Freundschaftskreis Dieblich-Marzy e.V. auf einem historischen Stadtspaziergang
Koblenz und die Franzosen
Dieblich. Die Mitglieder des Freundschaftskreises Dieblich-Marzy e. V. (FSK) trafen mit weiteren Interessierten vom Freundschaftskreis Waldesch-Lucenay und einem Koblenzer, um mit der 1. Vorsitzenden des FSK, Monika Sayk, durch Koblenz zu spazieren und etwas über seine wechselvollen Beziehungen und Kontakte mit Frankreich zu erfahren. Der Spaziergang begann am Deutschherrenhaus mit dem Pouce (Daumen) von César Baldaccini, einem französischen Künstler, dem der jährlich verliehene französische Filmpreis „César“ seinen Namen verdankt. Über die Kastorkirche erfuhren die Teilnehmer, dass dort Mitte des 9. Jhts. die Enkel Karls des Großen über die Aufteilung des Frankenreiches verhandelten und so den Grundstein für die folgende Herausbildung der französischen und deutschen „Nation“ legten.
Koblenz nach der Französischen Revolution
Weiterhin lernten die Besucher, dass Koblenz nach der Französischen Revolution ein beliebtes Fluchtziel des französischen Adels war, der es sich hier gut gehen ließ. Im Etzegässchen wurde nicht vom Adel, sondern vom „gemeinen“ Volk, in Gestalt einer resoluten Wirtin berichtet, die sich gegen die Willkür der französischen Herren wehrte. Von dort ging es Richtung Liebfrauenkirche, von der die Spaziergänger jetzt wissen, warum sie Zwiebeltürme hat, obwohl sie ein spätromanisches bzw. gotisches Bauwerk ist. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Koblenz durch die Truppen Ludwigs XIV. zerstört. Auch die gotischen Turmhelme brannten ab und wurden 1694 durch barocke, ‚welsche Hauben‘ ersetzt. Weiter ging es zu den Vier Türmen, die ebenfalls im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 zerstört, jedoch bald darauf wieder errichtet wurden. Leider fielen sie ein zweites Mal 1944 dem Krieg zum Opfer, wurden aber zwischen 1949 und 1960 wieder aufgebaut.
Amerikaner und Franzosen
Nach dem 1. Weltkrieg übernahmen zeitweilig die Amerikaner die Kontrolle über Koblenz. Im Januar 1923 wurden die Amerikaner von den Franzosen abgelöst. Der amerikanische Kommandant konnte seinen Nachfolger davon abhalten, als Vergeltung die Festung Ehrenbreitstein schleifen zu lassen. Glücklicherweise ließen sich die Franzosen überzeugen und so kann die von den Preußen errichtete Festung heute noch besucht und bestaunt werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde Koblenz zu über 80 Prozent zerstört. Auch dieses Mal stand Koblenz nach Abzug der Amerikaner wieder unter französischer Besatzung und Verwaltung. Aufgrund der starken Zerstörungen standen nach den beiden Kriegen kaum Wohnraum für die Zivilbevölkerung und die französischen Besatzer zur Verfügung. Diesem Mangel versuchte man u.a. durch den Bau von großzügigen Wohnungen in einigen Straßenzügen der südlichen Vorstadt, einer auch heute noch beliebten Wohngegend, abzuhelfen. In Richtung Rhein führte der Spaziergang zu einem Gedenkstein beim Café Rheinanlagen, auf dem des Besuches König Wilhelms und seiner Gemahlin Augusta am ersten Tag nach der Kriegserklärung zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 gedacht wird. Am Rheinufer entlang zurück Richtung Deutsches Eck erläuterte Monika Sayk die Gedenktafel zu Ehren des ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing, dessen Geburtshaus in der Nähe des Weindorfes stand. Auch zur Büste des Dichters der Befreiungskriege, Max von Schenkendorf, und zum Josef-Görres-Denkmal wusste Monika Sayk einiges zu berichten.
Monika Sayk erzählte und erklärte mit Herz, Seele und Leidenschaft, sodass es nicht schwerfiel, ihr beim Abschied für die überaus anschaulichen und kurzweiligen Informationen zu danken. Wenn es nach den Teilnehmern geht, war dies nicht der letzte historische Stadtspaziergang des FSK.
