Guido Ernst fordert Erhalt der Bäder und mehr Schwimmunterricht
„Schwimmen ist Daseinsgrundlage“
DLRG und Vereine bilden ehrenamtlich aus, brauchen aber mehr Personal
Remagen. „Auf die Plätze, fertig, los.“ Der schrille Pfiff ertönte, die kleinen Schwimmer machten sich auf die 25-Meter-Distanz. Manche von ihnen hatten gerade erst vor ein paar Tagen bei der DLRG-Ortsgruppe Remagen Schwimmen gelernt. Jetzt starteten sie bereits bei der Stadtmeisterschaft. Mit der Trillerpfeife hatte Guido Ernst die jungen Sportler losgeschickt. Ernst, CDU-Landtagsabgeordneter für den Kreis Ahrweiler und sportpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, hatte sich vorher mit dem Ausrichter der Meisterschaft, der DLRG-Ortsgruppe, ausführlich darüber unterhalten, wie es um die Schwimmausbildung in Remagen steht. Denn dort ist die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft federführend. Der Bad Breisiger Landtagsabgeordnete setzt sich in Mainz vehement dafür ein, dass Kinder und Jugendliche Schwimmen lernen. „Das ist eine Daseinsgrundlage“, meinte der Christdemokrat angesichts von 400 Toten im vergangenen Jahr, die in Deutschland ertrunken waren. Das nicht nur in Schwimmbädern, sondern mehr in Badeseen, Flüssen oder Maren.
„Der Schwimmunterricht muss früh ansetzen. Am besten bereits vor der Schule“, erklärte Ernst. Und ihm stimmten zu Volker Pütz, der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe in Remagen, und Kevin Wassong, der Vorsitzende Jugend. Die beiden ehrenamtlichen Schwimmlehrer sind sehr zufrieden, dass im Allwetterbad die Kooperation zwischen DLRG und Stadt so hervorragend klappt. Wenn die Ortsgruppe mit den angehenden Schwimmern zum Training kommt, werden die erforderlichen Bahnen abgetrennt. Es gibt keine Konflikte mit den anderen Badegästen. Doch die Ortsgruppe stößt auch an ihre personellen Grenzen. Volker Pütz und Kevin Wassong rechneten vor: „Wir haben vier Schwimmgruppen. Jede übt zweimal die Woche. Bei einer Gruppenstärke von mindestens etwa zehn und maximal über 20 Teilnehmern reicht ja nicht ein Schwimmlehrer. Da lässt sich ausrechnen, wie viele Stunden wir wöchentlich ehrenamtlich leisten. Doch in Remagen sind wir ja noch gut dran. In Adenau hat gerade das Bad zugemacht. Wo sollen da die Kinder schwimmen?“
Schulschwimmen in den Römer-Thermen
Das griff Guido Ernst sofort auf: „Ich kämpfe dafür, dass das Bädersterben möglichst gestoppt wird. Immer mehr Bäder werden geschlossen, weil die Kommunen vom Land zu wenig Geld bekommen oder die Bäder privatisiert und zu Spaßbädern umfunktioniert werden, wo kein Schulsport mehr stattfindet. Da geht Bad Breisig den entgegengesetzten Weg. Wir wollen in den Römer-Thermen Möglichkeiten für das Schulschwimmen schaffen. Grundsätzlich fordert meine Fraktion im Landtag, dass die Kommunen finanziell in die Lage versetzt werden, dauerhaft eine entsprechende Infrastruktur mit zumutbaren Anfahrtswegen anbieten zu können. Neben einer grundsätzlichen und langfristigen Verbesserung der kommunalen Finanzausstattung ist ein Konzept des Landes zur Sanierung und Unterhaltung von Schwimmbädern nötig. Die CDU sieht auch hier die Landesregierung gefordert.“ Ziel müsse es sein, dass jedes Kind bis zum sechsten Lebensjahr schwimmen kann. Daher fordert Ernst eine Sachstandserhebung zur Lage der Schwimmbäder, des schulischen Schwimmunterrichts und der außerschulischen Schwimmausbildung. Dazu müssten besonders an den Grundschulen die Lehrer gut ausgebildet werden. Etwas, was die DLRG Remagen auch sehr erfolgreich durchführt. In einem weiteren Punkt waren sich Politiker und DLRG-Fachleute ebenfalls einig: Die Eltern müssten sensibilisiert werden, wie wichtig es für ihre Kinder ist, Schwimmen zu lernen.
Immer weniger Ehrenamtler, die sich engagieren, weniger Schwimmvereine im Land, leere Kassen der Kommunen und des Landes, rückläufige Zahl von öffentlichen Schwimmbädern, die Zahl der Kinder, die schwimmen können, sinkt - ein großes Problem, das sich ohne eine Aufstockung von Ehrenamt und Finanzen kaum lösen lässt. Dazu müsse das Land mehr Geld zur Verfügung stellen, um Bäder zu erhalten. „Deutschland verlernt das Schwimmen, wenn es so weitergeht. Nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen besitzt ein Jugendschwimmabzeichen. Das ist das Merkmal, um als sicherer Schwimmer zu gelten. Selbst am Ende der Grundschule hat nur die Hälfte der Kinder ein Jugendschwimmabzeichen erworben, das heißt, jeder zweite Zehnjährigen kann nicht sicher schwimmen. Es muss jetzt gehandelt werden“, sagte Ernst unmissverständlich. Der Politiker freute sich auf der anderen Seite aber sehr, dass das Problem in Remagen so gut gelöst sei und die DLRG-Ortsgruppe sich so engagiert einbringe.
Guido Ernst und Volker Pütz erörterten die Zukunft der Schwimmausbildung.
