Begeistertes Publikum in der Remagener „Kulturwerkstatt“
Ein Job wie jeder andere auch
Kabarettist Stefan Reusch hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt zu retten
Remagen. Gut, das gibt er zu: „Es ist ein Job wie jeder anderer, die Welt zu retten.“ Schließlich hat Stefan Reusch ja auch reichlich Vorbilder, sagt er - wie Superman, Batman oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Mit dieser Logik des Kabarettisten muss der Kleinkunstfreund rechnen, wenn er bereit ist, sich auf Wortspiele. Wortwitz und Einschalten der „grauen Zellen“ einzulassen. Dann aber fühlt man sich bei dem SWF-3 Sprecher mit Kölner Hintergrund sehr wohl an alte Hildebrand-Zeiten erinnert.
Reusch will nicht nur die Welt retten, er macht einen Abstecher durch die Welt der Politik, des Alltags und des ganz normalen Wahnsinns. Und da bemüht sich der Mann im papageiengelben Sakko gleichermaßen Lyrik, Poesie und Dialektik zu verstreuen. Er schlägt schon zu, aber nicht unter die Gürtellinie. Er bemüht sich auch, die gesamte Bandbreite der Politik zu erfassen. Die FDP kommt - wie meist im Kabarett - nie so richtig gut weg. „Sah ein Grab ein Rösler stehen“, bringt Reusch sogar musikalisch. Peer Steinbrück wird natürlich auch ein Opfer der Satire, und dass Berlin den ersten „Nichtflughafen“ der Republik besitzt, erfährt der geneigte Gast so zwischendurch. In Stuttgarts Bahnhof soll mehr Rotlicht hinein, meint Reusch, dann geht es den Schwaben auch unterm Strich gut, sieht er in die Zukunft. Gegen Schwarzarbeit hat der Mann, der alle Männer mit dem Vornamen Herbert bemitleidet, auch nichts. Es sein denn, man hat es beizeiten in den Ehevertrag aufgenommen.
Nur die deutsche Politik, die gefällt dem Weltenretter nicht so ganz. Da gibt es ihm im Ausland zu viele Waffen mit deutschem Migrationshintergrund. Und im Inland fehlt ihm die wahre Esskultur. Da kommt er nicht so recht zurecht mit den schwäbischen „Gaultaschen“ oder der rumänischen „Ratte macchiato“. Doch den Deutschen insgesamt gehe es gar nicht so schlecht, zieht er in Zweifel, ob er denn immer die Welt retten müsse: Auch wenn Deutschland das Land der „Anonymen Melancholiker sei“ würde doch immer „noch gefeiert, bis der Hartz kommt“. Der älteren Generation widmet sich Stefan Reusch besonders. Schließlich würden die Menschen ja immer älter, doch da hofft er schon auf die Gesundheitsreform, die dieses ändert. In „Altenstätten“ hat er die meisten Senioren ausgemacht. Altenstätten liegt im Grauhaargebirge, direkt über der Wupper, gibt er kund, für den, der den Geheimtipp für Senioren nicht kennt. Mit einem kurzen „Krück auf“ kam der Kabarettist aber nicht von der Bühne. Seiner Zugabe folgte die Zusage, dass er seinem Bühnendebüt weitere Auftritte folgen werden.
