Pilger aus der Pfarreiengemeinschaft versammelten sich in Echternach
Springen für Gottes Segen
Remagen. Fast ein Jahrzehnt pilgert Hiltrud Acker aus Unkelbach zum Hl. Willibrord nach Echternach. In einem Jahr konnte sie nicht dabei sein: „Ich lag im Krankenhaus und mir fehlte die Begegnung mit den betenden und springenden Pilgern sehr“. 2013 war sie wieder dabei, trotz des Sprühregens. Und der hielt kaum jemand ab, am Dienstag nach Pfingsten das „Springtuch“ einzupacken. Was zieht Junge und Alte seit dem Mittelalter zum Grab des Bischofs Willibrord in die „Kleine Luxemburger Schweiz“?
Nicht wenige Pilger nehmen die Strapazen einer Fußwallfahrt auf sich. Wie die kleine Gruppe unserer Pfarreiengemeinschaft, die mit Pastoralreferentin Sheila Weiler an der „Route Echternach“ teilnahmen und nachts von der luxemburger Grenze aus 14 Kilometer zum kleinen Wallfahrtsort an der Sauer wanderten. Nach der Frühmesse mit dem hondurianischen Kardinal Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga, der von Papst Franziskus in den engsten Beraterkreis berufen wurde, trafen die Fußpilger die Tagespilger im Abteihof. Gemeindereferentin Sabine Gilles hatte sie begleitet und mit einem Kleinbus nach Echternacherbrück gefahren. Erzbischof Jean-Claude Hollerich begrüßte die große Pilgerschar und seine Mitbrüder im geistlichen Dienst: Kardinäle, Bischöfe, Äbte, Priester und Diakone, recht herzlich. Dann begann die ökumenisch ausgerichtete Springprozession und die Teilnehmer erlebten, warum Sankt Willibrord auch heute noch so viele Menschen in seinen Bann zieht: Frauen, Männer, Mädchen und Jungen stellten sich jeweils zu fünft in einer Reihe auf und verbanden sich durch weiße, zum Dreieck gefaltete Tücher. Zur traditionellen „Polka-Melodie“ sprangen sie, mit dem linken Fuß beginnend, einmal nachfedernd, auf den rechten Fuß verlagernd und einmal nachfedernd den Prozessionsweg rund um die alte Abtei. Die Springprozession, seit 2012 Weltkulturerbe, ist kein touristisches Ereignis, sondern ein bewegendes Gebet von Tausenden, die dem Ruf Gottes folgen. Das spürt man besonders, als Glied der Springerkette, eingebunden in die große Gebetsgemeinschaft um ein erfülltes, glückliches Leben. In persönlichen Anliegen für alle, die uns in Liebe verbunden sind, aber auch für die Kranken und Armen, die unserer Barmherzigkeit am meisten bedürfen. „Der Regen ist gar nicht so schlecht“, meinte Pfarrer Klaes, „es ist so ruhig hier, weil die Touristen fehlen und die Beter unter sich sind.“ Der ehemalige Oberwinterer Pastor kann das als Stammpilger einschätzen. „Das Schönste ist, wenn wir zum Klang der Musik springend in die Basilika einziehen“, findet Martina Kündgen, die „Echternach 2013“ für die Gemeinde organisiert und koordiniert hat. Abt Ignatius Maaß segnete hoch über der Treppe zum Grabmal des Heiligen auch unsere Springergruppe.
Darum kommen so viele mitten im Frühling jährlich nach Echternach, weil es eine Begegnung mit Gott ist, der uns dem pilgernden Gottesvolk entgegen kommt. Von dieser Begegnung mit Ihm und seinem Volk sind die Herzen in der Stadt des heiligen Willibrord reich gefüllt. Die Freude darüber drücken sie im Gebet und Tanz aus, der im Mittelalter ein selbstverständlicher Ausdruck der Verehrung unseres Schöpfers war. Das Tanzen und Springen wird in Echternach zu einem Element der Verkündigung. Denn die Menschen in unserer Zeit sehnen sich immer mehr danach, wieder lebendige, statt virtuelle Gemeinschaft zu erleben, nach Nähe, Wärme und Freude. (Hans Kortmann)
