Das „Aus“ für den Männergesangverein „Concordia“ Wolken
Ein letztes Lied ist verklungen
Wolken. Das „Aus“ für den Männergesangverein „Concordia“ Wolken nach 120 Jahren aktivem Vereinsleben.
Nach vielen Rettungsversuchen blickt der noch amtierende Vorsitzende Hubert Moske, und die kleine Schar der verbliebenen Sänger sichtlich niedergeschlagen, aber stolz auf die langen Jahre erfolgreicher Vereinsgeschichte zurück. Als in den Ostertagen des Jahres 1895 der Lehrer Bauer im Schulsaal des kleinen Ortes Wolken erstmals den Taktstock erhob, ahnte noch keiner der damals rund 20 jungen Sänger, dass sie einmal eine 120-jährige Vereinsgeschichte begründen würden.
Doch die Entwicklung in den Folgejahren meinte es gut mit dem neuen Chor. Große Sängerfeste und Vereinsjubiläen mit Auszeichnungen und Ehrungen prägten das Vereinsleben der nachfolgenden Jahrzehnte. Selbst die Lücken, die zwei Weltkriege in die Reihen der Sängerschar schlugen, konnten wieder geschlossen werden.
Im örtlichen Leben hatte der Männergesangverein „Concordia“, in guten wie in schlechten Zeiten, seinen festen Platz. Keine Kirmes, kein Jubiläum oder Kirchenkonzert, keine Gemeindefeier oder Ehrengedenken auf dem Friedhof, nichts lief ohne die Mitwirkung des Männerchores. Zu den runden Vereinsjubiläen waren oft mehr Sänger zu Gast, als der kleine Ort an Einwohner zählte.
Aus der neueren Zeit werden Sängern und Mitbürgern die dreitägigen Feierlichkeiten anlässlich des im Jahre 1995 gefeierten 100-jährigen Vereinsjubiläums in Erinnerung bleiben.
Die im Namen des Bundespräsidenten erfolgte Verleihung der „Zelter-Plakette“ an den MGV „Concordia“ war für alle Sänger noch einmal ein besonderer Ansporn und Anreiz. Es ging wieder ein Stückchen aufwärts. In den Folgejahren wurde unter dem Dach des Männergesangvereins ein Frauenchor gegründet, der sich zwischenzeitlich gut entwickelt und als „Mezzoforte“ verselbstständigt hat. Sangesfreudige Mädchen und Frauen gibt es unter der rasch gewachsenen Bevölkerung im Ort wohl wesentlich mehr, als Männer, die sich für den Chorgesang begeistern können.
Die zunehmende Überalterung im Männerchor, die beruflichen Zwänge und nicht zuletzt der Trend, sich nicht mehr fest binden zu wollen, führten wohl dazu, dass letztlich nur noch drei oder vier Männer in der einen oder anderen Stimme aktiv sangen.
Damit war beim besten Willen und trotz aller Bemühungen des Chorleiters, kein etwas anspruchsvolleres Liedgut mehr einzustudieren.
Wie der Vorsitzende Hubert Moske betonte, waren diese wenig erfolgreichen Chorproben und die damit verbundenen bescheidenen Auftritte letztlich der Anlass, die Gesangsproben vorerst einzustellen. Immer jedoch in der Hoffnung, einen Ausweg aus dieser Misere zu finden.
Alle Bemühungen, personelle Verstärkung aus dem eigenen Ort zu finden, schlugen jedoch genauso fehl wie die Vorstellungen, sich dem Frauenchor anzuschließen oder in dem einen oder anderen Chor der Nachbargemeinden mitzusingen.
Nach nun fast zwei Jahren andauernder Ungewissheit, nach einigen Hoffnungsschimmern und erneuten Rückschlägen, ist sich der kleine Kreis der verbliebenen Sänger einig, die Notenmappen endgültig zuzuklappen und den MGV „Concordia“ beim Kreischorverband Rhein-Mosel abzumelden. Voneinander werden sich die Sänger und inaktiven Vereinsmitglieder mit einem Grillfest in der kommenden Woche verabschieden. Einig war man sich in der Auffassung „Tradition ist nicht das Aufbewahren der Asche, sondern das Weitertragen der Glut“. Letzteres war dem MGV „Concordia“ Wolken leider nicht möglich.
