Der „Moosemann“ und die Historie von Alken
Eine alte Tradition lebt weiter
Heimatverein übernimmt seit 1984 die Organisation der Veranstaltung, deren Ursprünge bis 1248 zurückreichen
Alken. „Man schrieb das Jahr 1248. Die Burg Thurant, die über Alken thront, wurde von den Erzbischöfen von Trier und Köln belagert, die Burginsassen waren eingeschlossen, niemand konnte das Gelände ungesehen verlassen. Der Burgvogt Zurno sann darüber nach, wie er den Herrn von Thurant und Alken, Pfalzgraf Otto II. von Heidelberg, benachrichtigen könnte. Eine List musste her, um den Belagerungsring zu durchbrechen. Der mutige Junker Emmerich von Leinigen wurde zum Boten bestimmt, so besagt die Legende. Es war eine stürmische Nacht, als er in Moos gehüllt, am steilen Nordhang ins Tal hinab rollte. Er wurde zum ‚Moosemann‘. Unten angekommen befreite er sich aus dem Moosballen, verschwand im Dunkel der Nacht und machte sich im Schutz des Waldes auf nach Heidelberg. Als die Trierer Belagerer am Morgen den Moosballen entdeckten, ahnten sie die List. Mit ihren Piken und Speeren schlugen und stachen sie hinein, um den Versteckten zu enttarnen. Aber vergeblich, der Junker hatte sich ja schon aus dem Staub gemacht. Auch wenn er es bis Heidelberg zum Pfalzgrafen schaffte und dieser ein Heer zur Befreiung schickte, konnte Alken doch nicht befreit werden. Truppen des Kölner Erzbischofs schlugen das Heer zurück.“
Fest erinnert an mittelalterliche Heldentat
Zur Erinnerung an diese heldenhafte Tat feiert Alken jährlich an jedem dritten Fastensonntag das „Moosemannfest“, bei dem die Legende nachgespielt wird. Der Heimatverein Alken hat seit 1984 diese Aufgabe übernommen und richtet das Fest aus, denn ihm sind die Erhaltung und die Pflege des heimischen Brauchtums wichtig. Ohne Mitgliedsbeiträge zu erheben, wird von den Mitgliedern eine aktive Unterstützung der Vereinsidee erwartet, wobei der Verein ein hohes Maß an Geselligkeit bietet (www.alken.de/vereine-verbaende). An diesem Sonntag hatte sich Alken geschmückt, der strahlende Sonnenschein, die frühlingshaften Temperaturen und das besondere Ereignis lockten zahlreiche Besucher an die Mosel. Der Startschuss fiel um 11.30 Uhr mit dem Frühschoppen auf dem Festplatz in der Moselallee. Angeboten wurden Speisen und Getränke, Kaffee und Kuchen, niemand musste hungern oder dursten. Wie immer war die Burg Thurant nachgebaut, von dieser Bühne aus begrüßten der Erste Vorsitzende des Heimatvereins Berthold Schupp und Ortsbürgermeister Walter Escher das dicht gedrängte Publikum, das erwartungsvoll auf das Geschehen blickte.
Alkener erschienen als Ritter und Burgfrauen
Hoch zu Ross erschien ein Ritter und verlas die Entstehungsgeschichte des Festes. Mittlerweile war Junker Emmerich, gespielt vom sechsjährigen Jakob Thönnes, unter den „Moosemann-Baum“ gekrochen und lugte aus seinem Versteck. Alle Kinder und Kindgebliebenen hatten sich einen Weinbergspfahl genommen, um das Suchen der Belagerer nach dem Boten im Moosballen nachzuahmen. Viele auch Erwachsene - hatten Spaß am Spiel und sich als Ritter und Burgfrauen verkleidet. Vier Jungen aus dem letzten Schuljahrgang schulterten den „Moosemann“. Unter musikalischer Begleitung zog der Festzug durch die Gassen von Alken. Dabei erklang das alte Lied: „Hei bränge ma de Moosemann, mit de Deere, mit de Scheere, Heizmann Jens muss die Brezele jewe!“ Denn zum Brauch gehört es, dass das zuletzt getraute Paar die Aufgabe hat, die Brezeln an die Kinder zu verteilen. In diesem Jahr waren dies Elisabeth und Jens Heizmann, die in der Moselallee auf die Rückkehr des Festzugs warteten. Dort angekommen schlüpfte der „Moosemann“ unbemerkt aus seinem Versteck, und die mit Pfählen bewaffneten Kinder durchsuchten, wie einst die Belagerer, den Moosballen. Im Gegenzug zu den Brezeln sammelte das junge Paar die Pfähle ein. Um die Eindrücke rund um das Moosemannfest zu vertiefen, hatten die Besucher an diesem Tag die Gelegenheit, als historische Kulisse die Burg Thurant kostenfrei zu besichtigen. Auch das alte Stadttor - der Fallerport - war für Besucher zur Besichtigung geöffnet. Hier stellt die „Interessengemeinschaft historisches Alken“ ihre Arbeit und das Modell des mittelalterlichen Alken mit seiner Stadtmauer vor. Gemeinsam beendeten Akteure und Gäste das Moosemannfest mit einem Umtrunk auf dem Festplatz in der Moselallee.
„Legatio ex Colonia Agrippinensis“ nennt sich die Gruppe, deren Anblick das historische Fest untermalte. Fotos: EP
Der sechsjährige Jakob Thönnes hatte sich als Moosemann gut versteckt.
Kinder und Erwachsene bewaffneten sich mit Pfählen, um wie die Belagerer vor 767 Jahren nach dem Moosemann zu suchen.
