Allgemeine Berichte | 29.08.2014

Horst Schulze erhält nach August Horch die Ehrenbürgerwürde

„Eine Karriere so steil wie die Weinberge von Winningen“

Ortsbürgermeister Eric Peiter und die Weinmajestäten überreichten Horst Schulze die Ernennungsurkunde zum Ehrenbürger.  EP

Winningen. Es ist schon 65 Jahre her, dass die Gemeinde Winningen einen Ehrenbürger ernannt hat. Damals war es der am 12. Oktober 1868 in Winningen geborene August Horch, Gründer von Horch und Audi. An dieser Zeitspanne kann man erkennen, wie bedeutend diese Ehre ist und dass es sich die Gemeinde mit einer solchen Entscheidung nicht leicht macht. In der Sitzung des Ortsgemeinderates am 18. März wurde einstimmig Horst Schulze zum Ehrenbürger auserkoren. Den Titel „Ehrenwinzer“ trug er schon zu dieser Zeit. Der Weltbürger ist im Herzen immer Winninger geblieben. Obwohl Horst Schulze seit dreißig Jahren in Atlanta/USA lebt, zieht es ihn immer wieder zu seinen Wurzeln. Sein Elternhaus ist dann das Zuhause für ihn und seine Familie. Er liebt den Winninger Wein, die Winzerküche, die Feste und Stammtische, die blumengeschmückten Häuser und die sauberen Straßen seines Heimatortes.

„Amerikanischer Traum, mit Ursprung in Winningen“

Horst Schulze lebte einen amerikanischen Traum, der in Winningen seinen Ursprung hatte: vom Tellerwäscher zum bedeutendsten  Hotelier aller Zeiten. Mit vierzehn Jahren verließ er den Ort um Kellner zu werden, gerüstet mit dem moralischen Anspruch seiner Eltern, die ihm mit auf den Weg gaben: „Benimm dich und wasch dich!“ Und er wusste: „Jemand der etwas erreichen will, muss hart arbeiten.“ Als Beispiel galten die Winzer, die Horst Schulze im Weinberg bei ihrer harten Arbeit beobachtete. Schon als Schüler hatte er Teller und Gläser gespült, um sich Taschengeld zu verdienen. Seinem Berufswunsch sah man zu Hause skeptisch entgegen: „Du wirst mit platte Füß im Kowelenzer Bahnhof arbeite!“ kommentierte das sein Opa. Doch Horst Schulze ließ sich  nicht beirren. Mit dem Hauptschulabschluss in der Tasche besuchte er zunächst eine Schule in Bad Kreuznach. Heimweh plagte den jungen Mann, das von täglichen Briefen seiner Mutter gemildert wurde. Seine erste Stelle hatte er in Bad Neuenahr. „Ich bekam meine Uniform und eine Fliege. So ausgerüstet durfte ich als erste Tätigkeit einen Aschenbecher ausleeren und bekam von einem Gast fünf Mark Trinkgeld. Euphorisch dachte ich, so kann es weitergehen!“ Das erzählt Horst Schulze noch heute gern. Der dortige Oberkellner war ihm ein Vorbild, er gab ihm den Rat: „Wähle nur die besten Häuser.“

Er arbeitete in Frankreich, England, in der Schweiz und auf einem Kreuzfahrtschiff. Auf diesem führte ihn 1965 sein Weg nach Amerika, in der Tasche zwei Dollar und in der Hand zwei Koffer. Es begann eine harte Zeit, und eigentlich wollte er wieder nach Hause. Schließlich bekam er einen Job in einem Restaurant in San Francisco. Seine amerikanische Karriere begann. Horst Schulze arbeitete sich zum Gastro-Chef bei Hyatt hoch. Die Fünf-Sterne-Hotelkette  „Ritz-Carlton“ war eine weitere Station seines Lebens, dort baute er 65 Hotels auf. Um für seine Familie mehr Zeit zu haben, denn zwischenzeitlich war er verheiratet und Vater von vier Kindern, schied er 2002 aus. „Rentner“ war er nur an einem Wochenende, dann gründete er die „Capella-Hotel-Group“, die in ihren Hotels noch höhere Standards haben. Zu seinen Winninger Freunden sagte der heute Fünfundsiebzigjährige: „Ihr spielt in eurem Ruhestand Golf, ich spiele lieber mit Hotels!“ Horst Schulzes Ziel war und ist die absolute Perfektion im Hotelservice, und damit die hundertprozentige Zufriedenheit der Gäste. Sein Leitspruch lautet: „Wir sind Damen und Herren im Dienste von Damen und Herren.“ Darauf bauen die Standards auf, die Horst Schulze an das Hotelpersonal weitergibt. 125 Schulungsstunden im Jahr für jeden Angestellten bringen ein hohes Service-Niveau. Seine Angestellten sind „Freunde“, die mit Bonuspunkten belohnt werden, was die Freude an der Arbeit und den Ehrgeiz es bestens zu machen steigert.

