Staatliches Berufskolleg Glas Keramik Gestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen in Rheinbach
Nach einjähriger Bauzeit wurde der neue Gebäudekomplex offiziell eingeweiht
Im neuen Werkstattgebäude werden aktuelle pädagogische Ausbildungskonzepte unter Nutzung modernster Technik umgesetzt - Die Baukosten der Maßnahme belaufen sich auf insgesamt etwa 7,9 Millionen Euro
Rheinbach. Mit sichtbarer Freude präsentierte Schulleiter Walter Dernbach der nordrhein-westfälischen Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) die neuen Glaswerkstätten des Staatlichen Berufskollegs Rheinbach. Nach einjähriger Bauzeit wurde der neue Gebäudekomplex, der bereits seit September genutzt wird, offiziell eingeweiht.
„Wir können mit Stolz auf ein Werkstattgebäude blicken, in dem die aktuellsten pädagogischen Ausbildungskonzepte unter Nutzung modernster Technik umgesetzt werden, um unseren Auszubildenden einen optimalen Start in die Berufswelt zu ermöglichen“, so Dernbach.
„Ein Hauch von Historie weht durch diesen Tag, denn Geschichte, Gegenwart, Zukunft und ein Neuanfang sind hier an einem Platz vereint“, zeigte sich auch die Ministerin beeindruckt. Das Staatliche Berufskolleg sei eine besondere Schule im positivsten Sinne, denn hier bewahrheite sich der Ausspruch von Antoine de Saint-Exupéry: „Zukunft kann man bauen!“ Der Neubau sei auch deshalb notwendig geworden, weil eine zunehmende Komplexität der Geräte und Werkzeuge immer höhere Sicherheitsstandards nach sich zögen. Als Beispiel nannte sie die neue Ätzanlage, die dank einer leistungsfähigen Abzugsanlage und weiterer ausgeklügelter Maßnahmen ein Höchstmaß an Sicherheit garantiere, sowohl für die Schüler wie auch für die Lehrer und für alle Besucher.
Auch der Raum ist „in gewisser Weise ein Pädagoge“
Löhrmann zeigte sich aber auch überzeugt davon, dass gelungene Räumlichkeiten sowie ein gesundes und wertschätzendes Ambiente ein besseres Lernen insgesamt befördern könnten. Schule sei eben nicht nur Lehrraum, sondern auch Lebensraum und Sozialraum - „und in gewisser Weise ist hier auch der Raum ein Pädagoge.“
Schulleiter Dernbach bezeichnete seinerseits die Glasfachschule als „Haus des Lernens“, in das die Schüler auch nach dem Abschluss gerne wieder zurückkehrten. Das könne man jedes Jahr aufs Neue beim „Tag der offenen Tür“ feststellen. Die Schulgeschichte beginne 1948, als die Glasfachschule von vertriebenen sudetendeutschen Glasveredlern gegründet wurde, die damit das Glashandwerk nach Rheinbach brachten. Der erste Standort im früheren Rathaus wurde schnell zu klein, sodass 1967 die ersten drei Gebäude am heutigen Standort bezogen wurden.
Bildungsauftrag für die Schule
1999 wurde aus der Glasfachschule das Staatliche Berufskolleg des Landes NRW, was der Schule auch einen neuen Bildungsauftrag beschert habe. Die Umwandlung führte zur Einrichtung weiterer Bildungsgänge und ermöglichte neben den beruflichen Abschlüssen auch erweiterte allgemeine Abschlüsse, von der Fachhochschulreife bis hin zum Abitur. Deshalb musste die Schule damals auch um vier weitere Gebäude ergänzt werden. Nachdem 2004 die Glasberufe neu geordnet worden waren, hätten sich nicht nur die Berufsbezeichnungen geändert, sondern auch die Ausbildungsinhalte, so Dernbach. Dies und die erhöhten Anforderungen an Arbeitssicherheit und Brandschutz erforderten ein neues Konzept für die praktische Ausbildung, und in der Folge auch den Neubau der Werkstätten.
„Unser neues Haus genügt nun allen Sicherheit- und Brandschutzvorschriften und ist darüber hinaus ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit, sowohl energietechnisch als auch in Bezug auf die verarbeiteten Materialien.“
Berufskolleg der besseren Art
Landrat Frithjof Kühn zeigte sich ebenfalls „stolz, dass wir in Rheinbach ein Berufskolleg der besseren Art haben.“ Und mit dem Land als Träger sei die Glasfachschule auch noch eine besonders preisgünstige Einrichtung für den Rhein-Sieg-Kreis.
Kühn erinnerte daran, dass es gerade die Duale Berufsausbildung sei, die Deutschland innerhalb Europas besonders auszeichne. „Das müsste eigentlich ein richtiger Exportschlager werden“, fand er und lobte die hervorragende Ausbildungsqualität dank der Zusammenarbeit zwischen den Betrieben und den Kollegs.
„Wer hätte vor 66 Jahren gedacht, dass man sich heute in so einem Rahmen trifft“, erinnerte Raetz aber auch daran, dass die Gründung der Glasfachschule im Jahr 1948 ein enormer Beitrag zur Integration gewesen sei. „Damals wurden hier Fremde in einer sehr schwierigen Zeit aufgenommen - und heute können wir stolz sein, dass wir diesen Weg gegangen sind.“ Er sah im Berufskolleg das „Tor in das Berufsleben“, hier bekomme der Nachwuchs den notwendigen Feinschliff, um später bestehen zu können. Die Glasfachschule sei immer das kreative Glaszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen geblieben und mache letztlich auch den Ruf Rheinbachs als „Stadt des Glases“ aus. Und mit der gegenseitigen Befruchtung aller Disziplinen würden Dinge geschaffen, die man sich sonst nicht hätte vorstellen können.
Preisgekröntes Architekturensemble vervollständigt
Der Neubau der Glaswerkstätten an Staatliche Berufskolleg Glas Keramik Gestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen in Rheinbach vervollständigt ein Architekturensemble, das bereits 2001 für die hervorragende Verbindung von Ökologie und modernste Ausbildung von der OECD in Paris ausgezeichnet wurde. Das neue Gebäude hat rund 1400 Quadratmeter Nutzfläche auf zwei Vollgeschossen und wurde nach Plänen des Architekturbüros Görres (Königswinter) errichtet. Die Baukosten der Maßnahme in moderner Betonfertigbauweise belaufen sich auf insgesamt etwa 7,9 Millionen Euro. Neben mehreren neuen Werkstätten sind darin auch Büros, Besprechungsräume und sanitäre Anlagen entstanden. Von der neuen Ätzanlage auf bundesweit einmaligem Niveau und höchster Sicherheit bis zum Brennraum mit computergesteuerten Öfen, Absauganlagen und Leuchttischen entspreche alles den modernsten Sicherheitsstandards.
In hellen und hochmodernen Werkstätten bietet die Glasfachschule beste Voraussetzungen für die Ausbildung zum Glaser in den Fachrichtungen Verglasung und Glasbau sowie zum Glasveredler in den drei Fachrichtungen Kanten- und Flächenveredler, Schliff/Gravur und Glasmalerei. Der 1967 gegründete Gebäudekomplex des Berufskollegs besteht insgesamt aus acht Bauteilen mit einer Bruttogeschossfläche von 12.300 Quadratmetern auf einem etwa 25.000 Quadratmeter großen Grundstück.
Schulleiter Walter Dernbach zeigte der Ministerin sowie Landrat Frithjof Kühn und Bürgermeister Stefan Raetz bei einem Rundgang die neuen Räumlichkeiten.
