Allgemeine Berichte | 30.09.2013

Christiane Obermann und Axel Burkhard wollen mit den „Werkhallen“ in Oberwinter eine außergewöhnliche Galerie etablieren

Leidenschaft für die Kunst wecken

Der Ausstellungs- und Besprechungsraum. HG

Oberwinter. „Zeitgemäß urban und doch inmitten einer malerischen Landschaft“. Wie das Galeristenduo Christiane Obermann und Axel Burkhard den neuen Standort seiner Galerie für zeitgenössische Kunst beschreibt, haargenau so findet ihn der Besucher vor.

In der Oberwinterer Hauptstraße 121, einer Straße, die zum gemütlichen Einkaufen und Schlendern einlädt, sind die Ausstellungsräume angesiedelt. Für urbanes Flair sorgt indes die Hausnummer. Das Gebäude umfasst ehemalige Industriehallen, welche früher einer Ankerwicklerei und einer Druckerei dienten. Daher nennen die Betreiber ihren Kunstsitz schlicht „Werkhallen“.

Mehr als eine Galerie

Die Intention: „Mit den Werkhallen möchten wir nicht nur eine außergewöhnliche Galerie, sondern auch eine kulturelle Institution erschaffen“. So versteht sich die neue Einrichtung zugleich „als Forum, das Sammlern und Kunstinteressierten bemerkenswerte Kunstwerke und Künstler näher bringt“. Einem interdisziplinären Ansatz folgend, wollen Obermann und Burkhard die Hallen in Verbindung mit Design, Musik, Literatur und Mode „zu einem einzigartigen Ort der Begegnung“ machen, mit dem Ziel, „Leidenschaft für die Kunst zu wecken und immer wieder neu zu entfachen“.

Anfangs suchten sie für ihre drei Jahre lang bespielte Rheingalerie im zu klein gewordenen Bonner Kutscherhaus nur ein Schaulager. Doch dann fanden sie die Räume nahe dem Hafen, zwischen Oberwinterer Geschäfts- und Wohngebäuden und gerade mal eineinhalb Kilometer vom Arp Museum entfernt. Vor sich Rhein und Siebengebirge, „im Rücken Basalthügel, Burgen und Villen“, hatten sie einen Ort ausgemacht, „der einlädt, zu verweilen und sich in Ruhe der Kunst zu widmen.“

Umzug des Kunstdomizils

Mutig verlegten sie die Galerie nach Oberwinter. Binnen Kürze, in nur zehn Wochen, verwandelten sie das einstige Industriegelände, wo zwischenzeitlich auch ein Einrichtungshaus logierte, in ihr neues Kunstdomizil. Auf 500 Quadratmetern Fläche, ein beträchtlicher Raumzuwachs gegenüber 130 im Kutscherhaus, wurden Rohre verkleidet, Estrich gegossen, Rigipswände eingezogen und alles weiß gestrichen.

Vom Entree, einem kleinen Innenhof, gelangt man rechts und links in die beiden lichten Hallen. Edle Sachlichkeit ist Trumpf. Die Innenarchitektur nimmt sich ganz zurück, um die Kunst – Schwerpunkte sind Fotografie, Skulptur und konzeptionelle Malerei – wirken zu lassen. Gleichwohl sind einige Hinweise auf die Historie des Ortes auszumachen: Eisenträger und Gusssäulen, ein Stück Bruchsteinmauer im weiß getünchten Putz.

Um die großen Räume, die Wechselausstellungen dienen, gruppieren sich Kabinette für die permanente Ausstellung aller von der Galerie vertretenen Künstler. Je nach Objektcharakter bewusst auf Abstand oder gereiht platziert, korrespondieren die Arbeiten miteinander und büßen doch nichts von ihrer Eigenwirkung ein.

Premierenschau „New Position“

Als die Werkhallen Ende Juni eröffneten, war das auch der Startschuss für die erste Ausstellung „New Position“. Sie bringt im zentralen Ausstellungsbereich die Werke dreier Künstler zur Anschauung: Ulrich Erbens konkrete Malerei, raffiniert-einfache Bronze-Spiralen geschlossene Skulpturen und kompakte Wandreliefs von Abraham David Christian sowie Aufnahmen von Fotograf Hans Christian Schink, der 2014 Stipendiat der Villa Massimo in Rom sein wird. In Schwarz-Weiß fotografierte er für seine Serie „1h“ in Städten, Wüsten und überm Meer die Sonne. Deren Bewegung während der einstündigen Belichtungszeit bildet sich mittels Solarisation wie ein schwebender Zauberstab im Landschaftsraum ab. 2012, ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami, arbeitete Schink als Stipendiat der Villa Kamogawa Kyoto in der betroffenen japanischen Region Tohoku. Die Werkhallen zeigen einige seiner eigentümlich berührenden Fotos, wie das vom Friedhof am Hang über der ausradierten Stadt am Meer: Was sich dem Auge darbietet, ist zweifellos ein Bild verblüffender Ästhetik und Stille, die über dem Entsetzlichen liegen, eine schmerzlich-schöne, zutiefst irritierende Ansicht.

Dauerausstellung

Es erstaunt, wie beziehungsreich in den Kabinetten die Arbeiten der „Permanenten“ miteinander kommunizieren. So korrespondieren etwa Rune Guneriussens aberwitzige Riesenfotos seiner Mobiliarinstallationen in der Natur hervorragend mit den rostrot korrodierten Skulpturen von Thomas Röthel, gehen Vera Mercers Farbaufnahmen praller Stillleben gut mit Michel Frieders Portraitfotos zusammen.

Qualitätsvoll, schnörkellos und spannend, wie Christiane Obermann und Axel Burkhard die Werkhallen aufziehen, sind sie ein großer Wurf. Die Kunst in der einstigen Industriearchitektur – sie wird sie zum Erlebnis.

