Polizeihubschrauberstaffel des Landes Rheinland-Pfalz ist in Winningen stationiert
Fliegendes Personal wahrt die Sicherheit der Bürger
Winningen. Seit 1974 ist die Polizeihubschrauberstaffel des Landes Rheinland-Pfalz in Winningen stationiert. Sie ist der Direktion der Bereitschaftspolizei Rheinland-Pfalz organisatorisch angegliedert, unterliegt deren Dienst- und Fachaufsicht und verrichtet ihren Dienst in einem modernen Dienstgebäude am Verkehrslandeplatz Koblenz-Winningen. Mit zwei Hubschraubern des Typs EC 135 nehmen sie vielfältige Aufgaben wahr. Die 2002 und 2004 in Dienst gestellten Hubschrauber wurden von der Firma Eurocopter in Donauwörth hergestellt. Ihr maximales Abfluggewicht beträgt 2910 kg, eine Zuladung bis etwa 900 kg ist möglich. Ausgestattet mit zwei Triebwerken, die eine maximale Leistung von je 609 kW haben, einer maximalen Horizontalfluggeschwindigkeit von 256 Stundenkilometern und einer maximalen Reichweite von 615 km, sind Einsätze bis nach Hessen und ins Grenzgebiet des Saarlandes gewährleistet.
Einsätze rund um die Uhr
Zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz besteht eine Kooperation, eine 24-stündige Bereitschaft - in Rheinland-Pfalz von 7 bis 1 Uhr und in Hessen von 1 bis 7 Uhr - ermöglicht Einsätze rund um die Uhr. Gestartet wird mit zwei Mann Besatzung, insgesamt fünf Einsatzkräfte sind möglich. In der Staffel sind 22 Personen beim fliegenden Personal. Ein wichtiger Ausrüstungsbestandteil ist das kreiselgestützte Kamerasystem mit einer TV-Kamera und einer Wärmebildkamera, die außen am Hubschrauber angebracht ist. Somit sind Einsätze auch in der Dunkelheit möglich. Zu Dokumentationszwecken aus der Luft, führt die Crew zusätzlich eine handelsübliche Fotoausrüstung mit. Die Video- und Wärmebildkamera wird von sechs FLIR-Operatoren (Forward Looking Infra Red) bedient, die im Bedarfsfall als drittes Besatzungsmitglied mitfliegen. In der Winninger Hubschrauberstaffel gibt es zwei weibliche FLIR-Operatoren. Zur weiteren ständig mitgeführten Ausrüstung gehört ein Außenlasthaken für den Transport von Außenlasten unter dem Hubschrauber sowie ein Feuerlöschbehälter zum Aufnehmen von Wasser und zum Abregnen von Wasser über einer Brandstelle. Damit können die Feuerwehren an besonders schwer zugänglichen Brandorten, wie Steillagen und Täler, effizient unterstützt werden. Für den Einsatz des Hubschraubers in der Dunkelheit ist ein 1600 Watt starker Scheinwerfer „SX 16 Nightsun“ installiert. Eine Bildverstärkerbrille, die bei Bedarf am Helm angebracht wird, erlaubt die Flugsicht in der Dunkelheit und sichert die Durchführung des Fluges unter Einsatzbedingungen. Der Winninger Polizeihubschrauberstaffel ist ein Instandhaltungsbetrieb angegliedert, der nach europäischem Recht zertifiziert ist. Dort werden technische Beanstandungen behoben und periodische Wartungsmaßnahmen mit eigenem Personal durchgeführt. Somit erhöht sich die Zahl der insgesamt bei der Hubschrauberstaffel beschäftigten Bediensteten auf 37.
Das fliegende Personal besteht aus Polizeibeamten, die zunächst eine Ausbildung zum Polizeibeamten in der Hochschule der Polizei des Landes Rheinland-Pfalz auf dem Campus Hahn abgeschlossen haben. Nach einem bestandenen Eignungsverfahren erfolgt die Ausbildung zum Piloten an der Luftfahrerschule für den Polizeidienst des Bundes und der Länder in Sankt Augustin bei der Bundespolizei. Eine zweijährige Grundausbildung schließt sich an und eine fachliche Ausbildung in der Staffel.
