Prüfung von historischer Bausubstanz
Erhalt des historischen Hotelkerns in Rolandseck sicherstellen
Rolandseck. Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal des Vereins Stadtbild Deutschland setzt sich für eine Prüfung des Erhalts des historischen Kerns des ehemaligen Hotels „Zum Anker“ an der Mainzer Straße in Rolandseck ein.
Das heute stark veränderte und seit Jahren ungenutzte Gebäude befindet sich in einem schlechten baulichen Zustand und soll Anfang 2027 erneut versteigert werden. Dennoch sollte nach Auffassung des Regionalverbandes zwischen dem historischen Hauptgebäude und zahlreichen später hinzugefügten An- und Umbauten unterschieden werden.
Das ehemalige Hotel ist ein Zeugnis der großen Zeit des Rheintourismus im 19. Jahrhundert. Rolandseck gehörte mit seiner Lage am Rhein, gegenüber der Insel Nonnenwerth und in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs zu den bekannten Stationen des romantischen Rheins. Das Hotel „Zum Anker“ erinnert bis heute an diese Epoche, in der der Tourismus die Architektur und Entwicklung der Rheinorte entscheidend prägte.
Nach Ansicht von Stadtbild Deutschland besitzt insbesondere der architektonische Kern des Haupthauses weiterhin einen erkennbaren historischen Wert. Spätere Veränderungen, insbesondere die heute das Erscheinungsbild prägenden gläsernen Balkone und weitere Anbauten, verdecken dagegen teilweise die ursprüngliche Architektur. Durch einen Rückbau dieser späteren Bauteile könnte der historische Charakter des Gebäudes wieder deutlicher hervortreten.
Der Regionalverband spricht sich dabei nicht für den Erhalt sämtlicher Gebäudeteile aus. Vielmehr sollte geprüft werden, welche Bauteile tatsächlich erhaltenswert sind und welche abgängigen oder später entstandenen Gebäude zurückgebaut werden können.
Für die frei werdenden Grundstücksflächen sieht Stadtbild Deutschland zugleich Chancen für eine wirtschaftliche Neuentwicklung des Areals. Denkbar wäre beispielsweise ein hochwertig gestalteter Garagen- und Lagerhof. Neue Garagengebäude könnten als verputzte, an der Architektur des historischen Haupthauses orientierte Nebengebäude gestaltet werden. Tore und Türen könnten gestalterische Elemente des ehemaligen Hotels aufnehmen und so ein zusammenhängendes Ensemble bilden.
„Der Erhalt des historischen Haupthauses und eine wirtschaftliche Nutzung der übrigen Grundstücksflächen müssen kein Widerspruch sein“, erklärt der Regionalverband. „Gerade eine neue Nutzung der rückwärtigen und abgängigen Gebäudeteile könnte dazu beitragen, die Rettung des historischen Kerns langfristig zu ermöglichen.“
Stadtbild Deutschland – Regionalverband Unteres Mittelrheintal appelliert daher an die Stadt und vor allem mögliche Investoren, vor einem vollständigen Abriss eine fachliche Untersuchung und ein Nutzungskonzept für das historische Haupthaus zu prüfen.
Stadtbild Deutschland e. V.
Regionalverband Unteres Mittelrheintal
Weitere Themen
So könnte im Wesentlichen das alte Hotel „Zum Anker“ nach der Sanierung wieder aussehen. Rechts würde sich die Einfahrt zu den rückwärtigen Garagen und Lagerräumen befinden. Foto: Thomas Napp