Allgemeine Berichte | 29.04.2014

Alles begann mit einer verletzten Schleiereule

Eine große „Heilpraxis“ für Wildvögel, Fledermäuse und Igel

Die Habicht-Patin Sandra Kley-Koll wildert gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang Koll den Habicht an einem Waldrand aus. CG

Kirchwald. Obwohl die Zeit der Vogelbrut nun erst begonnen hat, gab es in der Wildvogel-Pflegestation in Kirchwald bereits Anfang März allerhand zu tun. Auch an den Wochenenden haben Andrea Friebe und ihr engagiertes Team alle Hände voll zutun. Andrea Friebe arbeitet auf der Intensivstation und macht sich Notizen. Jeder Patient hat hier seine eigene Akte. Alles wird genauestens notiert: Wann und aus welchem Grund der Patient in der Wildvogel-Pflegestation aufgenommen wurde, welche Medikamente und welche Nahrung er bekommt, wie die Wunden verheilen - alles ist wichtig. Schließlich will die Ärztin, Frau Dr. Anja Baronetzky-Mercier über alles informiert werden, wenn sie sonntags zur Visite kommt.

Mehlschwalben überwinterten

Zwei Mehlschwalben sonnen sich im Schein der elektrischen Höhensonne. Sie haben gemeinsam mit zwei weiteren Artgenossen, die noch nicht fliegen können, den Winter auf der Intensivstation verbracht. „Normaler Weise ist es sehr schwer, Schwalben über den Winter zu bringen“, sagt Andrea Friebe, die alle Patienten gut kennt. „Aber weil sie wie eine kleine Familie beisammen sind, haben alle vier überlebt.“ Dieser Erfolg bringt den Mitarbeitern im Team große Freude - Erfolg bedeutet hier allen sehr viel. Die Mehlschwalben turnen auf den Gitterstäben ihrer „Wohnung“. Sie können sich frei bewegen und flattern von Zeit zu Zeit wie zwei kleine Propellerflugzeuge durch die Intensivstation. „Diese Freiheit tut ihnen sehr gut“, weiß Andrea Friebe. Ihre genaue Beobachtungsgabe lässt sie erkennen, unter welchen Umständen die Tiere genesen und gedeihen. „Wenn die ersten Fliegen kommen und die Mehlschwalben sie im Flug erhaschen, dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir sie auswildern können“, erklärt sie. „Schwalben können sehr gut fliegen - das müssen sie auch, denn sie erjagen ihre Beute im Flug. Darum ist es sehr wichtig, dass unsere Patienten ganz gesund werden, bevor sie in die Freiheit entlassen werden.“ Bis dahin sonnen sich die beiden und ihren bislang flugunfähigen Kameraden bleibt noch Zeit, damit die Flugfedern wachsen können.

Liebevolle Fürsorge

Vom sonnig-warmen „Balkon“ ihrer „Wohnung“ aus schwatzen die Mehlschwalben und von vis-à-vis wird geantwortet. Dort wohnen nämlich Willi und Fritz, zwei Spatzen, die mittlerweile zum Team der Wildvogel-Pflegestation gehören. „Willi wurde von einer Katze in die Mangel genommen und hat schwer verletzt überlebt. Fritz hatte eine Gehirnentzündung. Seitdem kann er nicht mehr fliegen“, erzählt Andrea Friebe. Die Intensivstation beherbergt noch weitere Tiere: Zwei drollige Steinkauze, die aussehen, wie zwei Wollknäuel auf Streichholzbeinen. Einer ist besonders neugierig. Er blinzelt mal mit einem, mal mit beiden Augen aus seinem Versteck hervor, um zu beobachten, wer zu Besuch gekommen ist. Zwei Mäusebussarde und zwei junge Tauben sind ebenfalls mit von der Partie: „Die Täubchen sind eine frühe Brut dieses Jahres“, weiß Andrea Friebe. „Bis vor ein paar Tagen waren ihre gelben Dunen noch zu sehen.“ Einer der Mäusebussarde liegt auf dem Rücken. Es ist ein ungewohnter Anblick, einen Greifvogel auf seinen Flügeln liegen zu sehen. „Wir haben ihn schon so oft aufgesetzt und umgedreht, aber die Rückenlage scheint seine bevorzugte zu sein“, sagt Andrea Friebe. Beide Flügel waren gebrochen, auch das Becken hat Schaden genommen. Doch dank der professionellen ärztlichen Versorgung durch Frau Dr. Anja Baronetzky-Mercier und der liebevollen Fürsorge von Andrea Friebe und ihrem Wildvogel-Pflegeteam genesen auch so schwer verletzte Wildtiere in Kirchwald.

