Der Künstler Günther Lawrenz aus Bad Bodendorf wurde 80 Jahre alt
„Am liebsten war mir das Puppenspiel und mit Kindern zu arbeiten“
Bad Bodendorf. Günther Lawrenz, der allen im Wohnort Bad Bodendorf, im Kreis Ahrweiler und weit darüber hinaus bekannte Puppenspieler ist 80 Jahre alt geworden. Mit Wegbegleitern und Freunden beging er sein Wiegenfest. Schaut er in sein bewegtes arbeitsreiches Leben zurück, dann geraten Puppen, Malerei und Grafik, vor allem aber das Puppenspiel in den Blick. Mit feinem Humor weiß er von den vielen Stationen zu erzählen, von denkwürdigen Begegnungen und wechselnden Beschäftigungen. Mit unangenehmen Erlebnissen, die es in jedem Leben gibt, hält er sich nicht auf – vielleicht sein Geheimnis, ein durchweg zufriedener Mensch zu sein. Das Farbige, Spannende aber gibt er aufmerksamen Ohren gerne zum Lauschen.
Mit 14 riss er aus
Der am 16. Mai 1935 in Hamburg geborene Günther Lawrenz steuerte seinen Werdegang früh selbständig. Mit 14 riss er aus, trampte nach Bremen, arbeitete als Requisiteur des Zirkus Paula Busch. Denn seine Eltern – die Mutter hatte früher eine Anstellung als Kaltmamsell des Grafen von der Schulenburg, der Vater betrieb zwei Taxis, die der Sohn übernehmen sollte – hatten kein Verständnis für die musische Begabung ihres Filius. Nach der Saison sprang er ins Hotelfach und wechselte zum Zirkus Sarassani. 17-, 18-jährig lernte er an der Akademie für Musik und Theater in Hannover Dramaturgie, Ballett und Ausdruckstanz bei der bekannten Tänzerin Yvonne Georgi. Wegweisend sollte sein, dass er zeitgleich zum Schauspiel-Engagement am Altonaer Theater in Hamburg Kurse bei den „Hohensteiner Puppenspielen“ unter der Leitung von Max Jacob nahm. Denn bereits der Achtjährige wusste, als er vom Vater Puppen geschenkt bekam: „Ich will Puppenspieler werden“. Ob es an der Qualität der Figuren lag? Die jedenfalls hatte Harro Siegel gefertigt, dessen Kreationen sich heute in Museen befinden. Um auch das Schattenspiel zu beherrschen, ging Lawrenz mit Anfang 20 nach Bali und Java in Indonesien. In Java arbeitete er außerdem auf einer Teeplantage. „Das bot mir ein englischer Oberst an, den ich am Strand getroffen hatte.“
Als Puppenspieler auf Tournee
Zurück in Deutschland trat er als Puppenspieler auf, ging mit Puppenbau und seinen „Pollys Puppenspielen“ auch auf Tourneen nach England, Italien und Österreich. Der Malerei und Graphik wandte sich der vielseitig Kreative im Alter von 30 zu. Nach Studien wurde er ein erfolgreicher Kinderbuchillustrator, schuf aufwendige Aquatinten für „Pan Tau“, lavierte Tuschezeichnungen für „Es spukt in Deutschland“ und bebilderte etwa Till Eulenspiegel, Südseemärchen, griechische Inseln und russische Märchen. Die Bildwirkung seiner Linolschnitte etwa der Apostel, erinnert übrigens an Otto Pankok. 1989 kam Lawrenz mit seiner inzwischen verstorbenen Frau, die er lange pflegte, vom Niederrhein nach Bad Bodendorf und übernahm 1992 von Martha Apostol die Remagener Puppenspiele. Zwölf Jahre führte er im Rahmen der „Mobilen Arbeit mit Kindern im ländlichen Raum“ des Evangelischen Jugendreferats Koblenz mit Uwe Moschkau Theaterwerkstätten durch. Da wurden, auch vielerorts im Kreis Ahrweiler, Figuren gebaut, Schwarzlichttheater und Schattenspiel eingeübt. Was in gut 60 Jahren Schaffenszeit alles zum Repertoire des Künstlers gehörte, der auch für Erwachsene Puppentheater und Puppenkabarett bot, immer noch malt und Märchen mit Hund „Flocki“ erzählt, ist kaum aufzuzählen. „Am liebsten war mir das Puppenspiel und mit Kindern zu arbeiten“, räsoniert der große ernst-verschmitzte Mann.
Puppen-Ausstellung vom 26. Mai bis 28. Juni
Als „Dankeschön für seine Zeit“ widmet Jürgen Schwarzmann ihm zum 80. Geburtstag eine Puppen-Ausstellung. Sie wird innerhalb der Jugendkulturtage vom 26. Mai bis 28. Juni im Adenauer Rathaus gezeigt. An Material dürfte es dem Jugendpfleger der VG Adenau nicht mangeln, da er 250 Hand- und Stabpuppen sowie Günther Lawrenz‘ Bühne verwaltet.
