Marc Metzger singt und blödelt in der ausverkauften Rheinhalle
Heimspiel für den „Blötschkopp“
Hans Süper gratuliert dem Kollegen zum 25-jährigen Bühnenjubiläum
Remagen. „Ich könnt auch Bankkaufmann werde“, singt er am Anfang zu Sinatras „My way“. In einem Kinderbett liegt der kleine Marc Metzger als Puppe und erzählt von seiner Kindheit. Gut, dass er es nicht geworden ist, denken 900 begeisterte Fans in der ausverkauften Rheinhalle. Denn am Samstagabend feierte der in Unkelbach aufgewachsene heutige „Blötschkopp“ sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. „Erstaunlich“ heißt das Programm, das im Laufe des Abends Bauchkneifen vom Lachen, Heiserkeit vom Mitsingen, Schwellungen an den Handflächen und sonst noch andere Symptome großer Unterhaltung bewirken sollte. Er wendet sich an die „Freunde grobkarierter Unterhaltung“, ein selbsternannter „Anarcho-Kasperle“, der den Leuten auf der Straße zuhört und daraus seine Lieder und Geschichten zieht. „Erstaunlich, wat man net all hört, wat mer all säht, wenn de Hahn spät kräht“, sagt er und erzählt so nebenbei die verrücktesten Begebenheiten. Der „Blötschkopp“ bringt aber natürlich keine Episode zu Ende, geht auf Zwischenrufe ein, unterbricht sich selbst: „Wir haben ja Zeit.“ Was der Unkelbacher und jetzt Kölner so tagtäglich erlebt, wissen 900 lachgestresste Jecke nun auch.
Im Zwiegespräch mit dem Präsidenten der KG „Früher war es schöner“ wird dann noch schnell das gesprochene Wort bei Sitzungen abgesetzt, Marc Metzger soll singen, weigert sich, erhebt dann aber doch seine Stimme zum Gesang. Riesengelächter, als der „Blötschkopp“ in die Zukunft sieht, in der 2015 die Kölner U-Bahn fertiggestellt wird und der FC dann 2016 die Meisterschale an den Dom holt. Ja, ja, schön wär´s. Bei den schmissigen Tönen der Begleitband gehen die Hände zum Himmel, das Klatschen lässt die ausverkaufte Halle erbeben. Doch die eingefleischten Fans des Unkelbachers wollen ihn reden und schwaden hören. „Einmarsch des Kirchenchores“ startet eine längere Passage über sein Kindheitstrauma. Da die Sänger nicht ihre Stimmen trainieren, sondern nur, „wie man unfallfrei in die Kirche kommt“, erklingen grausige Gesänge, eigentlich nur „gesangsähnlicher Krach“. Überhaupt Unkelbach: Die Jugend Marc Metzgers muss schrecklich gewesen sein. Allein die Montage. „Die ersten zwei Stunden hatten wir Sport. Strumpfhose und Schläppchen, Turnen hier in der Rheinhalle. Furchtbar.“ Dazu der Schulranzen. 40 Kilo leichte Literatur, hüfthoher Tornister, Marc Junior kippte fast um. Die Zuhörer kriegen sich kaum noch ein, doch dem Künstler ist es noch zu wenig. „Sieht so ein brodelnder Saal aus“, ruft er in seine Ex-Turnhalle und bekommt das Echo 900-fach.
„Wi de Hummele“ aus eigener Feder ist dann mal ein etwas ruhigeres Lied, bis die Magic Dancers der KG Narrenzunft Remagen wieder für „Remmidemmi“ auf den Brettern sorgen. Dass wir früher Mammut zu Mittag hatten, wussten wir eigentlich, hatten es aber wohl verdrängt. Marc Metzger will richtiges Fleisch auf dem Grill. Dass es kein Mammut ist, liegt allein daran, dass diese Spezies ausgestorben ist. Marc würde das schmecken. Dass man Wild auf den Rost legen kann, das vorher mit einem Kühlergrill erlegt und dann im Betonmischer mariniert wurde („Beton backt nicht an“), sind wohl nur Weisheiten aus der Metzger´schen Küche. Der „Blötschkopp“ lässt aber bei seinem munteren Jubiläumsfest auch das vergangene Jahr mit Krankheit nicht aus. Dazu passt eine Aktion, die der Pate der Klinikclowns Köln in Remagen startete: Ein Freund hatte ihm 555 Pins entworfen und geschenkt, die von den Mädels der Narrenzunft im Saal verkauft werden. Freunde hatten Metzger ebenfalls Geld gegeben („Ich bin denen ganz schön auf den Geist gegangen“), zusammen waren 12500 Euro zusammengekommen „Den Betrag verdoppel ich“, hatte er versprochen, also haben wir jetzt 25000 Euro für die Kinder“, freute sich der Clown. Und machte weiter mit gekonnten Wortspielen, Liedern und Sketchen.
Der Höhepunkt des Programms kam am Ende: Hans Süper, eine Legende im Kölner Karneval als Teil des „Colonia Duetts“ und des Süper Duetts“ sowie bis heute Garant für Stimmung und feuchte Augen, gratulierte dem jungen Kollegen zum Jubiläum. Und wollte kaum noch von der Bühne, sichtlich angetan vom mitreißenden und mitgerissenen Publikum. „Ovationen hatten wir. Endlich der Durchbruch, die Leute stehen alle und klatschen. Wir sind oben angekommen“, erzählte er von den Anfängen der Karriere. Doch: „War nix mit den stehenden Ovationen - Das lag nur daran, dass keine Stühle im Saal waren.“ Wie der „Blötschkopp“ hatte auch Hans Süper eine schwere Kindheit: Acht Geschwister, samstags Badetag, alle in einem Badewasser, der größte zuerst, der kleinste zuletzt. Nun raten Sie mal, wer Hänschen war? Klar, der, der ganz am End in der Brühe lag. Früher war alles besser, meinte der Weißgelockte mit seinem verschmitzten Lächeln, „vor allem gab es in den 50er Jahren...Parkplätze. Was nicht fehlen durfte, war das „Ich bin ene kölsche Jung“. Die Stimme des 78-Jährigen zitterte leicht.
Nicht aus Schwäche, sondern aus Rührung, die sich ins Publikum übertrug. Da waren sich die beiden Karnevalisten einig: Denn auch Marc Metzger hatte vorher gesungen „Ich liebe meine Stadt“. Mit einem furiosen Finale endete der Abend, den die begeisterten Zuschauer so schnell nicht vergessen werden.
78 Jahre und kein bisschen leise. Hans Süper lässt seine Lippen flattern.
Zum Finale standen alle 900 im Saal, die Konfettikanonen sprühten ihre Schnipsel bis weit in die Rheinhalle.
