Solarverein Goldene Meile lud zum Symposium ein
Gemeinsames Energiesymposium
Solarverein Goldene Meile informierte gemeinsam mit der Energieagentur Rheinland-Pfalz Region Eifel-Ahr
Remagen/Kreis Ahrweiler. Über nachhaltige Mobilität informierte vor einiger Zeit ein Energiesymposium, wozu der Solarverein Goldene Meile erstmalig gemeinsam mit der Energieagentur Rheinland-Pfalz Region Eifel-Ahr in das Foyer der Rheinhalle in Remagen eingeladen hatte. Der renommierte Geograph und Experte für Verkehrssysteme der Zukunft, Prof. Dr. Heiner Monheim, eine anerkannte Kapazität auf dem Gebiet Mobilitäts-, Stadt- und Regionalentwicklung, referierte im Kern über die Verkehrswende zum Ausstieg aus der fossilen Mobilität. Mit seiner Forderung verbunden sei das Umschwenken auf effiziente, ressourcenschonende, ortsverträgliche, umweltgerechte und nachhaltige Mobilität. Monheim sprach über Verkehrssysteme der Zukunft, die in unschädlicher Weise dauerhaft betrieben werden können und die in Ansätzen bereits zu beobachten seien. Zudem ging der Referent auf die Erfordernisse im ländlichen Raum ein, speziell im Kreis Ahrweiler. Hierbei machte er deutlich, wie sehr einerseits die kommunale Politik gefordert sei, andererseits der mobile Mensch selber seine Beiträge zur umweltgerechten Verkehrsteilnahme leisten müsse. Nach Monheim werde der ÖPNV-Ausbau nicht offensiv gestaltet. Er beschränke sich im Busverkehr weitgehend auf die Schülerbeförderung. Das sei zu wenig. Zum Thema „Verkehrswende für den Kreis Ahrweiler- eine Utopie?“, betonte Monheim, wie sich der Verkehr in einer Region entwickele, sei in gewissem Rahmen auch vor Ort gestaltbar. „Das zeigen die sehr großen Unterschiede in den Verkehrsstrukturen und -Entwicklungen deutscher Regionen. Es gibt in Deutschland Regionen mit 3 Prozent Fahrradanteil und solche mit 30 Prozent . Es gibt Städte mit 40 Prozent Fußverkehrsanteil und solche mit nur 15 Prozent. Es gibt Regionen mit nur drei Prozent ÖPNV-Anteil (und dann fast nur Schüler) und solche mit 30 Prozent . Und schließlich kann der Autoanteil am Modal Split zwischen 30 und 60 Prozent schwanken“, so Monheim.
Ziele im Auge
Welche Ziele man sich setze, sei ein politischer Prozess. Und welche Potenziale man habe, sei nicht „gottgegeben“, sondern gestaltbar. Natürlich hätten auch die übergeordneten Rahmenbedingungen, insbesondere das Verkehrsrecht, Bau- und Planungsrecht und die Finanzierungsregelungen des Bundes und der Länder, Einfluss auf die kommunalen Spielräume. Und auch die Demographie, Ökonomie und Raum- und Siedlungsstruktur würden den Rahmen prägen. Aber jede Region hätte, wenn sie wollte, große eigene Spielräume für eine Verkehrswende zu einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung.
Das gelte auch für den Kreis Ahrweiler, denn auch in ländlichen Regionen könne die traditionelle Autofixierung abgebaut werden, könne der Busverkehr attraktiver gestaltet und besser mit dem Schienenverkehr verknüpft werden, könne ein feinerschließender, lokaler Busverkehr aufgebaut werden, als Dorf-, Orts- oder Stadtbus und mit einem überörtlichen Landbusverkehr und dem regionalen und überregionalen Schienennetz verbunden werden.
„Entscheidend ist die Bereitschaft, sich von lieb gewonnenen Vorurteilen und Routinen zu verabschieden, die angeblich unveränderliche Dominanz des Autoverkehrs in Frage zu stellen und engagiert an den Alternativen zu arbeiten. Dabei geht es nicht nur um die langfristigen Strategien der Raum- und Siedlungsentwicklung, die aus ihrer dominanten Autofixierung gelöst werden müssen. Jahrzehntelange gab es eine Zersiedlung der Dörfer und Städte durch das Zulassen von Bautätigkeit in schlecht vom ÖPNV erschlossenen Randlagen ohne jede Versorgungsausstattung. Jahrzehntelang konzentrierte sich Verkehrspolitik viel zu stark auf den Straßennetz- und Parkraumausbau, der den Autoverkehr stark begünstigt hat und die Lebensqualität an vielen Hauptverkehrsstraßen massiv verschlechtert hat“, so Monheim.
Demgegenüber sei viel zu wenig für den Umweltverbund getan worden. Die Radverkehrsförderung sei lange vernachlässigt worden und bekomme auch heute noch zu wenig Priorität, sowohl innerorts als auch außerorts. Durch den Boom bei Pedelecs seien Berge kein Hinderungsgrund mehr für eine positive Radverkehrsentwicklung. Die Verkehrsberuhigung und Fußverkehrsförderung stagniere, viele Ortskerne und Wohngebiete würden immer noch auf ihre Verkehrsberuhigung warten.
