Allgemeine Berichte | 06.03.2013

„Hei bränge ma de Moosemann“

Mit dem Moosemannfest wird in Alken das heimatliche Brauchtum erhalten

Saskia und Jens Huppertz verteilten die Brezeln im Austausch mit den Weinbergpfählen.

Alken. Auch in diesem Jahr waren viele Besucher gekommen, um sich an der Geschichte des „Moosemann“ zu erfreuen. Grundlage des Moosemannfestes ist die Historie über die Belagerung der hoch über Alken gelegenen Burg Thurant im Jahr 1248. Zu dieser Zeit belagerten die Erzbischöfe von Trier und Köln die Burg, und es war nicht möglich, ungesehen diesen Ort zu verlassen. Der Burgvogt Zurno sann darüber nach, wie er den Herrn von Thurant und Alken, Pfalzgraf Otto II. von Heidelberg, benachrichtigen könnte. Um den Belagerungsring zu durchbrechen, musste eine List angewandt werden. Die Legende besagt, dass der Junker Emmerich von Leiningen als Bote bestimmt wurde. In einer stürmischen Nacht umhüllte man ihn mit Moos und ließ ihn am steilen Nordhang ins Tal hinab rollen. Das erklärt die Bezeichnung „Moosemann“. Unten angekommen befreite er sich aus dem Moosballen. Im Dunkel der Nacht und im Schutz des Waldes entkam er. Als die Trierer Belagerer am Morgen den Moosballen entdeckten, ahnten sie die List. Sie schlugen und stachen mit ihren Piken und Speeren hinein, um den Versteckten zu enttarnen. Aber vergeblich, denn der Junker Emmerich war schon auf dem Weg nach Heidelberg. Auch wenn er es schaffte, bis nach Heidelberg zum Pfalzgrafen Otto II. zu gelangen und dieser ein Heer zur Befreiung losschickte, konnte Alken nicht befreit werden. Truppen des Kölner Erzbischofs schlugen das Heer zurück. Zur Erinnerung an diese heldenhafte Tat feiert Alken jedes Jahr am dritten Fastensonntag das „Moosemannfest“, bei dem die Legende nachgespielt wird, die sich so heute vor 765 Jahren zugetragen haben soll. Seit 1984 richten die Heimatfreunde Alken e.V. dieses Fest aus. Dem Verein, der sich auch um die Pflege der Landschaft und der Umwelt kümmert, ist die Erhaltung des heimatlichen Brauchtums sehr wichtig. Ohne Mitgliedsbeiträge zu erheben, wird von den Mitgliedern eine aktive Unterstützung der Vereinsideologie erwartet. Im Gegenzug bietet der Verein ein hohes Maß an Geselligkeit. Weitere Information beim ersten Vorsitzenden Berthold Schupp, Tel. (0 26 05) 17 26. An diesem Sonntag zeigte sich die Moselallee festlich geschmückt. Stände, an denen für das leibliche Wohl gesorgt wurde, waren aufgebaut. Mit einem Frühschoppen um 11 Uhr begann das „Moosemannfest“. Ab 11.30 Uhr gab es Leckeres Essen. Doch das wichtigste Ereignis, der Umzug durch Alken mit dem „Moosemann“, startete um 14 Uhr. Dicht gedrängt wartete das Publikum, die Blicke erwartungsvoll auf eine Nachbildung der Burg Thurant gerichtet, auf das Geschehen. Berthold Schupp begrüßte im Namen der Heimatfreunde Alken e.V. die Gäste. Auch der Ortsbürgermeister Walter Escher, als Schirmherr der Veranstaltung, richtete ein Grußwort an die Anwesenden. Dann erschien ein Burgritter hoch zu Ross mit seinem Gefolge, und die Historie wurde verlesen. Neben dem reich geschmückten „Moosemannbaum“, waren Weinbergpfähle bereitgelegt worden. Sie symbolisierten die Speere und Piken der Belagerer. Alle Kinder und Kind gebliebenen konnten sich einen Pfahl mitnehmen, um später das Durchsuchen des Moosballen nach zu spielen.  Mittlerweile hatte sich der „Junker Emmerich“ unter dem Moos, das auf einer Trage befestigt war, versteckt. In diesem Jahr hatte Luca Endris diese Aufgabe übernommen und lugte aus seinem Versteck. Auch der „Moosemannbaum“ war auf der Trage befestigt. Vier Jungen, Schüler des letzten Schuljahrganges, schulterten das Ganze, und los ging es. Angeführt und musikalisch begleitet vom Fanfarencorps Grün-Weiß Spay e.V. startete der Festzug durch Alken. Ausgelassen und fröhlich sangen die Kinder, manche als Ritter verkleidet, das bedeutungsvolle Lied: „Hei bränge ma de Moosemann, met de deere, met de Schere, Huppertze Jens muss die Brezele jewe!“ Denn Saskia und Jens Huppertz waren die Letzten, die im vergangenen Jahr geheiratet hatten. Und der Alkener Brauch besagt, dass die Aufgabe des zuletzt getrauten Ehepaares ist, die Brezeln beim „Moosemannfest“ an die Kinder zu verteilen. Das junge Ehepaar wartete in der Moselallee auf die Rückkehr des „Moosemann“. Dort angekommen schlüpfte der „Junker Emmerich“ unbemerkt aus seinem Versteck. Mit ihren Pfählen suchten die Kinder, wie einst die Belagerer, vergeblich nach ihm. Im Gegenzug zu den Brezeln sammelten Saskia und Jens Huppertz die Weinbergpfähle wieder ein. In der Zwischenzeit plünderten Alt und Jung den Schmuck am Moosemannbaum. Um die Eindrücke rund um das „Moosemannfest“ zu vertiefen, hatten die Besucher an diesem Tag die Möglichkeit, die Burg Thurant als historische Kulisse kostenlos zu besichtigen. Zusätzlich öffneten sich die Türen zur „Alten Michaeliskirche“ und zum „Fallerport“ (altes Stadttor) für die Festgäste. Mit einem anschließenden Umtrunk auf dem Festplatz endete das „Moosemannfest“, das seit Jahrhunderten in Alken gefeiert wird und alljährlich Hunderte Besucher aus nah und fern anlockt. Die Heimatfreunde Alken e.V. können stolz darauf sein, es auch in diesem Jahr wieder geschafft zu haben, diese alte Tradition weiter leben zu lassen.

Saskia und Jens Huppertz verteilten die Brezeln im Austausch mit den Weinbergpfählen.
Berthold Schupp und Walter Escher in Begleitung der Weinkönigin begrüßen die Besucher. EP

Berthold Schupp und Walter Escher in Begleitung der Weinkönigin begrüßen die Besucher. Fotos: EP

Als der Burgritter mit Gefolge erschien, wurde die Historie verlesen.

Als der Burgritter mit Gefolge erschien, wurde die Historie verlesen.

Der „Moosemann“ Luca Endris lugt aus seinem Versteck.

Der „Moosemann“ Luca Endris lugt aus seinem Versteck.

Saskia und Jens Huppertz verteilten die Brezeln im Austausch mit den Weinbergpfählen.

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