Igel und Habicht

Aus einer grünen Decke hustet es. Ein Igel, der an einer Bronchitis erkrankt ist, wird hier ebenfalls liebevoll versorgt. Er hat sich ganz in seine grüne Decke eingemummelt, genauso, wie ein krankes Kind es täte. Ein verletzter Habicht durfte Anfang März die Intensivstation verlassen und eine eigene Voliere beziehen. Im Dämmerungslicht leuchten seine kräftigen gelben Beine, auf denen er sich schnell in Sicherheit bringt, als menschliche Besucher sein Revier betreten. Er hüpft hinter einen Holzvorsprung, dort fühlt er sich sicher. „Es ist wichtig, dass die Tiere sich nicht an uns Menschen gewöhnen“, sagt Andrea Friebe. „Schließlich werden sie, sobald sie gesund sind, in die Natur entlassen. Dort herrschen andere Gesetze als hier, im Schutz der Wildvogel-Station.“ Auf der Intensivstation drehen die beiden Mehlschwalben ihre Runden. Wie wichtig die Gemeinschaft im Leben aller Lebewesen ist - hier, in der Wildvogel-Pflegestation in Kirchwald, ist das schön zu beobachten.

Die wiedergewonnene Freiheit

Nur einen Monat später, Anfang April, wird der Habicht in die Freiheit entlassen. Das Ehepaar Sandra Kley-Koll und Wolfgang Koll übernehmen die Auswilderung. Sandra Kley-Koll hatte die Patenschaft über den verletzten Habicht übernommen und so war es für sie ein ganz besonderes Erlebnis, „ihrem“ Habicht die Freiheit schenken zu können. Mit einer bemerkenswerten Ruhe und Geschicklichkeit öffnet das Ehepaar gemeinsam an einem Waldrand die Box, und mit kräftigen Schwingen erhebt sich das edle Tier in die Lüfte und verschwindet im nächsten Augenblick im Wald.

Weitere Infos

Zahlreiche Bilder, Aktuelles und vieles mehr über die Wildvogel-Pflegestation und die Arbeit mit verletzten Wildvögeln gibt es auf der Internetseite: http://www.wildvogel-pflegestation-kirchwald.org. Wer die Arbeit der Wildvogel-Pflegestation finanziell unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun unter dem Kennwort „Freiheit“ auf das Konto der Volksbank RheinAhrEifel eG, IBAN: DE66 5776 1591 0014 5234 00. „Blick aktuell“ wird am Ende der Serie über den Spendeneingang berichten.

Video bei "Blick aktuell"-TV

Ein Video zum Beitrag über die Wildvogelpflegestation finden Sie im Internet unter: www.blick-aktuell.tv

Alles begann mit einer verletzten Schleiereule. Sie war die erste Patientin von Helga Steffens und konnte dank der liebevollen Pflege und Fürsorge gesund in die Freiheit entlassen werden. Nach dieser Erfolgsgeschichte gründete Helga Steffens im Jahre 1984 die Wildvogel-Pflegestation in Kirchwald. All ihre Liebe, ihre Zeit, ihr Leben schenkte sie verletzten, kranken Wildvögeln. Ihr Mann, Herr Steffens baute damals auf dem eigenen Grundstück die ersten Boxen auf. Bald folgte die erste größere Außenvoliere, die heute als Uhu-Voliere genutzt wird. In unermüdlicher Arbeit baute Herr Steffens Voliere, für Voliere. Als Helga Steffens starb, hinterließ sie ein Lebenswerk, das nun von anderen engagierten Menschen weitergeführt wird. Doch dieses große Projekt bedarf der finanziellen Unterstützung. Die artgerechte und medizinische Versorgung der Tiere, der Erhalt und Neubau der Volieren, die Ausrüstung der Intensivstation - alles will bezahlt werden. „Blick aktuell“ gewährt seinen Leserinnen und Lesern in lockerer Folge einen Einblick in die Arbeit der Wildvogel-Pflegestation, in der Hoffnung, dass recht viele Menschen die Arbeit des Teams mit einem guten Gefühl unterstützen mögen.

Diese beiden Mehlschwalben haben den Winter in der Intensivstation verbracht und fühlen sich im warmen Schein der Höhensonne wohl.

Diese beiden Mehlschwalben haben den Winter in der Intensivstation verbracht und fühlen sich im warmen Schein der Höhensonne wohl.

Der drollige Steinkauz guckt neugierig aus seinem Versteck.

Der drollige Steinkauz guckt neugierig aus seinem Versteck.

Alles begann mit einer verletzten Schleiereule

Alles begann mit einer verletzten Schleiereule

Die Habicht-Patin Sandra Kley-Koll wildert gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang Koll den Habicht an einem Waldrand aus. Fotos: CG

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