Gedenkveranstaltung in Puderbach
An ermordete Juden erinnert
Puderbach. Eine Gruppe Puderbacher Bürger, unter ihnen Verbandsbürgermeister Volker Mendel, kam zu einer Gedenkveranstaltung zusammen an der Tafel, die an die ehemalige Synagoge erinnert. Dr. Martin Henn hielt die Ansprache zum Gedenken der früheren Mitbürger jüdischen Glaubens, deren Gotteshaus vor 77 Jahren von gewissenlosen Mördern und Plünderern niedergebrannt wurde, deren Wohnungen und Geschäfte ausgeraubt wurden und die gequält und ermordet wurden. Die Erinnerung an diese Menschen, die einmal Puderbacher Mitbürger waren, müsse eine ständige Ermahnung sein, solche Zustände nie wieder zuzulassen. Dr. Henn wies darauf hin, dass auch in diesen Tagen wieder Brandstifter unterwegs sind, wieder Häuser brennen, „die Menschen aufnehmen sollten, die vor Bomben und Krieg und politischer oder religiöser Verfolgung fliehen müssen, die gezwungen sind, ihre Existenz hinter sich zu lassen und unter größter Gefahr für Leib und Leben sich auf den Weg in eine Sicherheit zu machen – nur um hier wieder reellen Brandstiftern und ihren geistigen Vätern und Müttern in die Hände zu fallen. Deshalb: Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Häuser – wer Häuser verbrennt, verbrennt auch Menschen – wehret den Anfängen!“ Für jede Puderbacher Familie oder Person, die am 10. November an dieser Stelle die schrecklichen Geschehnisse miterleben musste, wurde von einem Besucher ein Stein abgelegt. Die Namen der jüdischen Mitbürger waren: Albert und Gustav Bär, Witwe Selma Bär mit den Kindern Ilse und Kurt, Louis und Thekla Bär und beider Tochter Irene Silva, Adolf und Thekla Aron und beider Sohn Erwin, Josef und Martha Wolff mit ihrer Tochter Lotte, Rosa Aron, Leopold und Johanna Aron, Hermann Salomon, Eva Tobias. In Ermangelung von Stolpersteinen sollten diese Namen allen geschichtsbewussten Zeitgenossen im Gedächtnis bleiben.
Ein schreckliches Ende
Nach einer Schweigeminute für die Verstorbenen, verlas Dr. Sabine Knorr-Henn die von Bernd Schmidt verfasste Dokumentation über das schreckliche Ende der Familie Hermann Wolff aus Puderbach. Makaber mutet die Liste der zum „Abwanderungstransport“ mitzubringenden Utensilien an: die nicht verbrauchten Lebensmittelmarken, der Wohnungsschlüssel in einem Briefumschlag mit genauer Anschrift, Wertsachen jeder Art, Lebensmittel für drei Tage, 50 Reichsmark Fahrgeld, ein Koffer oder Rucksack mit den persönlichen Gegenständen, Kleidern und Wäsche, ein Bettsack mit Bettwäsche und Bettzeug, ein Essbesteck und ein Essnapf. Aber alles nur, soweit man es selbst tragen konnte. In der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr ging man am 20. Juli zum Bahnhof Köln-Deutz. Der Zug verließ Köln gegen 15 Uhr mit insgesamt 1.163 Menschen. Der Transport traf am 24. Juli auf dem Güterbahnhof in Minsk ein. Der Weitertransport auf Lastwagen endete am Vernichtungslager Trostenez, wo alle 1.163 Personen vor ausgehobenen Gruben erschossen wurden. Die Besucher der Gedenkveranstaltung gaben der Hoffnung Ausdruck, dass man die Kerzen im nächsten Jahr an Stolpersteinen in Puderbach aufstellen kann.