Vielfältiger Aufgabenbereich
Durchschnittlich 1300 Flugstunden absolviert die Polizeihubschrauberstaffel in Winningen. Zu ihren Aufgaben gehören die Suche nach Vermissten, Beweissicherung und Dokumentation/TV-Bildübertragung, Fahndungen, Kriminalitätsbekämpfung, Verkehrsmaßnahmen, Umwelt- und Gewässerschutz, Transport von Führungs- und Einsatzmitteln, Personen- und Objektschutzmaßnahmen, Luftrettungsdienst und Brandbekämpfung. Bei der Luftrettung werden die Polizeihubschrauber nicht ständig eingesetzt. Doch ist Eile geboten, besteht die Möglichkeit des Transports eines Arztes zur Unglücksstelle oder der Abtransport einer verletzten Person. Bei Fahndungen und der Suche nach vermissten Personen leisten sie Bodendienstunterstützung für die eingesetzten Polizeikräfte. In Rheinland-Pfalz werden im Durchschnitt jährlich 15 Personen vermisst. Da ist der Einsatz der Wärmebildkamera wichtig sowie auch bei der Bilddokumentation von Unfallstellen. Die Kamera-Software gewährt eine zentimetergenaue Auswertung. Landesweite Aufgaben für die Polizei, in Führung und Einsatz, in der Aus- und Fortbildung sowie bei polizeilicher Prävention und Repression, werden von der Polizeihubschrauberstaffel wahrgenommen. Dabei handeln sie immer nach dem Leitbild, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei des Landes Rheinland-Pfalz selbstständig erarbeitet haben. Es ist ein solides Fundament, auf das sie bei ihrer Arbeit bauen können. Dazu gehört zu allererst der Dienst für und mit dem Bürger: „Die Sicherheit des Bürgers steht für uns an oberster Stelle. Wir stehen für Recht und Gesetz“. Das Leitbild beinhaltet auch das kollegiale und faire Miteinander und menschliches und professionelles Handeln.
Sorge über Regierungspläne
Jeden Tag beweist das Personal der Polizeihubschrauberstaffel, wie wichtig ihr Dienst für Rheinland-Pfalz und den Standort ist. Mit Sorge verfolgen sie die Pläne der Landesregierung, den Stützpunkt ins hessische Egelsbach zur dortigen Hubschrauberstaffel zu verlegen. Dadurch würden die 37 Arbeitsplätze der Beschäftigten in Winningen gefährdet, auch weil lange Anfahrtswege zu bewältigen wären. Bei einer Zusammenlegung der Flugdienste mit dem Standort Hessen könnten aufgrund der weiteren Anflugstrecken bei Einsätzen auch Nachteile für Rheinland-Pfalz entstehen. Keinen Grund etwas zu ändern sieht die Deutsche Polizeigewerkschaft, denn die bestehende Kooperation zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz hat sich bewährt. Eine Arbeitsgruppe des Ministeriums überprüft, wie die Zusammenarbeit beider Länder intensiviert werden kann. Zurzeit soll es definitiv noch keine konkreten Pläne zur Schließung der Polizeihubschrauberstaffel Winningen geben, so das rheinland-pfälzische Innenministerium. Die MitarbeiterInnen sind mit ihren Sorgen nicht allein, die Deutsche Polizeigewerkschaft und die Bundesvereinigung fliegendes Personal der Polizei steht hinter ihnen. Die Winninger Hubschrauberstaffel hat keine Nachwuchssorgen, bleibt zu hoffen, dass die Sorgen um ihren Standort bald der Vergangenheit angehören.
Eine der FLIR-Operatoren ist Sabine Hohenstein, die während des Fluges die Video- und Wärmebildkamera bedient.
Die Polizeihubschrauberstaffel verrichtet ihren Dienst in einem modernen Gebäude.
