Nicht alles, was treibt, ist gut
Das Künstlerforum zeigt sich in seiner neuen Ausstellung vielfältig inspiriert durch die Folgen des Hochwassers
Remagen. Was hat Vater Rhein nicht schon alles in seinem Bett gesehen und Jahr um Jahr tonnenweise an seine Ufer geschwemmt. Aus dieser nicht versiegenden Quelle haben zwölf Aktive des Künstlerforums Remagen für ihre neue Ausstellung „Treibgut“ geschöpft.
Wuchernde Taue
Am wildesten treibt es Peter Mallmann. Er lässt in der Villa Heros wuchernde Taue und Fundhölzer von der Decke baumeln. Die Gäste, unter ihnen Wirtschaftsförderer Marc Bors, der seitens der Stadt den Kreativen zur neuen Präsentation gratulierte, reckten die Köpfe zu den hell türkisen und blass-orange Seilen. In der Mitte des so gestalteten Raumes hängt ein mächtiger Baumstamm, welcher der Installation Halt gibt.
„Triebgut“
Bei Christoph Noebel, der Verhüterli über Stöckchen zieht, mutiert das Treibgut zum „Triebgut“ genannten Wasser-Mobile, während Anja Kathrin Grimm Holz und Federn in einen Vogel überführt und Gitta Büsch mit Muscheln, Borke und Bildern Drehobjekte bestückt. Der Fluch des Hochwassers birgt, künstlerisch gesehen, offenbar Impulse en Masse. Manchmal muss ein Gegenstand gar nur noch zur Kunst ernannt werden. So gereicht ein Baumstück Hatice Caska-Oehm als Skulptur und nicht nur Herbert Höcky sieht in seinem zerborstenen Rettungsring ein perfektes Ready-Made, das keiner weiteren Bearbeitung bedarf.
Zauberhafte Strukturen
Von Zeit und Wasser zernagt, zeigen die gestrandeten Stücke oft zauberhafte Strukturen, so dass Harald Priems Fotos von derlei Schätzen eher wie archäologisch gehobene Artefakte wirken. Irene Eigenbrodt hebt indes mit strenger Ästhetik aufs Gegenteil ab. Auf weißen und schwarzen Spitzenunterlagen präsentiert sie „Feines vom Rhein“, das ist Pseudokuchen aus lauter schwarzem Gummiabfall. Wo sie die Versatzstücke für ihre Arbeiten gefunden hat, weist die Künstlerin dabei jeweils genau aus.
Kollegin Rosmarie Feuser geißelt die gedankenlose Entsorgung per Wasserbassin, auf dem braune Schlieren treiben und titelt provokant „Analyse: Ja, bitte!“ Wer dann in Horst-Peter Vitts Spiegel-Fundstück „vis–a–vis“ blickt, darf sich kritisch fragen, in wieweit er selbst zu den unzähligen Verursachern von Zivilisationsmüll zählt.
Plastik behangene Bäume und Dosenschrott
Sehr vermischt kommt das Treibgut in Cornelia Harss‘ achtteiliger Serie von Ölgemälden vor. Die Karikaturistin spießte mit dem Pinsel sowohl Plastik behangene Bäume und Dosenschrott auf als auch komische Fabelwesen wie vollbusige Lesende mit Fischschwanz. Dem Motiv der Bewegung aber spürt Willi Krings mittels des Mediums, das ihm das liebste ist, poetisch nach. Sein Video nimmt den Betrachter mit auf die Reise eines angeschwemmten Kinderfahrrads. Wenn die Kamera Ufer und Wellengang abfährt, läuft im Kopf ein Film ab vom Sprössling, der mit seinem Rad über Land jagte, bevor der Strom damit mutwillig sein Spiel trieb. So verbindet die Ausstellung die Kritik an der Wegwerfkultur mit der Fokussierung jener bizarren Schönheit, die unübersehbar faszinierendes Kennzeichen zahlreicher Treibgüter ist.
Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Treibgut“ in der Kirchstraße 3 ist bis 7. April samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr (und nach Vereinbarung) zu sehen.
