Allgemeine Berichte | 24.11.2014

Ausstellung im alten Rathaus in Oberwinter

Hafen, Traktor, Zirkuswagen

Besucher staunten über die kleinen Fahrzeuge des Bandorfer Kartonmodellbauers Stephan Spohner

Alt und Jung staunt über Spohners Kreationen, hier eine wie mit Rost überzogene Lok. HG

Oberwinter. Im alten Rathaus in Oberwinter drücken sich die Besucher an den Vitrinen die Nasen platt. Hinterm Glas stehen Modelle vom bemannten hellen Fantasiefluggerät bis zur rostigen Zugmaschine. Was fasziniert mehr, der ausladende knallrote Feuerwehrkran, die aufwendig mit vielen Sitzen und Fenstern gestaltete rot-weiße Straßenbahn, altertümliche Zirkuswagen oder ein markiger grüner Traktor der polnischen Ursus-Werke? Und kann das, was zu sehen ist, wirklich „Alles aus Papier“ sein, wie es die neue Ausstellung des Rathausvereins verspricht?

Tatsächlich entspringen die verkleinerten Ausgaben allesamt dem Kartonmodellbau und damit der Begeisterung, aus dem bescheidenen flachen Werkstoff Papier räumliche Gebilde entstehen zu lassen. Nachdem der Vereinsvorsitzende Hans Metternich die reizvollen Leichtgewichte von Stephan Spohner kennengelernt hatte, beschloss er, sie ins Rathaus zu bringen. Persönlich hat es Metternich besonders das Hamburger Hafen-Diorama angetan, ein Klassiker unter den Papierschiffbauern, das auf der Größe eines DIN-A4-Blattes die historische Hafensituation bis hin zu den Möwen abbildet.

Versessen auf Details

Sein Schöpfer Spohner, der mit seiner Familie in Bandorf lebt und mit den Kartonkreationen vor einigen Jahren begann, als er sich an die Papierbögen seiner Kindheit erinnerte, ist überhaupt ganz versessen auf Details. Damit die Reifen eines Feuerwehrkrans bis ins Profil plastisch überzeugen, baute er sie aus je 400 Teilen auf. Dem Kranwagenfahrer legt er fürsorglich eine Bild-Zeitung ins Fahrerhaus, und als Fremdmaterial verwendete er für die Blaulichter Kugelschreiberkappen. Damit ging der 51-Jährige, der beruflich als Förderschullehrer tätig ist, über die käuflich zu erwerbenden oder teils frei aus dem Internet zu ladenden Vorlagen hinaus. Auch die Patina von Korrosion und Ölspuren an den Loks ist an den Fahrzeugen nur vorhanden, weil ihr Erbauer es so will: „Wie geleckt - das kann ich nicht, man soll ihnen den Gebrauch ansehen.“

So haben folgerichtig die selbst entworfenen Zirkuswagen des von ihm nachvollziehbar „Sponelli“ getauften Zirkus nicht nur die wunderbar reale Anmutung einer Bretterkonstruktion, sondern auch Verfärbungen im Lack, eben wie vom Zahn der Zeit benagt. Spohners eigenes Lieblingsmodell zählt wiederum zu den abgewandelten Objekten. Es handelt sich um einen Personenwagen aus der Baureihe CID. Den hat er aufgeschnitten, um ihn fantasievoll in den „Nichtraucherwagen“ aus Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ zu verwandeln. Da verfolgen die Vernissagegäste, wie im Schlafzimmer sein eigenes Bild über den Bildschirm flimmert, entdecken in den Regalen der Speisekammer eine umgekippte Dose mit Minilöffelchen, die verrät, dass jemand genascht hat. Auf dem Tisch des Wohnraums steht eine winzige Pfanne mit Spiegelei und, mit bloßem Auge kaum zu erkennen, liegen auf dem WC Comics bereit.

Die nächste Möglichkeit zum Ausstellungsbesuch in der Hauptstraße 99 besteht während des Weihnachtsmarktes Oberwinter am Samstag, 29. November, 15 bis 20 Uhr, und am Sonntag, erster Advent, 30. November, 11 bis 18 Uhr.

Nostalgischer Hingucker: Die Zirkuswagen und der Ursus-Traktor sind nur einige von vielen sehenswerten Exponaten.

Nostalgischer Hingucker: Die Zirkuswagen und der Ursus-Traktor sind nur einige von vielen sehenswerten Exponaten.

Alt und Jung staunt über Spohners Kreationen, hier eine wie mit Rost überzogene Lok. Fotos: HG

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