Forstamt Dierdorf
Neophyten standen im Mittelpunkt des Interesses
Oberraden. „Neophyten - gut oder schlecht?“ Unter diesem Titel veranstaltete das Forstamt Dierdorf in Oberraden eine Informationsveranstaltung. Hierbei wurden die Neophyten wie zum Beispiel das indische Springkraut einmal mit verschiedenen und ungewohnten Sichtweisen betrachtet. Zu Beginn unterzog der aus Neuwied stammende Kultursoziologe Dr. Lutz Neitzert diese „Kräuter mit Migrationshintergrund“ auch durchaus augenzwinkernd einer umfassenden Betrachtung zwischen Natur- und Kulturgeschichte, zwischen Ökologie und der Angst vor dem Fremden.
Ein Bild aus den USA von der Bekämpfung des hier sehr geschätzten Johanniskrauts, das in Amerika eben ein Neophyt darstellt, regte zum Nachdenken an. Sein Fazit ist, dass die Menschen etwas mehr Geduld mit den Fremdlingen haben sollen. Ihre natürlichen Fressfeinde bräuchten oft auch eine gewisse Zeit, um zu reagieren und könnten dann selbst invasive Populationen zusammenbrechen lassen.
Im zweiten Teil referierte Forstamtsleiter Uwe Hoffmann über naturschutzfachliche und forstliche Aspekte der Neophyten in Bezugnahme auf die Verbreitung im Landkreis Neuwied. Genaues Hinsehen und Abwägen der verschiedenen Nutzungsansprüche ständen hier im Vordergrund. Von 12.000 pflanzlichen Neuzugängen sind, so Hoffmann, nur vier bis zehn im Brennpunkt der Diskussion. Eine andere Lösung, die Verbreitung dieser Neophyten positiv umzusetzen, stellte der kulinarische „Abschlusshappen“ dar: Leckere Häppchen mit Neophytenquark, Chutney mit Sachalinknöterich und Robiniengelee, die aus Irene Wilds wilder Küche stammten, schmeckten den etwa 50 Besuchern dieser Veranstaltung hervorragend.
