Podiumsdiskussion mit Vertretern der Remagener Sportvereine
Der Sport fördert die Integration
Trotz positiver Bilanz werden mehr ehrenamtliches Engagement und bessere Finanzausstattung gewünscht
Remagen. Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in den großen Remagener Sportvereinen war Thema einer Podiumsdiskussion, zu der die Kolpingsfamilie Remagen innerhalb des Lokalen Aktionsplans Remagen vier große Sportvereine eingeladen hatte. Der Postsportverein (PSV) Remagen, der SV Remagen, der TV Remagen und der TuS Oberwinter waren stellvertretend für die Sportvereine in Remagen auf dem Podium vertreten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Kolpingvertreter Werner Unkelbach.
Erstaunliches wusste dabei Otto von Lom, Chef des TV Remagen zu berichten. Der älteste Sport treibende Verein im Kreis Ahrweiler - gegründet 1877 - hat bei 725 Mitgliedern einen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund von rund 27 Prozent. Dies liegt deutlich über dem statistischen Durchschnitt. Der entsprechende Anteil in der Remagener Bevölkerung liegt bei rund 18 Prozent. Seit 1960, aber vor allem seit 1989 mit dem Programm „Sport für Aussiedler“ widmet sich der Verein der Integration.
Günter Chatenay, erster Vorsitzender des PSV Remagen, der mit 1290 Mitgliedern größter Sportverein in Remagen ist und 46 Trainer und Übungsleiter im Einsatz hat, konnte ebenfalls auf eine erfolgreiche Integrationsarbeit verweisen. Vor allem die Ferienfreizeiten und die Begegnungsfeste seit 1990, die sich an Aussiedler richteten, brachten dem Verein zahlreiche Auszeichnungen ein.
In den beiden großen Spartensportvereinen der Stadt Remagen läuft das Zusammenspiel zwischen deutschen und Mitgliedern mit Migrationshintergrund reibungslos. Dies gilt auch für die großen Fußballvereine der Stadt. Beim SV Remagen, vertreten durch den 2. Vorsitzenden Florian Gottschalk, und beim TuS Oberwinter, vertreten durch Geschäftsführer Wolfgang Middecke, ist der Anteil von Mitgliedern mit Migrationshintergrund traditionell groß. „Viele Mannschaften könnten zum Beispiel ohne den Nachwuchs türkischer Abstammung gar nicht antreten“, so Gottschalk. Middecke verwies darauf, dass der TuS Oberwinter als klassischer „Multikultiverein“ gelte. In Oberwinter wohnten Vertreter von Botschaften zahlreicher Länder.
Die beiden Vertreter des Fußballsports stellten klar, dass es auf dem Platz wesentlich emotionsgeladener zuginge als etwa bei Aerobic. Beide Vereine erläuterten, dass es bei Festen und Feierlichkeiten bei Speisen und Getränken ein breites Angebot auch für muslimische Mitglieder gebe.
Schwierig ist es für alle Vereine, Menschen mit Migrationshintergrund für das Ehrenamt oder die Tätigkeit als Trainer und Übungsleiter zu finden. Obwohl dies in Einzelfällen immer wieder gelingt.
„Es braucht noch mehr Ehrenamt und noch mehr Geld“, war man sich auf dem Podium einig. Die Fördermöglichkeiten durch den Landesportbund und die Sportjugend erklärte Milan Kocian, der Landeskoordinator „Integration durch Sport“, der bei der Veranstaltung vorbeigeschaut hatte und seine Unterstützung anbot.
Inhaltlich lief im Pfarrzentrum in der Kirchstraße eine hochinteressante Veranstaltung ab. Ein Manko: Trotz breit gestreuter Einladungen hielt sich das Interesse in Grenzen. Nur knapp 20 Zuhörer hatten sich eingefunden.
