Närrische Massen tragen einmal mehr den Sieg davon
50. Erstürmung der Tomburg-Kaserne
Matthias Ansperger mit dem Bürgermeister-Dreigestirn-Orden geehrt
Rheinbach. „49 mal verloren und doch so viel gewonnen!“ So stand es auf der errichteten Barrikade vor dem Kasernentor der Tomburg-Kaserne anlässlich der 50. Kasernenerstürmung in Rheinbach. Der Standortälteste, Brigadegeneral Wolfgang E. Renner, Kommandant Oberstleutnant Matthias Ansperger und Oberst Otto Jarosch, hatten persönlich die Verteidigung ihrer Kaserne übernommen. Insgeheim hatte man die Hoffnung, dass sich bei der 50. Erstürmung vielleicht das „Blättchen wendet“ und die Kaserne erfolgreich gegen die närrischen Massen verteidigt werden könnte. Bereits vor den eigentlichen „Kampfhandlungen“ gab es zur Einstimmung Live-Musik mit der Kasernenband „Gate 5“. Als der Zeitpunkt der Erstürmung der Kaserne näher rückte, begannen die Verteidiger, den Zugangsbereich einzunebeln, und man wartete auf die Angriffswelle der Rheinbacher Karnevalsvereine. Der vereinbarte Zeitpunkt verstrich, und nichts tat sich. Dies sorgte zum einen für Verunsicherung bei den Verteidigern, zum anderen aber auch für die wildesten Gerüchte, angefangen von der vergessenen Standarte bis hin zum Ausfall der Hauptangriffswaffe der Stadtsoldaten. Endlich, nach einer endlos langen Viertelstunde, ertönten die Trommeln der nun angreifenden Stadtsoldaten. Die Verteidiger bombardierten die Angreifer mit einem wahren Kamelleregen. Doch der Kommandant der Stadtsoldaten, Willi Hohn, ließ sich nicht beirren und forcierte den Angriff. Auch wenn man ihm listigerweise das Mikrofon leise gestellt hatte, behielt er den Überblick. Die Frage des Kommandanten, ob sie zur 50. Erstürmung mal die Soldaten gewinnen lassen sollten, wurde mit einem vielstimmigen „Nein“ beantwortet. Dennoch wollten sich die Soldaten der Tomburg-Kaserne nicht so einfach geschlagen geben und forderten die handwerklichen Fähigkeiten der Jecken heraus, bevor der Zutritt gewährt wurde. Die Tollitäten höchstpersönlich mussten dicke Bretter mit einer etwas stumpfen Säge durchtrennen. Die Kommandanten der Rheinbacher Karnevalsvereine mussten ihr Können unter Beweis stellen und extra starke Nägel in einen Holzblock versenken. Selbst das Kernstadt-Kinderprinzenpaar kam nicht davon. Es musste ein gespieltes Lied erkennen. „Eimol Prinz zo sin“, riefen beide nach den ersten Takten des Liedes. Nun waren die Forderungen erfüllt, und das Tor der Kaserne öffnete sich für das närrische Volk. Ausgelassen feierte man im Speisesaal der Tomburg-Kaserne die Erstürmungsparty, die von der Präsidentin des KK Blau-Weiß Rheinbach, Sigrid Wiersberg, und vom Kasernenkommandant Matthias Ansperger moderiert wurde. Die Übergabe der Tomburg-Kaserne wurde mit der Aushändigung der Kapitulationsurkunden an die Tollitäten und des Kasernen-Schlüssels besiegelt. Bevor das Programm der Karnevalsvereine mit Showtänzen und Männerballett begann, gab es noch eine handfeste Überraschung. Das Bürgermeisterdreigestirn Stefan Raetz, Claus Wehage und Kalle Kerstholt verliehen an diesem Tag den letzten der drei Bürgermeister-Dreigestirn-Orden der diesjährigen Session an den Kommandanten der Tomburg-Kaserne, Oberstleutnant Matthias Ansperger. Mit diesem aus Glas gefertigten Unikat der Glaskünstlerin Helga Feuser-Strasdas wurde Matthias Ansperger für seine besonderen Verdienste um das rheinische Brauchtum in Rheinbach geehrt. Noch bis spät in den Abend wurde im Festsaal der Tomburg-Kaserne mit der Kasernenband „Gate 5“ die After-Erstürmungsparty gefeiert.
Mit der Übergabe des Kasernenschlüssels durch Brigadegeneral Wolfgang E. Renner (1.v.li.) ist das Schicksal der Tomburg-Kaserne besiegelt.
