Patricia Kirktrimble übergab das Buch vor den Toren des Friedensmuseums an Hans Peter Kürten
Buch aus Remagen kehrt nach 68 Jahren aus den USA zurück
Remagen. Wenige Tage nach dem Einsturz der Brücke von Remagen, im März 1945, rettete ein US-Soldat in einem Remagener Haus ein uraltes Büchlein vor der Vernichtung und nahm es mit in die USA. James E. Routh ist heute ein angesehner Künstler in den Vereinigten Staaten von Amerika. Für ihn war es ein Herzenswunsch, dass das Buch wieder nach Remagen zurückkehrt. Patricia Kirktrimble, die Frau seines Neffen, brachte dieses Buch zurück nach Remagen. Sie übergab das uralte Büchlein am vergangenen Freitag vor den Türmen der ehemaligen Ludendorffbrücke, dem heutigen Friedensmuseum, an Ex-Bürgermeister Hans Peter Kürten, den Gründer des Friedensmuseums und Vorsitzenden des Vereins, Friedensmuseum Brücke von Remagen.
Mit Hans Peter Kürten, Stadtarchivar und Historiker Kurt Kleemann und einer Freundin besichtigte Patricia Kirktrimble zunächst das Friedensmuseum. Im Anschluss übergab sie das uralte Büchlein Hans Peter Kürten. Kürten zeigte sich überglücklich, dass jemand aus Amerika nach so langer Zeit, nach immerhin 68 Jahren, eine Verwandte nach Remagen schickt, um das Buch heimkehren zu lassen. Zum Dank überreichte Kürten Patricia Kirktrimble einen Brückenstein, einen Originalstein der ehemaligen Ludendorffbrücke, die nummerierte 5215. „Das ist der erste Brückenstein, den ich verschenke“, betonte Kürten. Alle anderen vorherigen wurden verkauft. Diese Idee hatte Hans Peter Kürten, bevor er 1978 begann die Steine zu verkaufen. Aus dem Erlös baute er in den ehemaligen Brückentürmen das Friedensmuseum Remagen, das weltweite Bekanntheit erlangte und am 7. März 1980 seine Pforten öffnete. Nachdem rund 690 000 Menschen das Friedensmuseum seit seiner Öffnung besucht haben, hofft Hans Peter Kürten darauf, noch in diesem Jahr den 700 000. Besucher willkommen heißen zu können.
Patricia Kirktrimble, Beschäftigte des US-Militärstützpunkts in Wiesbaden, empfand es als eine Ehre, an dieser historischen Stätte das uralte Büchlein an Hans Peter Kürten übergeben zu dürfen. Bei dem Buch handelt es sich um eine niederländische Ausgabe der Bekenntnisse des Heiligen Augustinus, gedruckt in Antwerpen 1635.
Der damalige US-Soldat, der das Büchlein vor den Flammen rettete, James E. Routh, der heutige 95-jährige, wurde 1918 in New Orleans geboren. Er studierte an der New Yorker Art Students League Malerei und war als Künstler aktiv, bevor er als Grafikdesigner beim Flughafen von Atlanta tätig war. Im Zweiten Weltkrieg war Routh im Einsatz in der „Ordnance Ammunition Group“, einer Nachschub-Kolonne der Artillerie. Diese Kolonne wurde vor der Invasion der Normandie gegründet. Wenige Tage nachdem die 9. US-Panzerdivision am 7. März 1945 die intakte Ludendorffbrücke erobert hatte, kam James E. Routh mit seiner Einheit nach Remagen. Die Einheit bezog Quartier in einem teilweise zerstörten historischen Gebäude mit Wirtschaftsgebäuden, Stallungen und Wassergraben. Vom Schlafzimmer aus, so Routh in seinen Aufzeichnungen, hatte er einen Blick auf den Rhein und die noch vorhandene Ludendorffbrücke. Besonders die getäfelte Bibliothek des Gebäudes mit tollem Bücherbestand mit unter anderem Manuskripten in gotischer Schrift hatte den jungen Routh beeindruckt. Als er ein weiteres Mal in die Bibliothek blickte, war in den Regalen Militärbedarf untergebracht. Draußen brannten die Bücher auf einem Haufen. Nur ein einziges Buch konnte Routh retten: die niederländische Ausgabe der Bekenntnisse des Heiligen Augustinus. Historiker Kurt Kleemann will herausfinden, woher das Buch stammt. Auf welchem Besitz sich die Bibliothek befunden haben kann, weiß er noch nicht.
