Allgemeine Berichte | 01.09.2015

Der „Neadascha Luhbock“ ist da

Nach einer Idee des Heimat- und Verschönerungsvereins in Zusammenarbeit mit einem Brodenbacher Künstler

Nörtershausen. „Hääp em Hooche, Messer on Leffel an der Tasch, hat ma sich schun freh of de Wääsch gemach, via dem irschte Sonnestrahl, wore die Waldmänner längst of de Baan.“ Es ist ein Vers eines Mundartgedichts, das Vergangenes aus dem Dorfleben beschreibt: Die Waldarbeit war im 18. und 19. Jahrhundert neben der Landwirtschaft eine wichtige Einkommensquelle in Nörtershausen. Als „Zubrot“ sicherte sie den Lebensunterhalt vieler Familien. Dazu gehörte das „Lohschälen“, das für den Ort und die Region eine große Bedeutung hatte und bis zum Anfang der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts praktiziert wurde. „Vom Feld alaan konnt man net lewe, also most et noch wat anneres gewe, doher wor ma fruh, dat ma schele dorft die Luh.“  Die „Lohe“ ist die abgeschälte Rinde von Eichen oder Fichten, die zum Gerben von Tierhäuten gebraucht wurde. Das Mittelhochdeutsche „Lo“ für Abschälen liegt dem Wort „Lohe“ zugrunde. „Frea wor et ewe su, Gerwereie brauchte Luh, Luh, dat woßt einjeder, word gebraucht zom gerwe fier dat Lera.“

Beim Lohschälen sei mehr Geld verdient worden als beim Holzhauen im Wald, wusste der Chronist Anton Specht zu berichten. Eigentlich harte Männerarbeit, doch um die Familie zu unterstützen, gingen auch einige Frauen dieser Arbeit nach. Es wurde im Akkord gearbeitet, das hieß „auf den Zentner verdient“. Für einen Zentner erhielt der Schäler/die Schälerin 2,50 Mark -  zwei Zentner war die Tagesleistung eines Mannes. „Wenn em Eichestämmche stieg dä Saft, wurd von freh bes spät em Wald geschafft, dat Scheele ging flott von der Hand, darum hat ma die Neadascha Luhbeck genannt.“ Die „Neaderscher Lohböcke“ kommen, hieß es mehr oder weniger liebevoll, wenn in den umliegenden Gemeinden Lohe geschält wurde. Damit hatten die Nörtershausener ihren Spitznamen weg, der auch heute noch in Gebrauch ist: die Lohböck oder Luhbeck. „Ower Name die einst vergewe, bleiwe lang noch klewe, och wenn keiner mie dat Luhscheele kennt, ma die Neadascher noch Luhbeck nennt.“ Es war ein lang gehegter Wunsch des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV), dem Ort dieses Wahrzeichen zu geben, um an diese Tradition zu erinnern.  Der HVV hatte die Idee, der Brodenbacher Künstler Michael Arens setzte diese mit der Kettensäge um. Er gestaltete die Skulptur nach der Vorstellung des Vereins, der von Eduard Bildhauer geleitet wird. Der „Neadascha Luhbock“ erhielt einen würdigen Platz, ist neben der Dorflinde und dem Dorfbrunnen zu bestaunen.

Anlässlich des jährlichen Brunnenfestes enthüllte Eduard Bildhauer das Wahrzeichen und trug das Gedicht „Luhbock“ vor, das sich auszugsweise im Bericht wiederfindet. Der Autor des ursprünglichen Gedichts ist nicht bekannt, aber viele Passagen sind neu und stammen aus der Feder von Eduard Bildhauer. Musikalisch begleitete Klaus Albrecht mit seiner Drehorgel den feierlichen Anlass. Und für ausreichende Information über den Ort und die Lohe hatte HVV-Mitglied Friedbert Ritter gesorgt. In einem von ihm liebevoll und detailliert erstellten Faltblatt stellte er alles zusammen, was von der mühevollen Arbeit und der Geschichte des Lohschälens zu berichten war.   Auch Ortsbürgermeister Paul Kreber führte in einer kleinen Exkursion in die Vergangenheit und dankte dem Heimat- und Verschönerungsverein für sein Engagement: „Gegenwärtig steht hier nun eine kunstvoll gestaltete Skulptur, die die Erinnerung an eine sehr mit unserem Dorf verbundene Tradition anschaulich macht.“ Zum Glück haben die Nörtershausener heute andere, nicht so beschwerliche Einkommensmöglichkeiten, denn: „De Arwet hat  sich ganz verännert, kaum wiead ma noch an freher errinnert, Luh brauch ma schun lang net mie, heut mischt dat die Chemie.“

  

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