Allgemeine Berichte | 02.12.2013

Neue Ausstellung im Arp Museum ist dem ungarischen Bildhauer und Zeichner Lajos Barta gewidmet

„Wahlheimat am Rhein“

Noch bis 23. März 2014

Blick auf Bartas Bronze „Welle“ und in den mittleren Ausstellungssaal. HG

Remagen. Im Themenjahr „Künstler-Ich“ erinnert das Arp Museum Bahnhof Rolandseck an das Leben und Werk von Lajos Barta. Es widmet dem charismatischen Künstler, der 1899 in Budapest zur Welt kam und 1986 in Köln starb, die Ausstellung „Wahlheimat am Rhein – Der Bildhauer und Zeichner Lajos Barta“. Die wohlverdiente Würdigung hat, unterstützt von Museumsmitarbeitern, Kunsthistoriker Dr. Ulrich Winkler als profunder Kenner des Werks im historischen Bahnhof kuratiert. Sie behandelt nicht nur, wie der Titel nahelegt, die „rheinische Phase“, sondern verfolgt die gesamte spannende, durch die Zeit- und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts tief geprägte Biografie und überblickt das künstlerische Schaffen in Ungarn und Deutschland.

Die erste Karriere

Damit kommen rund 40 abstrakte Plastiken und 90 Zeichnungen, die im Schwerpunkt die 1940er und 1950er-Jahre umfassen, zur Anschauung. Erst spät, im Jahr 1943 begann Barta, der Bildhauerei bei Eduardo Telcs studiert und die Kunstgewerbeschule in Budapest besucht hatte, abstrakt zu arbeiten und eigenartig fließend geschwungene Wesen zu zeichnen. Dabei eröffneten ihm sicherlich bereits seine Studienaufenthalte in Wien, Mailand und Paris in den 1920er-Jahren Berührungsmöglichkeiten mit dem Surrealismus und anderen neuen Kunstbewegungen. Um diese zu erkunden ging Lajos Barta mit seinem Freund und Malerkollegen Endre Rozsda 1938 für fünf Jahre nach Paris. Beim Einmarsch der Deutschen 1944 in Ungarn entkam der Jude Barta nur knapp der Deportation nach Auschwitz. Nach dem Krieg schienen die Weichen gestellt für neue Freiheiten auch der künstlerischen Entfaltung und Barta gehörte zur Avantgarde-Gruppe „Europäischen Schule“. Doch 1950 bis 1956 unterwarf der Stalinismus Kunst und Künstler in Ungarn einem rigiden Reglement. Danach kam es zu Lockerungen. Barta, dessen freies plastisches Werk in den Vorjahren geruht hatte, schuf nun, produktiver denn je, einen Kosmos von Kompositionen mit teils kantigen, teils gerundeten Formen sowie zeichenhaften Ausformungen, die dem Prinzip der Balance folgten. 1965 entschloss er sich für immer nach Deutschland zu gehen.

Gipse werden zu Bronzen

Bereits im Museumsentree begrüßen Bartas markante Gesichtszüge, und der WDR-Film „Hierzulande-Heutzutage“ von 1966 zeigt den klein gewachsenen Mann inmitten seines Wohn-, Schlaf- und Arbeitsraumes in der darüber liegenden Bahnhofsetage. Reizvoll ist, dass die Ausstellung auf derselben Ebene, Bartas ehemaliges Domizil im südlichen Raum einschließend, Einblicke in sein Schaffen vermittelt. Der Bahnhof, in dem Johannes Wasmuth auch dem Maler Stephen McKenna, Musikern wie Martha Argerich, Stefan Askenase und anderen Künstlern ermöglichte zu leben und zu arbeiten, wurde 1965 bis 1967 für Barta zu einer inspirierenden Plattform. Zielstrebig baute er einen neuen Bestand an Plastiken und Zeichnungen auf. Ebenso knüpfte er von dort aus wichtige künstlerische Kontakte. Dabei halfen ihm vollendete Umgangsformen und sein umwerfender Charme, den Menschen, die ihn kannten, vielfach bezeugen. Nach Rolandseck wurde Köln sein Lebensmittelpunkt und von 1970 bis 1974 pendelte er zwischen der Domstadt und Paris. Dorthin zog es ihn wegen eines lukrativen Auftrags, der es ihm erstmals erlaubte, sein weißes Werk, die Gipse, in Bronzen zu gießen. Ein Jahr vor seinem Tod realisierte er eigens zur Aufstellung vor dem Remagener Friedensmuseum am Rheinufer die dynamische Großplastik „Liebeskraft“. Als Zeichen der Wertschätzung Bartas seitens der Stadt und des Arp Museum wurde sie 2010 ins Gemeinschaftsprojekt „Skulpturenufer Remagen“ einbezogen.

Mit der Formensprache im Gepäck

Als Barta 66-jährig ins Rheinland kam, hatte er, laut Kurator Winkler, „sein plastisches Werk weitgehend entwickelt“. Mittellos, nur mit einem Rucksack und seiner ausgereiften Formensprache im Gepäck landete er am Strom. Im hohen Alter begann er dann daraus einen neuen Bestand an Plastiken und Zeichnungen aufzubauen, ja sogar monumentale Plastiken auszuführen zu lassen, die neben Remagen auch ihren Standort in Köln, Bonn, Mülheim a. d. Ruhr, Wuppertal und Siegen gefunden haben. Zwei Großplastiken gibt es auch in Ungarn. Fotos dieser seiner wichtigsten Werke und die kleineren Modelle werden in rhythmischer Verzahnung im mittleren Ausstellungsraum gezeigt. Im nördlichen Raum fallen die virtuos geschwungenen schlanken Gipse „Komposition III, „Horn“ und „Aufstrebende tänzerische Form“ auf.

Die Exponate der Ausstellung kommen von 25 Leihgebern, darunter das ungarische István Király Múzeum in Székesfehérvár, aber auch zahlreiche deutsche und französische Privatsammler. Einige Werke gehören zur Sammlung des Arp Museums Bahnhof Rolandseck. Die Schau, zu der ein aufschlussreicher Katalog erschienen ist, wird in Kooperation mit dem Donauschwäbischen Zentralmuseum, Ulm und mit Unterstützung der Martin-Lantzsch-Nötzel-Stiftung für die Kunst der 50er-Jahre gezeigt.

Bis zum 23. März 2014 ist die Ausstellung „Wahlheimat am Rhein“ zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr.

Der Künstler und sein Analyst: Unter dem Porträt Lajos Bartas erläutert Kurator Ulrich Winkler die Ausstellung.

Der Künstler und sein Analyst: Unter dem Porträt Lajos Bartas erläutert Kurator Ulrich Winkler die Ausstellung.

Blick auf Bartas Bronze „Welle“ und in den mittleren Ausstellungssaal. Fotos: HG

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