Konzert in der evangelischen Kirche in Oberwinter
Große Begeisterung am Ende eines langen Aabends
Oberwinter. Der evangelische Kirchenchor Oberwinter, die Solisten und die camerata instrumentale Köln meisterten unter Leitung der Kirchenmusikerin ein anspruchsvolles Programm, in das die Vorsitzende des Fördervereins Kirchenmusik Oberwinter, Jutta Deimel, kurz einführte. Sie versprach der Gemeinde nicht zu viel für das schon Tradition gewordene Adventskonzert.
In Johann Sebastians Bachs Konzert für Oboe d’Amore A-Dur (BWV 1055), eine Rekonstruktion seines bekannten Cembalokonzerts, brillierte Volker Kriegsmann vom Beethovenorchester Bonn, der schon im letzten Jahr seine Zuhörer in den Bann gezogen hatte. Es folgte der erste weihnachtliche Teil des „Messias“. Hier konnten Chor, Solisten und Musiker wohl abgestimmt harmonieren. Dabei ergänzten sich in den Arien und Rezitativen die Sopranistin Maximiliane Schweda und die Altistin Ruth Volpert ebenso wie der Tenor Nikolaus Borchert und der Bass Ulrich Schütte, während Orchester und Chor unter dem schwungvollen Dirigat der Kirchenmusikerin auf hohem Niveau musizierten. Nach dem langen Beifall, der Künstlern wie Zuhörern eine Atempause bescherte, überraschte der Chor mit der schwer zu singenden Kantate „Rejoice in the Lamb op. 30 für Chor und Orgel“. Als Vorlage diente das ungewöhnliche Lobgedicht „Jubilato Agno“ (Christopher Smart 1722-1771), in dem alle geschaffenen Wesen gepriesen werden. Nach den einleitenden feierlichen, aus geheimnisvoller Ferne kommenden Unisonogesängen des Chores in englischer Sprache erfolgte ein markanter Tempowechsel durch das Orchester mit unregelmäßigen Taktarten, abgelöst von Chorsequenzen, die zu den eindrucksvollen Soli zu Blumen und Tieren wie Kater und Maus überleiten. Mit einer erstaunlichen Kraft und Intonationssicherheit gelingt es dem 30-stimmigen Chor souverän Leiden und Schmerzen wie Ruhe und Heiterkeit zum Ausdruck zu bringen.
In seinen Einsätzen trug der Organist Johannes Quack, Kantor der Antonniterkirche in Köln, den ausgesprochen virtuosen Orgelpart von Britton einfühlsam vor. Trotz hoher Anforderungen ist die Chorleiterin Christiane von Essen bestrebt, auch neuere Werke aufzuführen. Besonders reizvoll ist es, wenn ein inhaltlicher und geistiger Bogen zwischen neuerer und älterer Musikliteratur gespannt werden kann. So erklang nach dem verhaltenen und versöhnlichen Halleluja in Brittons Werk den Abend beschließend Händels berühmtes Halleluja aus dem Messias. Wahrlich, ein beeindruckendes Finale, welches das Publikum zu langen Ovationen hinriss.
