Remagener Christen bei der Chrisammesse in Trier
Die Freude, Jesus begegnet zu sein
Bischof Stephan Ackermann weihte in der Karwoche im Beisein zahlreicher Gläubiger heilige Öle
Remagen. „Wenn die uns anvertrauten Menschen mit dem Öl der Freude gesalbt werden, ist das zu merken - zum Beispiel, wenn sie aus der Messe kommen mit dem Gesicht dessen, der eine gute Nachricht erhalten hat“, predigte Papst Franziskus in der Chrisam-Messe am Gründonnerstag. Einen Tag zuvor konnte man diese Freude auch in den Gesichtern der Christen aus Oberwinter, Unkelbach und Oedingen sehen, als sie durch das Westportal den Trierer Dom verließen. Mit Bischof Stephan Ackermann, den Weihbischöfen, Dechanten, Priestern, Diakonen, mit Pfarrer Frank Kluptsch, Abbé Richard Atchadé und den Messdienerinnen und Messdienern der Pfarreien feierten sie einen festlichen Gottesdienst zur Weihe der heiligen Öle.
Früh am Morgen war die kleine Gruppe per Bus und Pkw nach Trier angereist: Christen auf dem Weg zur Missa Chrismatis. Das hat eine tiefe Bedeutung, denn die Bezeichnung „Christen“ leitet sich aus dem Griechischen von „Iesous Christos“ ab, übersetzt „Gesalbter“. Christen sind folglich Gesalbte. Das mag manchem vielleicht ein wenig abgehoben oder befremdlich vorkommen, aber seit Jesus werden nicht nur die Könige, Priester und Propheten gesalbt, sondern alle Menschen, die ihm nachfolgen. Sie sind mit Heiligem Geist gesalbt. Einmal im Jahr, in der Karwoche, weihen die Bischöfe das Öl für Taufe, Firmung, Priester- und Bischofsweihe, aber auch zur Stärkung der Kranken oder zur Konsekration von Kirchen und Altären. Während sich der Bus der Bischofsstadt Trier näherte, sprach Pastor Klupsch über die Bedeutung des Öls in der Antike und auch heute. So wurde es damals in dreifacher Weise benutzt: als Nahrungs- und Heilmittel sowie vermischt mit wohlriechenden Kräutern auch als Kosmetikum. Bischof Stephan Ackermann griff in seiner Predigt das Wort „Freude“ auf. Ein freudloses Christentum sei kein Christentum, sagte er. Evangelium heiße schließlich übersetzt „Frohe Botschaft“. Der Glaube dürfe nicht zu einem bloßen System von Lehrsätzen oder Handlungsanweisungen verkommen. Die Freude entspringe nicht aus dem Besitz vieler Dinge, sondern daraus, Jesus begegnet zu sein. Zur Gabenbereitung brachten Diakone große Kannen mit bestem Olivenöl zum Altar. Nach der Kommunion bereitete der Bischof Chrisam zu, ein besonders wertvolles Öl und weihte es zusammen mit dem Katechumenen- und Krankenöl. Messdiener aus vielen Pfarreien des Bistums assistierten den Priestern und Bischöfen am Altar und zogen nach der Messe in einer großen Prozession durch den Dom. Auch die Oberwinterer Messdiener Stefanie Juchmes, Dorothee Sperker, Philipp Sperker, Damian Höster und Luca Gonzales standen für die Menschen der Remagener Pfarreien stellvertretend am Altar.
Im Anschluss an den beeindruckenden schönen Gottesdienst stärkte sich Gruppe in einem nahe dem Dom gelegenen Restaurant. Nach dem Tischgebet erfreuten sich alle an dem leckeren Essen und den guten Gesprächen. In der Runde saßen drei Priester: Frank Klupsch, Richard Atchadé, der nach seiner Kaplanszeit in Oberwinter nun als Kooperator in der Pfarreiengemeinschaft Schweich tätig ist, und Günther Marmann, der in Koblenz Pastor ist. Man spürte die Verbundenheit der Tischgemeinschaft, die dort beisammen war - gestärkt durch die Zeichen, Worte und Gesänge des Gottesdienstes, durch Speisen und Getränke, und nicht zuletzt durch die Wertschätzung untereinander. Schließlich endete die frohe Mittagsrunde, und alle hatten einige Stunden in Trier zur freien Verfügung.
Auf der Rückfahrt präsentierte der in Trier geborene und aufgewachsene Pastor Klupsch „seine“ Stadt - unterhaltsam, kurzweilig und mit vielen interessanten Geschichten, manche in Trierer Platt. Zum Beispiel von der Rettung der Liebfrauen-Basilika vor dem Abrissbefehl Napoleons. Oder über die Klarissen-Kapuzinerinnen, die auf dem Trierer Petrisberg allein von ihrer Hände Arbeit und Spenden der Wohltäter leben: „Wenn’s Glöckchen läutet, haben die Schwestern nichts mehr zu essen“.
Doch auch Karl Marx und die vielen chinesischen Besucher seines
Geburtshauses wurden erwähnt: „Trier kennt in China fast jeder - das lernen die in der Schule.“ Kurz nach sieben Uhr endete die Fahrt mit einem Dank- und Abendgebet sowie einer Einladung zur Mitfeier der drei österlichen Tage.
