Ex-Bundestagsabgeordneter Hans-Josef Fell sprach beim 14. Mini-Symposium des Solarvereins
Zu viele Mosaiksteine beim Klimaschutz
Remagen/Sinzig. Zum 14. Mini-Symposium hatte der Solarverein Goldene Meile nach Remagen einladen. Zu diesem Anlass konnte ein besonderer Gastredner gewonnen werden. Hans-Josef Fell, Grünen-Politiker und ehemaliger Bundestagsabgeordneter, kam an den Rhein um über den Klimawandel und die daraus resultierenden Herausforderungen zu referieren - auch an der Ahr. Fell wurde in Deutschland als einer der Wegbereiter des EEG-Gesetzes, kurz für Erneuerbare Energien, bekannt.
Nach einer Begrüßung durch Klaus Karpstein, Vorsitzender des Solarvereins, gehörte die Aufmerksamkeit der Anwesenden schließlich Fell. Ein Themenpunkt drehte sich dabei um den Slogan „Vom Ahrtal zum SolAHRtal“ und welche Hürden es noch zu bewältigen gäbe. Zwar bestünden zum einen viele Klimaschutzmaßnamen als „Mosaiksteine“ im Kreis Ahrweiler, andereseits „fehle noch das Große und Ganze“. Generell herrsche im Kreis noch deutlicher Nachholbedarf in Sachen Klimaschutz. Diese Versäumnisse lägen allerdings nicht am Kreistag als politisches Gremium und deren Mitgliedern. Dessen Abgeordneten zollte Fell größten Respekt für deren Einsatz.
Nicht nur spezifische Themen rund um das Ahrtal standen auf der Tagesordnung des Vortragsabend. Auch die nationalen Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgase wurden von Hans-Josef Fell kritisch hinterfragt. Für eine Verringerung sei es schon zu spät, so Fell, der forderte, alle schädlichen Emissionen unverzüglich zu stoppen. Das Klimaziel, bis 2045 den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu drosseln werde aller Wahrscheinlichkeit nach bereits in diesem Jahrzehnt erreichtet, prognostizierte der Experte. Zuwenig habe sich bisher getan, um diese Ziele noch als realistisch zu betrachten. Im letzten Jahr sei ein neuer Höchstwert weltweiter CO2-Emissionen zu verzeichnen gewesen, so der Fachmann. Der Grund dafür sei nach wie vor die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Die Auswirkungen seien aber bereits heute spürbar. Die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal sei dafür ein Beispiel.
Die technischen Voraussetzungen, damit der sofortige Ausstieg aus fossilen Brennstoffe gelänge, gäbe es bereits. Allerdings sei eine Umrüstung auf klimaneutrale Energiegewinnung teuer. Somit stünde lediglich der politische Wille einer sofortigen Einstellung der Emission von Treibhausgasen entgegen. Wichtig sei aber genauso, die Bürgerinnen und Bürger miteinzubeziehen, denn Klimaschutz ist ein Gemeinschaftsprojekt.
Damit es mit dem Ausstieg endlich funktioniere, dürfe auch über abenteuerliche oder exotische Projekte nachgedacht werden, sagte Hans-Josef Fell. Eine Idee wäre, Autobahnen mit Photovoltaik-Anlage zu überdachen. Aus diesen Dächern könnten Lastwagen unverzüglich mit Energie versorgt werden. Dies könnte eine Alternative zum Verbrennungsmotor darstellen. Auch die Wasserkraft und die Windenergie müsse verstärkt in den Fokus gerichtet werden.
ROB
