Bürgerkönigsschießen bei der Sankt-Sebastianus-Schützengesellschaft von 1478
Der königliche Greif routierte auf der Stange
Horst Brück ist neuer Bürgerkönig der alten Römerstadt
Remagen. Zwar ist der Montag, der Tag an dem sich Remagener Schützen einen Lebenstraum erfüllen können - die Würde des Schützenkönigs, doch bereits am davor liegenden Sonntag geht es für die Bürger und die aktiven Schießsportler der Sankt-Sebastianus-Schützengesellschaft von 1478 um Ehre und Orden. Der Sonntag ist der Tag, an dem der Bürgerkönig ausgeschossen wird, und gleichzeitig die Würdenzeichen für die Uniform errungen werden können. Es ist aber auch der Tag, an dem der amtierende König auf seinen Abschied vorbereitet wird. Eine letzte Ehrung wird ihm zuteil: Bei der großen Parade auf dem Marktplatz darf er vorbei an der Bürgerschaft, vorbei an den Gastvereinen, vorbei an den Schützenbrüdern, die Parade abnehmen. Diese Ehrung wurde Adi Görres und seiner Frau Ruth bei herrlichstem Schützenwetter zuteil. Begleitet von Adjutant Werner Schopp, auf Befehl von Hauptmann Bernd Schunk schritt, das Königspaar mehrmals an der reichlich erschienenen, applaudierenden Bevölkerung vorbei. Diese zog zu weiten Teilen mit auf den Schützenplatz am Viktoriasbergweg. Die mehr als 80 Aktiven der Gesellschaft und die Gastvereine hatten einen weiteren Weg vor sich. Unter dem klingenden Spiel der Rheinklänge, die bereits seit den frühen Morgenstunden auf den Straßen der Stadt zum Wecken aufgespielt hatten, ging es im weiten Bogen mit dem Festzug zu den Schießständen. Dort herrschte bereits reges Treiben. Jugendwart Thomas Pieper hatte seine Schutzbefohlenen und die Jugendlichen der Gastvereine bereits zum sportlichen Wettstreit antreten lassen. Gerade auf die Jugendarbeit legen die Sankt-Sebastianer-Schützen einen großen Wert. Beim Serienschießen der Schüler- und Jungschützen errang schließlich Nadine Decroupet den ersten Platz, gefolgt von ihrer Schwester Nicole.
Für die weiteren guten Plätze wurden von Wolfgang Stran geehrt: Alina Beu, Helen Assenmacher, Katharina Zimperfeld, Jennifer Lennertz und Tobias Brenner. Derweil war auch das Schießen um die Würde des Bürgerkönigs voll entbrannt. 37 Kandidaten hatten sich gemeldet, darunter nicht wenig weibliche Aspirantinnen.
Hauptmann Bernd Schunk ist für die Entstehung des königlichen Vogels verantwortlich, hatte ihn auf die Stange gesetzt. Und diese sollte noch eine große Rolle spielen, bei der Suche nach dem König. Jeder Schuss wurde von der fachmännischen Abteilung der Schützen herzhaft kommentiert. Zu dicht, zu früh, zu weit oben, zu wenig Konzentration, aber auch ein herzhaftes „Oh jeh“ oder „Schade“ begleitete die Schützen unter Aufsicht von Rene Heck und Gereon Wickord. Welch ein Jubel, als es Niklaas Gemein gelang die Krone zu treffen, Thomas Schuster wurde für den Kopf umjubelt, Hermann Efferz brachte den linken Flügel zum Wackeln, doch er fiel nicht. Einen Schuss später gelang dieses Ingrid Efferz. Wenig später traf Slawko Schlauf den rechten Flügel und nach einem spannenden Kandidatenkarussell Personenwechsel fiel bei dem Schuss von Matthias Heinen- Krieger der Schweif. Jetzt wurde es ernst. „Genau die Mitte an der Stange getroffen, und der Vogel fällt“, hieß es aus Fachkreisen. Doch der trotzte dem Schießgeschehen. Es splitterte zwar deutlich, doch der Vogel routierte auf der Stange. Endlich um 19.27 Uhr hallte der erlösende Aufschrei über den Platz: Horst Brück war es gelungen, den Vogel von der Stange zu holen. Auf den Schultern seiner Freunde wurde der neue Bürgerkönig gefeiert und die Nachricht ging mit Windeseile durch die Stadt.
Mit ihm und seiner Frau Monika freuten sich die Feuerwehrkameraden, die Prinzengarde und der Elferrat, denn der neue Bürgerschützenkönig macht seinem Namen alle Ehre: Er ist in zahlreichen Remagener Vereinen zuhause. Die offizielle Ehrung lag natürlich in den Händen des Präsidenten der Remagener Schützen, Wolfgang Strang. Der scheidenden Bürgerkönig Adi Görres überreichte gerne seinem Nachfolger Horst Brück die Königskette. Noch lange wurde auf dem Schützenplatz gefeiert, zum einen der Bürgerkönig und zum anderen die erfolgreichen Schützen der Schießspiele.
Horst Brück errang nach hartem Ringen auf dem Viktoriaberg die Würde des Bürgerkönigs und wurde auf den Schultern getragen.