Ausgezeichnetes Qualitätsmanagement

Horst Schulzes Lehren gelten als Standards im weltweiten Qualitätsmanagement. Für seine Leistung bekam er zweimal den „Malcom Baldrige Award“. Die  „Oscar für Manager“ genannte Auszeichnung, wurde ihm 1992 von Präsident Bush und 1999 von Präsident Clinton überreicht. Es ist die höchste Auszeichnung, die es in der amerikanischen Wirtschaft gibt. Horst Schulze erhielt außerdem den „Bring Life to Leadership Award“, der zuvor an Jimmy Carter verliehen wurde. Von der Universität Johnson & Wales bekam er die Ehrendoktorwürde. Nicht immer verlief sein Leben ohne Probleme. Vor zwanzig Jahren erkrankte er an Krebs. Die Ärzte rieten ihm zur Chemotherapie, ohne etwas über die Erfolgsaussichten sagen zu können. Er suchte Alternativen. Zwei Freunde erzählten ihm, unabhängig voneinander, von einem Japaner. Als gläubiger Mensch hielt Horst Schulze das für ein Zeichen und ging der Sache nach. Michio Kushi war auf makrobiotische Diät spezialisiert. Zwei Jahre lang aß er nur Seetang, Tofu und braunen Reis, ohne Salz und Gewürze, trank ausschließlich Wasser. Der Krebs verschwand und kam nie wieder. Heute ist Horst Schulze Vorstandsmitglied des amerikanischen Krebsheilbehandlungszentrums. Der charismatische, beeindruckende Mensch ist stolz auf seine alte und neue Heimat. Deshalb schlug er mehrmals die amerikanische Staatsbürgerschaft aus. Als man ihn fragte, ob er die Ehrenbürgerwürde annimmt, antwortete er: „Kann ich  dann bleiben, wie ich bin? Ich will niemand anderes sein, als ein Winninger Jung. Ich bin als Winninger geboren und will als Winninger sterben.“

Es war ein sehr beeindruckender Festakt in der Evangelischen Kirche, zu der sehr viele Gäste gekommen waren. Das „Halleluja“ (von Karen Lafferty) erklang, präsentiert von der Winzerkapelle, und leitete über zum feierlichen Anlass dieses Tages. Kirchmeister Frank Hoffbauer begrüßte die Familie Schulze und die Gäste. Die erste Ansprache hielt Ortsbürgermeister Eric Peiter: „Es erfüllt mich mit Stolz, als Bürgermeister der Gemeinde diese besondere Ehrung vor zu nehmen. Horst Schulze ist ein Weltbürger im wahrsten Sinne, aber bleibt ein heimatverbundener Winninger.“ Nach Überreichung der Urkunde durch die Winninger Weinmajestäten, erklang passend zu diesem Moment „One Moment in Time“. Die Laudatio hielt Bürgermeister a.D. Hans-Joachim Schu-Knapp: „Rein statistisch wird hier in Winningen alle 65 Jahre eine Ehrenbürgerschaft ausgesprochen!“ witzelte er. Mit viel Humor ging es weiter, als er aus dem Leben Horst Schulzes erzählte. Er schloss mit den Worten: „Dau biss einer von us!“ Zwei persönliche Freunde, Karl-Heinz Mölich und Rüdiger Kröber, richteten ebenso Grußworte an den neuen Ehrenbürger, die mit dem Lied „Friends for Life“ endeten.

„Liebeserklärung einer Gemeinde an ihren Bürger“

Auch der US-Generalkonsul Kevin C. Milas, der aus Frankfurt angereist war, gratulierte Horst Schulze: „Winningen hat besondere Menschen! Hier ist August Horch geboren und heute wurde Horst Schulze zum Ehrenbürger ernannt. Ich träume davon, in einem Audi in ein Capella-Hotel zu fahren und einen Winninger Riesling zu trinken.“ Staatsministerin Eveline Lemke hielt die Ehrenbürgerschaft für eine „Liebeserklärung einer Gemeinde an ihren Bürger“. „Horst Schulze hat die Grundlagen für die Ausbildung im Hotelfach  geschaffen“, sagte sie und lud ihn zur Einweihung des Naturschutzparkes Im Hunsrück an Pfingsten 2015 ein. Bewegend waren die Dankesworte, die Horst Schulze an alle richtete: „Ich fühle mich gedemütigt, weil ich weiß, es sind nicht nur meine Erfolge. Ich wusste, wer etwas erreichen will, muss hart arbeiten. Winningen und meine Eltern waren Bogenschützen, ich war der Pfeil und bin rausgeflogen – in die Welt!“ bedankte er sich bescheiden. Es folgte ein Medley aus Lieblingsmelodien des Ehrenbürgers, bei dem kräftig geschunkelt wurde. Vor dem Kirchentor wartete die Winninger Winzer-, Trachten- und Tanzgruppe, die ihn mit traditionellem Tanz und Gesang überraschte. Der anschließende Empfang im Evangelischen Gemeindezentrum bot allen und Bürgern die Gelegenheit zur persönlichen Gratulation. Und der Ehrenbürger Horst Schulze hatte für jeden eine freundliche Geste und ein offenes Ohr. EP

Das Video zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft gibt es auf blick-aktuell.tv.

Es war ein feierlicher, aber auch humorvoller Festakt, der Horst Schulze (2.v.l.) zum Ehrenbürger Winningens machte.

Es war ein feierlicher, aber auch humorvoller Festakt, der Horst Schulze (2.v.l.) zum Ehrenbürger Winningens machte.

Ortsbürgermeister Eric Peiter und die Weinmajestäten überreichten Horst Schulze die Ernennungsurkunde zum Ehrenbürger. Fotos: EP

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