Einkehrnachmittag der kfd Dekanat Maifeld-Untermosel
„Jesus braucht keine Verehrer, sondern Nachfolger“
Die Teilnehmerinnen erhielten unter anderem einen Einblick in das Projekt der Katholischen Studierenden Jugend Trier
Niederfell. Die Polin Zofia Klinke wurde im Alter von 25 Jahren von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Die Schmerzen und Qualen, die sie erleiden musste, haben auf dem gestreiften Häftlingskleid ihre Spuren hinterlassen. Während der gesamten Gefangenschaft trug sie das kratzende Gewand und kehrte darin nach Kriegsende in ihr Heimatland zurück. 2002, fast 60 Jahre später, übergab sie das Kleid im Rahmen von Versöhnungsgesprächen an das Ehepaar Müller vom Maximilian-Kolbe-Werk. Fünf Jahre später starb Zofia Klinke, hinterließ mit ihrem Kleid aber einen stillen Zeugen, der, stellvertretend für Millionen geächteter, verfolgter und ermordeter Menschen, an das Schicksal der Opfer des Dritten Reichs erinnert.
Das Häftlingskleid der Zofia Klinke wurde während der gesamten Heilig Rock Wallfahrt in Trier mit vielen Hintergrundinformationen und bewegenden Texten in den Räumen des Jugendverbandes KSJ ausgestellt. „Am Boden“, so nannte sich dieses Projekt der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) Trier, hat während dieser Tage viele junge wie alte Besucherinnen und Besucher erschüttert und berührt.
„Wir hatten KZ-Überlebende und Angehörige von KZ-Opfern hier, die am Kleid getrauert haben“, erzählte Jutta Lehnert, Pastoralreferentin und geistliche Leiterin der KSJ Trier, die als Referentin den Einkehrnachmittag der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) des Dekanates Maifeld-Untermosel im Kloster Kühr in Niederfell gestaltete.
Gebannt folgten die 55 Frauen einem eindrucksvollen Film über die Wallfahrt und das Projekt der KSJ Trier, den die Referentin zum Einstieg zeigte. Dieser machte deutlich, dass das KZ-Kleid „den Blick weitet und auf Schmerz, Leid und Unrecht hinweist, die heute noch passieren.“ Dagegen gelte es, aufzustehen und sich mit entrechteten Menschen solidarisch zu zeigen. Nur dann könne die Nachfolge Jesu gelingen, so Lehnert. Sie schloss dem Film eine interessante Deutung der Bibelstellen zum Gewand Christi im Johannes- und Markusevangelium im Zusammenhang mit den damaligen historischen und kulturellen Hintergründen an. Im abschließenden Wortgottesdienst gedachten die Frauen mit bewegenden Texten derer, die auch heute noch Schmerz, Leid und Unrecht erfahren. Die Kollekte des Nachmittages unterstützt das kfd Geburtshilfe-Projekt „Pirappu“ in Indien.
