Das Kunsthaus Rheinlicht in Remagen präsentiert die Ausstellung „Metamorphosen“
„Metamorphosen“ der Verwandlung
Sechs Künstler bringen den Prozess zur Anschauung
Remagen. „Metamorphosen“ unter diesem aus dem Griechischen stammenden, geheimnisvoll klingenden Umgestaltungsbegriff präsentiert das Kunsthaus Rheinlicht seine aktuelle Ausstellung. Sechs Künstler vollziehen die Verwandlung mittels Malerei, Zeichnung, Kalligrafie und Skulptur. Nicht nur deshalb ist die Präsentation abwechslungsreich geraten, wie die Gäste nach den Improvisationen des Komponisten Josef Marschall beim Rundgang mit der gewohnt wortgewandten Beatrice Fermor erleben konnten. Angesichts der „Gesichtslandschaften“ des kurdischstämmigen Kölner Malers Ali Zülfikar verspürte sie die „unglaubliche Kraft der Seele“. Während die Schönheitsmaschinerie glaubt, alle Spuren gelebten Lebens tilgen zu müssen, verteidigt Zülfikar die Würde des Alterns mit seinen in Bleistift auf Leinwand gezeichneten Gesichtern. Die Zeit und alle persönlichen Erfahrungen haben sich faltenreich eingeschrieben, sodass diese Bildnisse zu einer Topografie der Reife gerinnen, in der sich lesen lässt wie im Buch des Lebens.
Temperamentvolle Kalligrafien, schwarz-graue Kompositionen sowie gelb-schwarze in Tusche und Schellack, steuert die Bonnerin Maria Dierker bei. „Für mich ist diese asiatische Tradition sehr wichtig, da lehne ich mich als europäische Malerin mit meinen Mitteln an“, erläutert sie die Fortschreibung unter anderen Vorzeichen. Wunderbar markige und schroffe Terracotta-Figuren des vielfach ausgezeichneten Bildhauers Eberhard Linke aus Saulheim erzählen „von der Vergänglichkeit und Formbarkeit des Menschen“. In ihrer urig-kraftvollen Bildsprache regen Gestalten wie das gleichsam zusammen gewachsene Duo „Philemon und Baucis“, jenes legendäre Paar, das sich im Alter noch liebte, den Betrachter zu grundsätzlichen Überlegungen an.
Für manchen überraschend, liefert auch Angelika Ehrhardt-Marschall drei Gemälde. Die Leiterin des Kunsthauses ist, so Tochter Fermor erfreut, „zu ihren schöpferischen Quellen zurückgekehrt“. Sie thematisiert abstrakt und in reduzierten Tönen die Wandlungsdynamik, lenkt hin zu Aufbruch, Sphären nach dem Erdendasein und noch entlegeneren Gefilde. Im „poppigsten Raum“ erwarten die Gäste schließlich die regenbogenfarbigen Bilder von Stefan Noss und pastellig kolorierte Holzskulpturen von Václav Pokorný, beide aus Stuttgart. Noss lässt die Puppen tanzen. Seine vielfach überlagerten Köpfe und Physiognomien scheinen im kreisenden Taumel begriffen. Wut, Trauer, Zärtlichkeit, „ein Panoptikum der Gefühle in verdichteter Gleichzeitigkeit“, wie Fermor treffend formulierte. Dagegen treffen die Skulpturen des Malers, Bildhauers und Illustrators Pokorný handwerklich diszipliniert, klar strukturiert und oft schalkhaft vors Auge, so, wenn ein spindeldürres Herrchen mit einem riesigen Hund, der offensichtlich die Herrschaft übernommen hat, mit „His Master’s Voice“ (Die Stimme seines Herrn) betitelt ist.
Die Ausstellung in der Waldburgstraße 36 ist bis Dienstag, 10. Februar, mittwochs, von 15 bis 18 Uhr, und samstags, von 12 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. (0 26 42) 9 93 39 56, geöffnet.
Angelika Ehrhardt-Marschall mit einem ihrer Bilder.
Kolorierte Holzskulpturen von Václav Pokorný.
