Requiem von Gabriel Fauré in der evangelischen Kirche Oberwinter
Erfolgreiches Passionskonzert
Remagen/Oberwinter. Am vergangenen Sonntagabend hatte der Förderverein Kirchenmusik Oberwinter zu einem Passionskonzert eingeladen. Die Vorsitzende Jutta Deimel führte in das Programm ein, dass die Kirchenmusikerin Christiane von Essen einfühlsam zum Palmsonntag zusammengestellt hat. Das Requiem von Gabriel Fauré stand im Mittelpunkt eines Konzertabends, der von drei kleineren, bewegenden Werken eingeleitet wurde. Hier brillierten die in Oberwinter bereits erfolgreich konzertierende Harfenistin Katrin Pechloff und die souveräne Sopranistin Marie Heeschen.
Letzterer gelang, begleitet von vier Celli, mit Purcells ergreifender Arie „When I am laid in earth“ eine beeindruckende Einstimmung in das Thema der Passion. Diese vertiefte Katrin Pechloff mit dem Solostück „Consolation“ von Franz Liszt auf äußerst sensible Weise; die Kirche wurde erfüllt von den zarten Klängen der Harfe. Das folgende „Kaddisch“ von Maurice Ravel, einem Schüler von Gabriel Fauré, bildete eine Brücke zum anschließenden Requiem. Ravel war vom jüdischen Kaddisch-Gebet so ergriffen, dass es ihn zu einer seiner schönsten Kompositionen anregte. Dies vermochten Marie Heeschen und Katrin Pechloff den gebannten Zuhörern nahezubringen und in das Hauptwerk des Abends einzustimmen.
Im Mittelpunkt des Konzertes stand das Requiem von Gabriel Fauré; er kommentierte den Geist seines Werkes mit folgenden Worten: „Über mein Requiem hat man gesagt, es drücke gar kein Entsetzen angesichts des Todes aus, jemand hat es sogar als Wiegenlied des Todes bezeichnet. Und genauso empfinde ich den Tod: als eine ihm innewohnende Erlösung, viel eher als ein Sehnen nach Glück im Jenseits denn als einen schmerzhaften Übergang.“ Faurés Requiem zeichnet kein Bild des Schreckens. So lässt er bis auf die letzten Zeilen das „Dies irae“ (den Tag des Schreckens) unberücksichtigt. Bewusst spart er die Schilderung des himmlischen Strafgerichtes und die Androhung von Höllenqualen aus. Das abschließende „In Paradisum“ hinterlässt eine tiefe Ruhe und Gelassenheit. Dem evangelischen Kirchenchor Oberwinter, begleitet von den professionellen Instrumentalisten des Ensembles Camarata Instrumentale Köln aus Musikern der Musikhochschule Köln, gelang es mit Stimmsicherheit und klarer Artikulation die Dichtigkeit dieses Werkes auf eindrückliche Weise zu vermitteln. In das gute Zusammenspiel unter dem Dirigat der Chorleiterin fügte sich der Bariton Fabian Hemmelmann mit seiner kultivierten und warmen Stimme ein. Ohne Pathos brachte er im „Libera me“ die Bitte um Erlösung mit seiner schlichten Interpretation wahrhaft zum Ausdruck. Abschließend gehört dem Organisten Johannes Quack von der Antoniterkirche Köln besonderer Dank. Er hat die schwierige Aufgabe, seinen Part von der Empore aus ins Orchester einzufügen, auf hervorragende Weise bewältigt.
Mit ihrem Kollegen und dem Chor, den Musikern und den Solisten erreichte Christiane von Essen im Requiem von Fauré eine tiefe Interpretation von Tod und Auferstehung. Dies übertrug sich auf die hoch konzentrierten Zuhörer; sie dankten mit lang anhaltendem Beifall in der trotz Ferienbeginn bis auf den letzten Platz besetzten Kirche. Ein wunderbarer Abend, der noch lange bei allen Beteiligten nachklingen wird.