Wieder in den Bus
„Der ÖPNV Ausbau wird nicht offensiv gestaltet“, mahnte Monheim. Er beschränke sich im Busverkehr weitgehend auf die Schülerbeförderung. Auch im ländlichen Raum könne man Menschen für ihre Arbeitswege, Einkaufswege und Freizeitwege wieder in den Bus bringen, wenn das Angebot stimme, mit hoher Systemqualität, integralem Taktfahrplan, großer Kundennähe und attraktiven Tarifen. Noch fehle es an den nötigen Netzerweiterungen. Insbesondere die Kundennähe komme zu kurz, es gebe wenig Quartiersbuserschließung in den Ortsteilen und Dörfern und in der Fläche. Die Bedienungszeiten würden nicht auf die modernen Zeitmuster wie Freizeitverkehr am Abend und am Wochenende, Einkaufsverkehr ganztägig bis in den Abend, passen. Die Takte seien viel zu sehr ausgedünnt. Und es gebe keine offensive Tarifpolitik. Beispielsweise würde ein Bürgerticket fehlen. Im Schienennetz stagniere der Bau neuer, kundennaher Haltepunkte, um die vielen neuen Siedlungsgebiete angemessen zu erschließen. Aktuelle Trends würden aber belegen, dass es große Potenziale für sinnvolle Veränderungen gebe:
Die Menschen würden multimodaler und intermodaler, sie seien viel weniger als früher allein auf das Auto fixiert, nutzten viel häufiger die Verkehrsmittel des Umweltverbundes und würden sie vor allem viel häufiger mit Go & Ride, Bike & Ride, Ride & Ride, Park & Bike kombinieren.
Der wirtschaftliche Strukturwandel, der Wertewandel und demographische Wandel befreie die Menschen immer mehr von den Zwängen zur Autonutzung, es gebe einen neuen „Bewegungsdrang“, Mobilität werde viel flexibler wahrgenommen.
„Alle solche Entwicklungen muss man aktiv nutzen und fördern. Deshalb muss Verkehrspolitik innovativ werden. …
Dann kann eine Verkehrswende als Ausstieg aus der fossilen Mobilität und Umschwenken auf effiziente, ressourcenschonende, ortsverträgliche, umweltgerechte, nachhaltige Mobilität durchaus gelingen. Andere Regionen (Breisgau, Münsterland, Uckermark, Kreis Euskirchen, Ostwestfalen) sind dem Kreis Ahrweiler da um Längen voraus“, betonte Monheim.
Kreis muss Spielräume nutzen
„Der Kreis muss seine eigenen Spielräume nutzen, als Aufgabenträger ein innovatives ÖPNV-Konzept entwickeln, die größeren Orte zu eigenen Anstrengungen für den feiner schließenden Ortsbusverkehr motivieren, sein überörtliches Straßennetz fahrradfreundlich nicht nur für Touristen sondern auch für Alltagsradler herrichten. Die Gemeinden müssen zu eigenem, verantwortungsbewussten und interkommunal abgestimmten Handeln motiviert werden, dazu gehören mehr Verkehrsberuhigung, restriktivere Parkpolitik und bescheidener Straßenbau. Die Verkehrsunternehmen brauchen mehr Marktehrgeiz. Dafür müssen sie durch die Aufgabenträger motiviert werden. Das dürfen nicht nur der Kreis und der Zweckverband SPNV Nord sein, sondern auch die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister müssen verstehen, dass die Verkehrswende „unten“, also in den Dörfern und Kleinstädten anfängt. Sie müssen sich auch für den ÖPNV engagieren und dürfen ihre Verkehrsmaßnahmen nicht auf das Gemeindestraßennetz, die Forderungen nach Ortsumgehungen und den lokalen Parkraum beschränken“, schloss Monheim sein Referat.
Schlechte Noten
Rainer Doemen fügte hinzu, dass nicht nur die Verkehrspolitik leider schlechte Noten erhalte, sondern auch die Energiepolitik im Kreis AW. „Bei gutem Willen zur Veränderung und Gestaltung würde es uns allen schon spürbar besser gehen. Ganz zu schweigen von den Vorteilen für die nachfolgenden Generationen“, so Doemen.
„Wir wollen alle mobil sein“, so Anna Jessenberger von der Energieagentur Rheinland-Pfalz. Der motorisierte Verkehr bedeute aber Belastung für Umwelt und Gesundheit. Ziel müsse eine nachhaltige Verkehrspolitik sein, war auch Klaus Karpstein als Vorsitzender des Solarvereins mit dem Experten Prof. Monheim einer Meinung. Monheim nannte zum Abschluss einige Möglichkeiten. So beispielsweise ein Stadtbus in Remagen. Damit neue Verkehrswege ein Erfolg werden, müssten sie kundenorientierter sein. Das heiße konkret: zehnmal mehr Haltestellen und Servicepersonal statt Kartenautomaten. Bürgerbus, Mitnahmedienst und Car- und Bike-Sharing seien weitere Optionen. Die Option von vielen Verkehrsmitteln sei die Devise. Der öffentliche Verkehr müsse die Menschen da abholen, wo sie sind. Kurze Wege seien letztlich das A und O.
