Sicht“. Bemerkenswert ist die Aussage, dass Deutschland zusammen mit Malta die höchste Nitratbelastung im Grundwasser aufweist. Deshalb wurde ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland von der EU eingeleitet.

Jutta Blatzheim-Rögler (MdL, Sprecherin für Landwirtschaft im Landtag Rheinland-Pfalz: „Umsetzung der neuen Düngeverordnung der EU und die Umsetzung auf Landesebene und Gülletourismus“.

Martin Schmitt, Direktkandidat der Grünen im Wahlkreis Ahrweiler: „Landwirtschaft aus Sicht der Grünen“.

Gavin Grosvenor (BUND und Bürgerinitiative Nitrat senken: „75 gefährdete und vom Aussterben bedrohte Arten in Sevenich durch ein Bauprojekt in Gefahr.“

In der sich anschließenden, von Thomas Görgen (Sprecher des Ortsverbands) moderierten 90-minütigen Frage- und Diskussionsrund, wurde sachlich und fair diskutiert.

Alle Referenten und zusätzlich Tobias Fuchs (Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Mayen-Koblenz), die beiden Biobauern Gerhard Kohl (Urbar, Hof Wildeck) und Stefan Degen (Kobern-Gondorf, Manderscheider Hof) standen für Fragen zur Verfügung. Einige Mitglieder der Bürgerinitiative „Nitrat senken“ wollten es von Häusling genau wissen: Wie kommt es zu den so stark erhöhten Nitratwerten im Maifelder Grundwasser?

Dazu erläuterte Häusling: „Für den Anbau von Futtermittel werden Düngemittel verwendet, denn der darin enthaltene Stickstoff ist wichtig für das Pflanzenwachstum. Deshalb düngen Bauern mit stickstoffhaltiger Gülle, Gärresten aus der Biogasanlage und natürlich Chemiedünger. Oft wird aber schlichtweg überdüngt. Es kommt also zu viel Stickstoff auf die Felder. Dieser wird nicht vollständig von den Pflanzen aufgenommen und versickert als Nitrat ins Grundwasser. Die Folge: Das nitrathaltige Trinkwasser muss mit nicht belastetem verschnitten werden, um akzeptable Werte zu erreichen.“

Der ebenfalls eingeladene Vorsitzende des Bauern- und Winzerverbands Mayen-Koblenz, Tobias Fuchs, selbst Landwirt, ist überzeugt: „Unsere Bauern gehen sorgfältig mit ihren Böden um. Sie düngen punktgenau und achten sehr darauf, dass möglichst nicht überdüngt wird. Bereits seit 2015 besteht eine Zusammenarbeit mit dem Wasserzweckverband Maifeld-Eifel. Gemeinsam mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum wurde mit Landwirten rund um die Wackbornquellen in Münstermaifeld-Metternich eine gewässerschonende Bewirtschaftung und Düngung entwickelt. Dieses Konzept soll nun erweitert werden.“

Jutta Blatzheim-Rögler betonte, dass Rheinland-Pfalz von bäuerlicher Landwirtschaft geprägt ist: „Wer Boden und Wasser schützen will, muss auf gute fachliche Praxis, besser aber auf ökologische Anbauweise setzen. Die Nitratbelastung unseres Wassers durch zu viel Stickstoffdünger ist in manchen Regionen auch in Rheinland-Pfalz viel zu hoch. Mehrmals hat die EU-Kommission die Bundesregierung für ihre jahrelange Untätigkeit gerügt und sie aufgefordert, das Düngerecht nachzubessern, um die Nitrat- und Phosphateinträge zu senken. Die kürzlich beschlossene Reform der Düngeverordnung ist ein Anfang. Das wird aber nicht ausreichen, weitere Schritte müssen folgen. Unter anderem wäre ein grenzüberschreitendes Abkommen mit den Niederlanden nötig, um den Gülletourismus besser zu regeln. Darüber hinaus müssen Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen sowie Maßnahmen zur Förderung des ökologischen Landbaus weiter ausgebaut werden.“

Den beiden Biobauern Stefan Degen und Gerhard Kohl war es wichtig, dass auch die Verbraucher in die Pflicht genommen werden müssen: „Wenn die Verbraucher 100 Prozent Bio-Produkte nachfragen, werden auch 100 Prozent angeboten. Momentan ist die Nachfrage bei 20 Prozent. Der Markt bietet das an, was nachgefragt wird. Wir haben es selbst in der Hand, in welche Richtung zukünftig die Produktion gesteuert wird.“

Stefan Degen betonte unter großem Applaus: „Nur ein Umstieg auf 100 Prozent ökologische Landwirtschaft garantiert den langfristig nachhaltigen Erhalt der Böden.“ Gavin Grosvenor appellierte an die Anwesenden: „Alle sollten helfen, diesen wertvollen Naturlebensraum in Sevenich zu erhalten. Durch eine Bebauung geht unwiderruflich ein wichtiges Biotop verloren, gefährdete Tierarten verlieren ihren Lebenraum.“

Martin Schmitt meinte: „Massentierhaltung bedingt massiven Einsatz von Arzneimitteln und Ausbringung von Gülle. Das gefährdet unsere Gesundheit in hohem Maß und muss verändert werden. Nur gemeinsam können wir etwas an der Situation ändern. Nur ein Miteinander wird zur Verbesserung der Situation führen.“ Im Saal bestehe Einigkeit, dass es ein „Weiter so“ nicht geben darf, hielt Thomas Görgen am Ende fest.

Jutta Wein ergänzte: „Und ein Miteinander bedeutet auch, dass wir den Produkten, die von unseren Landwirten erzeugt werden, auch die verdiente Wertschätzung entgegenbringen.“ Eine Aussage wie „Geiz ist geil“ sei völlig fehl am Platz.Pressemitteilung des

Ortsverbands

Maifeld-Rhein-Mosel

von Bündnis 90/Die Grünen

Vier Impulsreferate standen im Mittelpunkt.Foto: privat

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