Kunsthaus Rheinlicht
„Alles wird Klara“ begeisterte das Publikum
Remagen. Einen sehr inspirierenden Abend erlebten kürzlich die Besucher des Kunsthauses Rheinlicht, die in den Genuss kamen, die Kölner Chansonsängerin Klara und die Pianistin Margita Linde zu erleben.
Die Erscheinung der beiden Frauen weckte nostalgische Gefühle. Man fühlte sich versetzt in die Zeit der 20er Jahre und geriet unwillkürlich auf Distanz zum Alltag. Die besondere Bühnenpräsenz der beiden Künstlerinnen hielt den Zuhörer durch das ganze Programm gefesselt und nahm ihn mit auf eine berührende Reise.
Klara schreibt und komponiert ihre Lieder in enger Zusammenarbeit mit Margita Linde, mit der sie seit sieben Jahren auftritt. Ihre Chansons kreisen, auch wenn sie manchmal von der Oberfläche auszugehen scheinen, um die tiefen Fragen des Lebens - auf humorvolle, kritische, intelligente, poetische Weise.
Eines ihrer zentralen Themen ist die Frage nach der Freiheit des Menschen. Klara beleuchtet sie aus unterschiedlichsten Blickwinkeln, ob sie auf humorvolle Weise über verborgene gesellschaftliche Zwänge singt, denen wir uns fraglos ausliefern, über die subtilen Botschaften der Werbung oder die Dynamik zwischen Mann und Frau. Wie schwer es ist, in diesem Geflecht von inneren und äußeren Ansprüchen, von Geschmacksdiktaten und zwischenmenschlichen Beziehungen sich selbst auf die Spur zu kommen, sich treu zu bleiben und innerlich klarer zu werden, davon erzählen ihre Lieder. Und sie erzählen von der Poesie und Schönheit des Lebens, für die der Blick oft verloren geht. Ein Höhepunkt des Abends war das Chanson „Alles wird Klara“, nach dem die Künstlerin ihr aktuelles Programm benannt hat. Es ist die Neuformulierung eines Textes von Charlie Chaplin, den er zu seinem 70. Geburtstag verfasste.
Klaras warme, klare Stimme ist durchlässig für die Gefühle, von denen sie singt. Und so wie ihre Stimme und ihre Chansons wandelte sich die Atmosphäre im Konzertraum von befreitem Lachen bis zu stillem Innehalten in der Berührung mit Fragen, die jeder sich auf die eine oder andere Weise selbst stellt. Es war zeitweise, als ständen die Gefühle und Gedanken der Zuhörer mit im Raum, als seien sie auf einmal verbunden mit sich selbst. Zu der ungewöhnlich konzentrierten Atmosphäre des Konzerts trug die besondere Harmonie des Duos bei. Der „Fluss“ zwischen den beiden Frauen und die große stilistische Spannweite zogen die Zuhörer in den Bann. Ein Dank geht an dieses Duo, das auf höchstem Niveau Begeisterung für deutsches Chanson weckte. An eine sensible Poetin und Sängerin und an eine feinfühlige Pianistin, die die Chansons instrumental in ihrer Schönheit zu öffnen vermochte. Ein bewegtes Publikum machte sich nach einem erfüllten Abend, der bei einem Glas Rotwein mit den Künstlerinnen ausklang, auf den Heimweg.
