Allgemeine Berichte | 20.03.2014

Kulturinitiative „Lehmensart“erinnert an deutsche KZ-Geschichte

Nachdenkliches in der Fastenzeit

Ernst Heimes spricht mit Edith Erbrich über ihre Erinnerungen. privat

Lehmen. Seit Jahren macht die Kultur-Initiative „Lehmensart“ von sich und ihren Kulturveranstaltungen reden. Aktuell hatte sie zu einem Abend eingeladen, welcher der Erinnerung an deutsche KZ-Geschichte galt. Ensemblemitglied des Koblenzer Stadttheaters Jona Mues eröffnete den Abend mit Gedichten aus Konzentrationslagern. Es war ein harter Einstieg, denn der Schauspieler, sprachlich markant, verschonte das Publikum im gut gefüllten Lehmener Pfarrsaal nicht mit drastischen lyrischen Bildern. In einem Gedicht der in Auschwitz ermordeten jüdischen Dichterin Ilse Weber heißt es zum Beispiel: „Er wühlt am Leib und zehrt am Gebein und gräbt sich tief in das Antlitz hinein - der Hunger, der Hunger…“ Der Koblenzer Autor Ernst Heimes trug zunächst aus seinem Schauspiel „Mirjam Ghettokind“ vor. Im Anschluss sprach er mit der in das KZ Theresienstadt deportierten Frankfurter Zeitzeugin Edith Erbrich über ihre Erinnerungen.

Als siebenjähriges Kind wurde sie zusammen mit ihrer fünf Jahre älteren Schwester Hella und ihrem Vater, Norbert Bär, in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Zuvor hatten sie gesellschaftliche Ausgrenzung und die Bombennächte im Frankfurter Ostend durchlebt. Zweimal waren sie verschüttet worden, denn die schützenden Bunker durften sie als Juden nicht betreten. Die kleine Edith wurde als jüdisches Kind nicht eingeschult, ihre Schwester musste die Schule nach der dritten Klasse verlassen.

Der Vater verlor Anstellung und Arbeit. Die katholische Mutter, Susanna Bär, wurde in Beugehaft genommen. Vergeblich versuchte die Gestapo, sie dazu zu bewegen, sich von ihrer Familie loszusagen. Nach ihrer Ankunft in Theresienstadt wurden der Vater und die Geschwister voneinander getrennt und in unterschiedliche Ghettobereiche eingewiesen. Die Siebenjährige war nun ganz auf sich allein gestellt. Ihre Erzieherinnen hat sie als lieblose, ja brutale Wächterinnen in Erinnerung. Der Hunger nagte täglich an Ihr. Edith traf auf eine alte Frau und erkannte lediglich an deren Stimme, dass es ihre Oma war, die bereits vor drei Jahren hierher verschleppt worden war. Ediths Schwester Hella wurde täglich zur Arbeit gezwungen. Sie musste unter dem Vorwand der SS, es wären Süßigkeiten mit der Eisenbahn eingetroffen, die Leichen aus ankommenden Viehwaggons herausschaffen. Edith und ihre Schwester Hella gehörten zu den rund 100 Kindern, die Theresienstadt überlebten. 15.000 ihrer Altersgenossen, die hierher verschleppt wurden, sind ermordet worden. Am 8. Mai 1945 wurde Theresienstadt von der Sowjetarmee befreit. Mit einem Leiterwagen, in dem er die Kinder hinter sich her zog, kehrte Ediths Vater in einer vierwöchigen Irrfahrt nach Frankfurt zurück. Bei Nachforschungen fand Norbert Bär später heraus, dass die 616 Frankfurter Juden aus dem Transport XII /10, dem sie angehört hatten, am 9. Mai 1945 zur Vergasung vorgesehen waren. Im April 2014 erscheint die Biographie von Edith Erbrich. Mehr über Lehmensart erfahren sie auf www.lehmensart.de.

Ernst Heimes spricht mit Edith Erbrich über ihre Erinnerungen. Foto: privat

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