„Hausfrauenkunst“ im Modern-Art-Showroom
Cornelia Harss zeigt ihr Potential als Malerin und einfallsreich-bissige Karikaturistin
Remagen. Cornelia Harss trifft, wo es weh tut. Und damit daran erst gar keine Zweifel aufkommen, wählte die Karikaturistin aus Bonn mit Ausbildung und Berufserfahrung als Theatermalerin für ihre Ausstellung in der Galerie Modern-Art Showroom (M.A.SH.) den provokanten Titel „Hausfrauenkunst“. Ein Ärgernis für malende Frauen, die zu Hause auch noch den Haushalt schmeißen, ein Ärgernis zugleich für Galeristen und Künstler, die sich Erstgenannten überlegen fühlen.
Ihre erzählenden, detailreichen, dabei herrlich pointierten Bilder nehmen den Hausfrauenspagat zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Neigungen auf die Schippe. Der Betrachter sieht: Auf den Kehrrichtschaufeln täglicher Reinmachmühe landen auch die zarten Pflänzchen der Inspiration. Denn der Haushaltsfluch lastet, allen Emanzipationsentwicklungen zum Trotz, immer noch einseitig auf dem weiblichen Geschlecht. So schippert an Harss’ mit Wischmopps und Besen gespickten „Putzfraueninsel“ mitten im Ozean das bekannte Affentrio mit zugehaltenen Augen, Ohren und Mund vorbei. Gnadenloser Seitenhieb in Richtung Männer. Die bekommen auch ihr Fett beim Bild „Rabenmütter“ ab. Da greint ein Weichling auf einem Kissen, weil die Ehefrau die Bemutterung fürs Malen aufgegeben hat.
Andere Geschlechtsgenossinnen aber hält „Die neunköpfige Hydra“ in Schach. Aus dem Putzwasser hochschnellend, reckt sie gefährlich fordernd Köpfe voller Wäscheberge und Haushaltsgeräte. „Schlägt man einen ab, wachsen neue nach“, erklärt Harss die Analogie zum Haushalt und seinen wiederkehrenden Zumutungen. Klar, dass Frau angesichts überbordenden Drecksgeschirrs, das jegliche Perspektive auf Kreativität verstellt, in „Unlust“ ersticken kann oder Ewigkeiten braucht, bis endlose Treppen mit riesigen Stufen geputzt sind. Winzig malt die Künstlerin dagegen die Frauen. Man fühlt sich in Märchen versetzt, deren Protagonistinnen vergleichbar unübersichtliche Aufgaben bekamen, bei Rumpelstilzchen eine Kammer Stroh zu Gold spinnen. Wenn Harss einmal eine Afrikanerin schrubben lässt und hoch über ihr eine weiße Wade und zwei steile Stilettos aufragen, dann werden Abgründe spürbar: die Kluft zwischen arm und reich, Entwicklungs- und Industrieländern, alte und neue Unterdrückung.
Geradezu treuherzig dagegen die Putzfrau im geblümten Kleid, wieder im Spielfigurenformat auf megagroßer Stufe. Sie lächelt, stützt die linke Hand in die Hüfte, hält in der Rechten ihr Wischutensil. Ohne Frage, eine Heldin des Alltags. „Eines Tages werde ich im Lotto gewinnen“, das sind ihre Gedanken, wie der Titel nahelegt. Kontrastiert wird die qualitätvolle, ironische Malerei durch vermeintlich herzhafte Butterbrote, leckere Brötchen und Kuchen. Doch lasse sich niemand durch diese, Harss zufolge „einzig gern gesehene Kunst von Frauen“, verleiten zuzugreifen: Es sind Imitationen aus Gips, Holz und Schaumgummi.
Die „Hausfrauenkunst“ ist in der Kirchstraße 25 bis Sonntag, 10. Februar, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. HG
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