Die Ausstellung „New Position“ in der Hauptstraße 121 ist bis 14 September geöffnet: dienstags bis freitags von 14 bis 19 Uhr, samstags, 12 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. (02 28) 9 13 60 52. Unter www.werkhallen.de gibt es weitere Infos. HG

Remagen: Stadt der Kunst

Daten der Entwicklung

Hätte man die Entwicklung auf dem Reißbrett geplant, sie wäre wohl als utopisch verworfen worden. Erst rückblickend erkennt man, dass sich die Innenstadt von Remagen und zwar weitgehend unabhängig vom Arp Museum in Rolandseck seit rund zehn Jahren peu a peu zu einer Stadt der Kunst entwickelt hat. Beteiligt sind daran maßgeblich Künstlervereine, Galeristen, Kultureinrichtungen und kreative Köpfe. Auch die Stadt unterstützt das Engagement.

Die Vernetzung zieht fortwährend neue Kreise. Immer mehr Künstler und Galerien lassen sich in der Stadt am Rhein nieder, ein Trend, der anhält. Erst beim jüngsten Lebenskunstmarkt (Juni 2013) kamen im Zentrum wieder zwei neue kleine Galerien hinzu, und seit Ende desselben Monats darf sich der Ortsteil Oberwinter über das Ausstellungsjuwel „Werkhallen“ freuen.

Die Kunstfreunde profitieren von der Dichte der Kunstpräsenz. Künstler und Galeristen empfangen dank gebündelter Vernissage-Termine weitaus mehr Gäste als im Alleingang. Für die Stadt ist es ein Image-Gewinn und mehr.

Denn wer die Kunst genossen hat, lässt sich gerne auch von der Gastronomie verwöhnen und kommt wieder, um die eine oder andere Sehenswürdigkeit zu erkunden.

2002: 13 Künstler gestalteten auf Initiative von Malerin Gudrun Hillmann eine marode Villa an der Rheinpromenade zu „R(h)einsichten - Villa der Kunst“, die im August mit Kunst, Kulinaria und Musik vorgestellt wird.

2003: Die Stadt veranstaltet den ersten Remagener Lebenskunstmarkt

2004: Der „Förderverein Altes Jugendheim“ bietet in der „Kulturwerkstatt“ Musik, Kabarett und Theater an.

2006: Gründung von „Ars Porta International“ um Bruno Wioska. Der rührige Verein arbeitete mit dem Bundesverband Bildender Künstler (BKK) zusammen und regte so den polnischen nationalen Künstlerverband ZPAP zur Gründung der Schwestervereinigung „Ars Porta Polska“ an. Die Stadt stellt Ars Porta die leer stehende Villa Heros (Kirchstraße 3) zur Verfügung. 2009 verlegt der Verein seinen Sitz in die Grafschaft.

Sommer 2006: Zum „Kreativforum Kunst und Kultur Remagen“ (seit 1991) kommt die Künstlergruppe „Art am Rolandsbogen“ hinzu. Sie bezieht ihr Atelierdomizil im alten Jugendheim („Kulturwerkstatt“). Oktober: Die freie Gruppe „RheinArt“ tritt auf den Plan.

2007: September: Christoph Noebel eröffnet seine Produzentengalerie „Artspace K2“. (Kirchstraße 2). Oktober: Rosemarie Bassi verlegt ihr Europäisches Kunstzentrum von Rolandseck nach Remagen Zentrum und benennt die vormalige „Galerie Villa Rolandseck“ in „Galerie Rosemarie Bassi“ um. November: Die Stadt organisiert den ersten „Kunstsalon“ mit Präsentationen von Galerien, Ateliergemeinschaften und Künstlern.

2008: Juni: Erste Ausstellung von „Kunst auf Zeit“, einer projektbezogen arbeitenden Künstlergruppe, die verschiedene leere Ladenlokale bespielt

2010: Januar: Der neue Verein „Künstlerforum Remagen“ (Küfo) übernimmt die Villa Heros. Er stellt dort aus und nutzt das Haus für Ateliers. April: Die „Galerie Rosemarie Bassi“ zieht samt Malschule von der Bachstraße in die Markstraße 109. August: Irene Eigenbrodt und Herbert Höcky machen ihre Galerie „kunstraum remagen mitte“ in der Bachstraße 9 auf. Die Galerie „M.A.SH Modern Art Showroom“ von Saba Lafegra und Almuth Leib eröffnet im Oktober anlässlich des Kunstsalons.

2011: Mai: Gründung des Vereins „Lebendiger Marktplatz“ zur Förderung von Kunst und Kultur in der historischen Kernstadt. Seither zahlreiche Konzerte und kulturelle Veranstaltungen auf dem Marktplatz

2012: Ab Juni wird die Galerie M.A.SH. vom neuen Leitungsteam Janko Arzensek, Gudrun Hillmann, Evelyn Klein, Almuth Leib und Eva Töpfer geführt. Oktober: Über dem Rhein, in der Waldburgstraße 36, stellt Angelika Ehrhardt-Marschall ihr „Kunsthaus Rheinlicht“ vor.

2013: Beim Lebenskunstmarkt im Juni beteiligen sich die neuen Galerien „Wohnraum-Kunst“ von Martine Seibert-Raken (Bachstraße 8) und „Studio Mono“ Remagen Molly Noebel (Kirchstraße 84). Ende Juni eröffnen Christiane Obermann und Axel Burkhard im Ortsteil Oberwinter ihre Galerieräume „Werkhallen“ (Hauptstraße 121).

Der Ausstellungs- und Besprechungsraum. HG

Der Ausstellungs- und Besprechungsraum. Foto: HG

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