FREIHEIT, DIE ICH SUCHE
Ein interkulturelles Theaterprojekt erzählt Geschichten von Menschen verschiedener Nationen
Remagen. Derzeit entsteht in Remagen ein interkulturelles Theaterstück unter dem Titel: „Brücken in Remagen“. Es ist ein Werk, dessen Aktualität sich wohl nie abnutzen wird - eine Sammlung wahrer (Lebens)Geschichten, die von Flucht, dem Verlust der Heimat und vom Traum der Freiheit erzählen. Die Theatergruppe präsentiert am 16. und 17. März, jeweils um 19 Uhr die Aufführung „Brücken in Remagen“ im Foyer der Remagener Rheinhalle.
Hinter dieser außergewöhnlichen Projektarbeit stehen sechs Nationen und 14 Spieler unter der Leitung und Regie von Sibylle Drenker-Seredszus.
Die eigene Geschichte
Ein Theaterstück entsteht meist nach einer Geschichte, einem Märchen, einem Gedicht oder einem eigens für die Bühne geschriebenen Werk. Sibylle Drenker-Seredszus wagt mit ihrem Theater-Projekt eine weitere Variante: Sie lässt Menschen ihre eigenen Geschichten auf die Bühne bringen, Geschichten persönlicher Begegnungen. In einem Zeitungsaufruf lud sie alle ein, die Freude am Theaterspiel haben, sich für eine interkulturelle Theaterarbeit zu melden. Im Mai startete sie sodann mit über 20 Teilnehmern mit einem Improvisationstraining. Nach den Sommerferien begann sie mit der eigentlichen Projektarbeit, nachdem die Spieler eine gewisse Vertrautheit miteinander entwickelt hatten. Mit einem Kern, einer Essenz von Frauen und Männern aus zuerst 10 verschiedenen Nationen sammelte sie die Geschichten persönlicher Begegnungen.
Diese „Essenz“ an Mitspielern bringt eine Lebendigkeit und Intensität auf die Bühne, die sich beim Publikum in Form von Ergriffenheit, Gänsehaut, Tränen der Rührung und des Lachens bemerkbar macht. Sibylle Drenker-Seredszus sagt über ihr Projekt: „Ich hatte Glück. Aus der anfänglichen Gruppe entwickelte sich dieser starke Kern von nunmehr 14 Spielerinnen und Spielern. Teilweise haben wir Geschichten anderer Teilnehmer, die uns im Laufe der Zeit verlassen haben, beibehalten. So ergibt sich eine reiche Geschichtensammlung. Das ganze Projekt war ein abenteuerliches Unternehmen für mich. Es gab keine Garantie, ob am Ende wirklich ein gutes Stück aufführungsreif entstehen würde. Doch die Arbeit hat sich gelohnt - nun sehen wir freudig gespannt auf unsere beiden Aufführungstermine Mitte März in der Rheinhalle und hoffen auf ein großes Publikum.“
Abenteuerliches Theaterprojekt
Dass das Theaterprojekt ein Abenteuer ist, zeigte sich erst kürzlich wieder, als Houshang, einer der Teilnehmer, zu Beginn eines Probenachmittags bat, noch eine Kleinigkeit der Gruppe erzählen zu dürfen... Diese „Kleinigkeit“ entpuppte sich als die Geschichte seiner Flucht, Mitte der 80er Jahre. Stille herrschte, als Hushang zu erzählen begann. Die Luft schien zu flirren von der Hitze der Motoren des Flugzeugs, das den damals 16-jährigen in die Fremde, nach Ost-Berlin trug. Alle waren so mitgerissen von Houshangs Geschichte, dass bald klar war, diese Szene sollte noch in das Gesamtstück eingebaut werden. Für Sibylle Drenker-Seredszus bedeutete das: Noch mal den Spielablauf neu organisieren, noch mal die Reihenfolge der Szenen neu aufstellen und das Schwierigste - die Bindeglieder zwischen den Szenen nochmals neu finden. Die Professionalität ihrer Arbeit zeigte sich beim letzten Probendurchlauf am vergangenen Samstag: „Brücken in Remagen“ ist ein kurzweiliges Theaterstück, bei dem jeder auf so manche Überraschung und Emotion gefasst sein sollte. Weitere Infos unter http://www.naturleben-rheinland.de/theater.html.
Szenen aus dem Stück. Fotos: privat
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