Thema Hochwasserschutz in Kobern-Gondorf
Hochwasserschutz und Notfallplan
Der dritte Workshop informierte über Handlungsmöglichkeiten
Kobern-Gondorf. Die erschreckenden Bilder und Meldungen von den Überschwemmungen in großen Teilen Deutschlands erinnern manchen Bürger aus Kobern-Gondorf an das eigene Schicksal. Für den Moment ist die Gefahr an der Mosel nicht gegeben! Aber es gibt keine langfristige Vorhersage, wann das nächste Hochwasser kommt und welcher Pegelstand erreicht wird. So kann man die Ängste und Sorgen der Ortsansässigen verstehen, die seit Jahren Unterstützung beim Kampf gegen die Fluten suchen und Antworten auf die Frage: Wie ist die beste Vorsorge und Hilfe im Notfall? „Hochwasser geht uns alle an!“ Unter diesem Motto fand jetzt der dritte Workshop zum Thema Hochwasserschutz in Kobern-Gondorf statt. Bürger und Betroffene waren eingeladen, um zusammen mit dem Ortsbürgermeister Michael Dötsch, den Vertretern der SGD Nord ( Struktur- und Genehmigungsdirektion ) Joachim Arenz und Wilfried Geil, Ralf Schernikau vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz ( MULEWF), Dr. Ing. Manuela Gretzschel von der TU Kaiserslautern und Dr. Roland Boettcher als beratender Ingenieur für Wasserbau und Wasserwirtschaft über die Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren. Für den Verein „Bürgerinitiative für Hochwasserschutz e.V. Kobern“ (Gründung 2007) war der Vorsitzende Johannes Eickhoff gekommen. Leider blieb die Bürgerbeteiligung hinter den Erwartungen zurück. Als erster Punkt stand ein umfassender Rückblick auf die vergangenen Aktivitäten und Erläuterungen und Erklärungen zur Kosten-Nutzen-Rechnung für einen baulichen Hochwasserschutz auf dem Programm. Diese Berechnungen ergeben, dass die Kosten für Bau, Betrieb und Unterhaltung einer solchen Schutzanlage die Summe der bei Hochwasser zu erwartenden Schäden weit übertreffen würden, also wirtschaftlich nicht vertretbar sind. Dazu gab es von Dr. Boettcher sehr detaillierte Informationen. Diskutiert wurden auch die Ergebnisse der Fragebogenaktion, die beim zweiten Workshop beschlossen worden war. Es konnten 71 Fragebögen zu Hochwasserschäden an 93 Objekten ausgewertet werden, die Beteiligung lag bei 76,3 %. Leider gab es über Gemeindeschäden keine Angaben und konnten deshalb in die statistischen Auswertungen nicht einfließen.
Das kommentierte Johannes Eickhoff: „Das wäre wichtig, weil sich die Gesamtschadensumme erhöht!“ Auch nicht erfasst werden konnten private Eigenleistungen. Es stellte sich heraus, dass die Nutzen-Kosten-Rechnung sehr kompliziert ist. Und das Zahlen und Statistiken nicht beruhigen, weil das Geschehen in der Hochwassersituation den Menschen sehr viel mehr abverlangt. „Ich verstehe die Zahlen und Berechnungen nicht! Tatsache ist doch, dass Kobern bei Hochwasser so stark betroffen ist!“ meinte Johannes Eickhoff, der sich seit Jahren für einen Hochwasserschutzdamm stark macht. „Hier ist der Hochwasserschutz schwierig und teuer, weil der Ort so langgestreckt ist.“ erklärte Ralf Schernikau. Und Johannes Eickhoff argumentierte: „Die besondere Lage erfordert doch besondere Berücksichtigung!“ Aber Tatsache ist leider, dass ein baulicher Hochwasserschutz für Kobern-Gondorf wirtschaftlich nicht machbar ist. Einig waren sich alle, den Umgang mit zukünftigem Hochwasser zu verbessern. Dazu wird gemeinsam ein Notfallplan erstellt. Dr. Ing. Manuela Gretzschel hatte das erste Konzept dazu mitgebracht und vorgestellt. Dabei hat die Abstimmung des Schutzkonzeptes mit der Nachbarschaft Priorität.
Darin werden Themen behandelt wie: wann und wer darf seinen Keller auspumpen. Denn alle oder keiner ist die Devise, damit, wenn der eine pumpt dem anderen nicht das Wasser reinläuft. Wichtig ist der Zugang zu den Häusern und die Sicherstellung der Ver- und Entsorgung bezüglich Telekommunikation, Trink- und Abwasser, Strom, Lebensmittel und der Umgang mit Mensch und Tier. Wichtig ist aber auch ein Verkehrskonzept, denn fehlender Parkraum kann zu Chaos führen, und die Vorsorge vor dem Hochwasser, wobei jeder im Vorfeld einiges tun kann, um Schäden zu vermeiden. Das Konzept enthält auch Hinweise für Betroffene in der Hochwasserphase und nach dem Hochwasser. Alle Maßnahmen sollten anhand entsprechender Ereignisse geschult und geübt werden. Es soll ein Flyer mit allgemeinen und speziellen Tipps bei Hochwasser in Kobern-Gondorf erstellt werden. Die Internetseite der Gemeinde soll mit Hinweisen zur Hochwasserthematik ergänzt werden und diese Informationen über einen großen Bildschirm bei Gefahr der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Da definitiv feststeht, dass durchgehende technische Hochwasserschutzanlagen für Kobern-Gondorf nicht gebaut werden können, sollten alle anderen Möglichkeiten zur Vorsorge ergriffen werden.
Dazu gehören die Berücksichtigung der Überflutungsgefahr bei Ortsentwicklungsmaßnahmen, Schutzmaßnahmen an einzelnen Gebäuden und die Verbesserung des Versicherungsschutzes der Betroffenen. Es gibt noch viel zu tun! Deshalb ist der nächste Workshop für den Herbst geplant. Zukünftige Themen sind: der Hochwassernotfallplan, Versicherung von Hochwasserschäden und die Auswirkungen des Klimawandels auf das Hochwassergeschehen an der Mosel.
Dr. Ing. Manuela Gretzschel und OB Michael Dötsch informierten über das erste Notfallkonzept.
