Allgemeine Berichte | 31.01.2015

Eifelverein Remagen

Durch die Giftküche der Alaungewinnung

Remagener Wanderer erkundeten die Gegend zwischen Ennert und Vinxel

Vor letzten Resten des Alaun-Betriebes. privat

Vinxel. Beißende Giftschwaden, Qualm und Asche in der Luft, kilometerweit nur noch eine verwüstete Mondlandschaft, kein Baum mehr in der Landschaft, kein Leben mehr in den Gewässern - so sah die Gegend vom Ennert bis Vinxel nördlich des Siebengebirges vor 200 Jahren aus. Heute aber wanderten die Remagener Eifelfreunde dort durch ein Naturschutzgebiet mit vielfältiger Tier- und Pflanzenwelt. Die zahlreichen Tümpel und kleinen Seen sind ein Refugium für Wasservögel, Salamander, Unken, Molche und Kröten. Im Sommer schwirren darüber farbenprächtige Libellen. Doch aufmerksame Beobachter können noch immer zahlreiche Relikte aus der Zeit eines großen Bergbau- und Verhüttungsbetriebes entdecken, auf den auch informative Schautafeln hinweisen.

Hier wurde Alaun (Mischmetallsalze der Schwefelsäure) aus der untersten Schicht eines Braunkohlevorkommens gewonnen durch Verbrennung, Auslaugen und Eindampfen. Im Laufe der Jahrzehnte wurde über eine Million Tonnen Alaunkohle gefördert. Dieses Alaun war im 19. Jahrhundert ein begehrter Rohstoff für die Leder-, Papier- und Leimherstellung sowie zur Textilfärbung. Hier beschäftigte ab 1806 die Firma Bleibtreu über 500 Mitarbeiter und war damit der größte Arbeitgeber der ganzen Region. Die Arbeit war ungesund und der Braunkohleabbau unter Tage zusätzlich gefährlich. Der Fabrikdirektor Leopold Bleibtreu genoss trotzdem wegen seiner hohen sozialen Gesinnung bei der Belegschaft großes Ansehen.

Nach 1875 lohnte sich das ganze Unternehmen plötzlich nicht mehr. Die chemische Industrie hatte synthetische Verfahren zur Alaunherstellung entwickelt. Der Betrieb wurde aufgegeben. Aus dem Mauerwerk der großen Anlagen durfte sich an den hart gebrannten Ziegeln bedienen, wer immer es wollte. So blieb fast nichts davon übrig. Doch ein beeindruckend hoher und lang gestreckter Hügel bleibt auf Dauer bestehen. Es ist der „Rote Berg“, entstanden durch Aufschüttung riesiger Aschemengen. Auch auf ihm wachsen inzwischen große Bäume. Doch so ganz unproblematisch ist seine Entstehungsgeschichte auch heute noch nicht, wie die Wanderer beobachten konnten. An einer Stelle am Fuß des Hügels sickert auch nach 200 Jahren noch immer etwas konzentrierte rostbraune Brühe heraus.

Der Weiterweg entlang der ehemaligen Trasse einer von Pferden gezogenen Transportbahn führte zur höchsten Erhebung in der Gemarkung Bonn, dem unscheinbar flachen, 194 Meter über Normalnull hohen Paffelsberg (zum Vergleich: Der Remagener Scheidskopf bringt es auf 280 m über Normalnull). Über Gut Frankenforst und die schneebedeckte Kasseler Heide wurde das auch im Winter malerische Lauterbachtal erreicht und danach ging es an Vinxel vorbei nach Oberholtorf. Schade, der Schnee verbarg dort die sonst gut erkennbaren Grundmauern einer der größten und ältesten Kirchen der Umgebung.

Von dort war es nur noch ein kurzes Stück durch den Wald zurück zum Parkplatz am Ennert, dem Ausgangspunkt der Wanderung.

Vor letzten Resten des Alaun-Betriebes. Foto: privat

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