Neuer Foto-Kalender Oberwinter
Bilder, die Geschichten erzählen
Kalender bringt ein gutes Dutzend historischer Fotos zur Anschauung
Oberwinter. Auf dem Titelblatt des neuen Foto-Kalenders Oberwinter prangt in pastelliger Kolorierung eine hübsche Ansichtskarte. Hauptmotiv ist die hölzerne Gierponte Rolandseck-Bad Honnef um 1900. Dieser frühe Vorläufer der heutigen modernen Autofähre verkehrte von 1874 bis 1902 zwischen den Rheinorten. Danach fuhr bis 1926 eine Längsseil-Gierfähre mit Buchtnachen, die 1902 aus Königswinter übernommen und von den Honnefer Fährbeerbten betrieben wurde. In der Ferne ist rechts der Drachenfels auszumachen, links der Rolandsbogen auf seiner Anhöhe und dazwischen das Grün der Insel Nonnenwerth, welche zusammen die Wasserfläche abzuriegeln scheinen und den Fluss wie einen großen See aussehen lassen.
„Fritzeburg“ und Clausens Geschäftshaus
Das Titelbild und 12 weitere aussagekräftige Postkarten-Motive, für jeden Monat eins in Schwarz-Weiß, hat der Rathausverein Oberwinter aus seinem Archiv für den von Bettina Schütte finanzierten Kalender zur Verfügung gestellt. Er ist in der Oberwinterer Rhein-Apotheke, Hauptstraße 61a, kostenlos erhältlich. Beim Spaziergang durch das Jahr blickt man im Januar auf Bandorf. Die Aufnahme von 1949 zeigt einem beschaulichen Ort, eingebettet zwischen Gärten, Bäumen und weitem Wiesenland. Schon die Römer siedelten dort, wie Funde, etwa der heute im Bonner Landesmuseum befindliche Mithras-Altar, belegen. Der Februar macht Halt in der Hauptstraße von Oberwinter gegenüber dem Rheinhotel Stein. Fokussiert wird das ehemalige Geschäftshaus von Peter Clausen, in dessen Schaufenster unter anderem ein Kohlenherd angeboten wird. Natürlich darf das denkmalgeschützte dreigeschossige Fachwerkhaus mit Stadtmauertor im Kalender nicht fehlen: Die im Kern wohl aus dem 17. Jahrhundert stammende „Fritzeburg“ hat ihren Namen vom „roten“ Fritz Gütgemann, der um die Wende des 19/20. Jahrhunderts Eigentümer war.
Adrette Dienstleister und Hochwasser
Diesem März-Bild folgt im April eine muntere Truppe auf dem Dach. In symmetrischer Formation stellen sich die Protagonisten des Richtfestes vom Neubau „Haus Rheinblick“ (Am Bergquell) um 1930 dem Fotografen. Im Mai begegnet man Bewohnern Oberwinters in traditioneller Winzerkleidung. Sie erinnern auf dem Historischen Festzug 1931 an den einstigen Rebenanbau im Ort. Und was bringt der Kalender-Sommer? Es sind im Juni die Rolandsecker Großtankstelle „Zum freundlichen Herrn“ samt vier weiß gekleideter adretter Dienstleister, im Juli hoch über den beiden Kirchtürmen von Oberwinter die Friedenshütte der Familie Gütgemann im Ellig und im August den Hochwasser bedingten Bootsverkehr auf der Hauptstraße im Jahr 1920.
Anlässe zur Geselligkeit
Wer weiterblättert, trifft auf wiederkommende und einmalige Anlässe zur Geselligkeit. Im September zeigt sich eine Versammlung Birgeler Einwohner zur Kirmes in den 1950er/1960er Jahren. Der nachfolgende Monat präsentiert, ebenfalls in Birgel, die personenreiche würdevolle Gesellschaft einer Goldhochzeit im Jahr 1934 vor dem geschmückten Haus. Kurios erscheint dagegen das November-Bild. Man sollte glauben, dass die „Grosse Rolandsecker Carnevals-Gesellschaft“, die sich auf einer Wiese ablichten ließ und die nach Information der heutigen „Fährnarren“ bis in die 1920er Jahre existierte, Grund zur Freude hatten. Doch die schnauzbärtigen Herren prosten sich an ihrem Tisch ausnahmslos mit ernster Miene zu. Ein besonderes Vergnügen aber bereitete den Rheinanwohnern der Umstand, dass 1929 der Rhein zufror. Schon im Winter 1893 waren die Menschen zu Tausenden herbeigeströmt, um zu Fuß übers Eis von Ufer zu Ufer zu gelangen und sich mit Würstchen und Getränken an einem Stand in des Stromes Mitte zu stärken. Das letzte Kalenderblatt ist dem harten Winter 1929 gewidmet. Auf dem stimmungsvollen Foto mit Blick aufs Eis verbinden sich die Menschenmengen im Hintergrund zu schwarzen Linien. Im Zentrum ziehen Schlittschuhläufer ihre Bahnen und sogar ein Fahrradfahrer hat sich unter die Rheinquerer gemischt.
Kirmesfeier von Birgel in den 1950er/1960er Jahren.Fotos: Archiv Rathausverein Oberwinter
Hoch über den beiden Kirchtürmen von Oberwinter erscheint die Friedenshütte der Familie Gütgemann im Ellig.
Neubau „Haus „Rheinblick“.
