Zehn Jahre Waldferien in Oberwinter
Das Jahr in der Natur erleben
Oberwinter. Noch bedeckt der morgendliche Tau die Wiese, und die Sonne ist noch nicht hinter dem Wald aufgestiegen. Es ist noch ein wenig kühl. Eine Kohlmeise begrüßt die Kindergruppe auf ihrem Weg zur Anhöhe. Dort, wo die Sonne zuerst hinkommt. Hier werden sie nach Tierspuren suchen, die Rehe, Eichhörnchen, Siebenschläfer und Mäuse in der Nacht hinterlassen haben, und hier werden sie mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im Gesicht gemütlich frühstücken. Eine Gruppe von 15 Kindern erlebt einen ganz anderen Morgen, als den gewohnten. Sie steigt aus ihrem alltäglichen Leben aus, um in eine wunderschöne Naturwelt einzutauchen.
Die Naturerlebniswoche in Oberwinter
Was 2005 als gemeinsames Projekt mit dem damaligen Reitbetrieb Hegerhof in Bandorf startete, jährt sich nun das zehnte Mal. Bis auf die Weihnachtszeit werden in allen Ferien Waldwochen zu unterschiedlichsten Themen in Oberwinter angeboten, an denen Schulkinder im Alter von sechs bis 13 Jahren teilnehmen können. Zudem finden auch ganzjährig Kurse für Waldkinder statt, die sich einmal wöchentlich treffen und gemeinsam die Natur um Oberwinter erkunden und erspielen. Seit 2010 können die Kinder in einer gemütlichen Holzhütte auf einer alten Obstwiese inmitten des Waldes einkehren und dort malen, bauen, basteln, werken und filzen. Auch kann dort am Feuer gekocht und gebacken werden. Im Herbst werden Äpfel von den Bäumen der Obstwiese gebraten und es wird Apfelmus gekocht. Auch haben sich mittlerweile Bienenstöcke eingefunden, und es gibt frischen Honig sowie Bienenwachs, den die Kinder im Herbst zum Kerzenziehen nutzen. Und sie unterhalten einen eigenen Gemüsegarten. Seit etwa drei Jahren finden Theater- und Erzählprojekte auf der Wiese statt, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Wo lassen sich Märchen und Legenden besser frei erzählen, als vor der natürlichen Kulisse eines Waldes, bei einem Lagerfeuer? In einer solchen Umgebung trauen sich auch die kleinsten Abenteurer, ihre eigenen Geschichten vor einer Gruppe frei zu erzählen.
Manchmal helfen ihnen dabei Figuren, die sie selbst aus Ton und Stöcken oder aus Filz gebastelt haben, oder sie improvisieren mit ihrem Körper oder einem alltäglichen Gegenstand, wie einer Brotdose.
Doch der Schwerpunkt aller Waldferien und -kurse ist und bleibt das Naturerleben. Alles, was Kinder über ihre natürliche Umwelt erfahren können, erleben sie bei diesen intensiven Waldbesuchen. Den Sonnenschein nach einem Regenschauer, das Spiel von Licht und Nebel, der Geruch eines sommerwarmen Nadelwalds, der Gesang von Mönchsgrasmücken und Goldammern, die Stille in der Mittagshitze und all die wunderbaren Tiere mit ihren Eigenschaften und Geschichten.
Mittlerweile haben immer mehr Institutionen die Bedeutung der Natur für die Reifung von jungen Menschen erkannt, und es gibt immer mehr Kindergärten, Schulen und Wohlfahrtsverbände, die Naturwochen anbieten. Umso mehr freuen sich die Organisatoren darüber, solche Angebote schon seit zehn Jahren in Oberwinter durchführen zu können.
Weitere Informationen bei Sibylle Drenker-Seredszus, Tel. (0 22 28) 91 12 64, E-Mail drenker-seredszus@t-online.de.
