Eifelverein Remagen
Schuhe baumelten im Baum
Inklusive Übernachtung waren die Wanderer am schönen Moselsteig unterwegs
Region. Links der Mosel in Trier zeigt sich der schöne, rote Sandstein an beeindruckend hohen und glatten Felswänden in all seinen farblichen Schattierungen von Rotbraun bis Graugrün. Hinauf zur Felsenkante muss der Moselsteigwanderer und es gilt auf dem Weiterweg nach Schweich, noch einige Steigungen zu überwinden, von denen sich eine nicht enden wollende Treppe mit beschwerlich unterschiedlich hohen Stufen aus Naturstein tief in die Erinnerung einkerbt. Aber der Wanderer wird für alle Mühen reich belohnt mit schönen Ausblicken auf die Silhouette der altehrwürdigen Stadt Trier und weit in das Moseltal. Überraschungen, die in keiner Beschreibung des Moselsteigs stehen, gibt es immer. Diesmal war es eine gewaltige, uralte Eiche direkt am Weg. Dort baumeln bis in deren höchste Äste Hunderte Paare Wanderschuhe. Ein Spaßvogel, erklärte ein Einheimischer, habe vor Jahren damit angefangen und nun sei eine Art Volkssport für Jugendliche daraus geworden. Wanderer stehen nicht im Verdacht, sich an diesem Spaß zu beteiligen, denn von denen wird wohl kaum einer barfuß weiterwandern wollen.
In Schweich führt der Moselsteig direkt auf eine Eisdiele zu, hochwillkommen bei dieser Hitze. In Schweich wurde auch übernachtet, denn zwei Etappen an einem Tag zu meistern wäre zu viel. Auch am nächsten Morgen begann der Weg wieder mit einem längeren Anstieg. Aber er war sanfter, die Landschaft insgesamt lieblicher. Der Weg schmiegt sich dort ein zwischen Wald und Reben. Tief unten im Tal windet sich die Mosel, zwar gezähmt durch die Schiffbarmachung, aber noch immer in großartigen, weit ausholenden Bögen. Der Zickzackweg hinunter nach Mehring ist ganz entzückend als Blumengarten gestaltet. Diese Blütenpracht von Lavendel und vielen, wunderbar duftenden Rosensorten ist eine wahre Augenweide.
Dem Ort selbst fehlt eine historisch gewachsene Mitte. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Im 19. Jahrhundert brannte der Ort in einer fürchterlichen Feuersbrunst ab. 1945 wurden ganze Straßenzüge durch Bombardierung ausgelöscht. Und als der Wiederaufbau abgeschlossen schien, kam die Moselkanalisierung. Mehring lag zu tief am Moselufer. 71 Häuser wurden abgerissen und bis 1966 an etwas höherer Stelle wieder aufgebaut. So atmet der durch seinen Wein bekannte Ort heute den ganzen Charme der 60er Jahre. Nur ein massiver Fährturm aus dem 18. Jahrhundert hat dies alles überstanden. An ihm war früher das Seil für die weit und breit einzige Fähre befestigt. Eine Brücke hat ihm diese Aufgabe abgenommen, doch er steht noch immer stolz am Moselufer, sehr berechtigt unter Denkmalschutz.
