13. Bücherherbst auf dem Sinziger Kirchplatz
Besucher und Händler sorgten für Rekorde
Sinzig. Das Kulturgut Buch stand im Mittelpunkt der 13. Auflage des Sinziger Bücherherbstes. Und am Tag der Deutschen Einheit sorgen auf dem Sinziger Kirchplatz die Händler und die Leseratten für Rekorde.
„Weit über 100 Stände, das hatten wir noch nie“, freute sich Initiator Benno Schneider von der am Kirchplatz angesiedelten „Lesezeit“. Und das schöne Spätsommerwetter sorgte auch für Besucherrekorde. Beim größten Bücherflohmarkt der Region bewegten sich Menschenmassen wie sonst nur bei der Sinziger Kirmes.
Waren in den Vorjahren meist die Kunden mit starker Affinität zum Buch bei diesem „Bücherflohmarkt mit Kultur“ meist unter sich, so zeigte die 13. Auflage, dass die Kulturveranstaltung auch das Potenzial zu einem richtig großen Event hat.
Für die typischen Bücherherbstkunden ist es an der Zeit, Vorräte für lange Winterabende anzulegen. Mit großen Körben auf faltbaren Einkaufswagen war erneut ein älteres Ehepaar unterwegs. Die Mission lautete: Reichlich Lesevorräte für die Ferienwohnung im Süden anzulegen.
Der frühe Morgen am Tag der Deutschen Einheit ist auf dem Sinziger Kirchplatz die Zeit der Schnäppchenjäger und Sammler. Da werden Wunschzettel und Einkaufslisten penibel mit dem Angebot abgeglichen. Der Nachmittag ist denn eher die Zeit für Lesungen und Kultur und viele entspannte Gesprächen rund um das Buch. Man kennt sich oft, weiß aber immer, dass man unter Gleichgesinnten, eben unter Bücherfreunden ist. Mittlerweile hat sich die Attraktivität des Sinziger Bücherherbstes bis nach Bonn und Koblenz herumgesprochen. Dies gilt sowohl für die Händler als auch für die Besucher. Und der Bücherherbst lockte vor allem in diesem Jahr auch mehr und mehr Besucher, die nicht unbedingt zur klassischen Klientel zählen. Da wird auch schon einmal ein einsamer Bildband oder Reiseführer als Gesamtbeute davongetragen. Die typische Leseratte schleift vollbepackte Rucksäcke und Packtaschen. Die Stadt Sinzig und das Stadtmarketing hatten in Zusammenarbeit mit Benno Schneider von der „lesezeit“ und seinem starken Helferteam das Geschehen rund ums Buch auf die Beine gestellt.Dicht umlagert von kleinen wie großen Besuchern war die Vorstellung von Zauberer „Bagatelli“ Der fesselte Jung und Alt mit einer ganz speziellen Form der Zauberei. Denn beim ihm dreht sich alles um Buchstaben, Bücher und Storys. Vor gut 30 Jahren hat Bagatelli das Zaubern fast nur aus Büchern erlernt, und genau das erfahren auch seine jungen Zuschauer. Bücher sind deshalb elementar in die nachvollziehbaren Kunststücke eingebunden - das Lesen kommt dementsprechend gut weg. Aber auch der gute Zweck erhielt in zweierlei Hinsicht Raum und Aufmerksamkeit. Einmal lud Benno Schneider in der lesezeit zum „Puzzle für Pundo“ ein: Gegen eine 50-Cent-Spende durften geduldige Puzzler den richtigen Platz für ihr Puzzleteil im Bild des Sinziger Kirchplatz-Puzzles aus dem Ravensburger Verlag suchen. Der Reinerlös floss der Initiative des Bike-In-Teams Sinzig zu, das sich ehrenamtlich für Grundbedürfnisse von Kindern in Pundo/Kenia einsetzt. Das Bike-In-Team startete bereits am Vorabend einen 24-Stunden-Spendenlauf, zu dem jeder eingeladen war und der am 3. Oktober um 18 Uhr ebenfalls auf dem Kirchplatz endete. „Wir hatten weit über 100 Läufer, vor allem viele Schüler und Jugendliche haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt“, zog Laufinitiator Frank Klotz am frühen Sonntag ebenfalls eine rekordverdächtige Zwischenbilanz. Der Bücherherbst entpuppte sich einmal mehr als Erlebnistag rund um das Buch. Und das Potenzial der Veranstaltung ist längst noch nicht ausgereizt. Gleich geblieben ist aber weiterhin eines, nämlich das Motto: „Jeder kann mitmachen.“ Das führt dazu, dass Familien ihre Speicher entrümpeln, Vielleser ihre „abgearbeiteten Bücher“ anbieten und das Frauenhaus, erstmals der Lions Club und andere Institutionen mit ihren Bücherstädten vertreten sind.
Marktpreise
Je nach Zustand und Erscheinungsjahr kostet ein „normales Taschenbuch“ auf dem Bücherherbst zwischen 50 Cent und 2 Euro. Da wird eigentlich wenig gefeilscht und gehandelt. Anders sieht das aus, wenn die Ware stapelweise über die Tische geht. Um den Komplettpreis wird dann hart gerungen. Dies gilt auch für gebundene Ausgaben oder Bücher mit antiquarischem Wert. Bei seltenen oder gar im normalen Handel ausverkauften Bildbänden geht es auch schon einmal um 20 Euro. Smartphone oder Tablet werden dann gezückt, um die Preise in den einschlägigen Internetantiquariaten zu vergleichen. Allgemein gilt: Sortierte Ware ist teurer, das Buch vom „Grabbeltisch“ deutlich preiswerter.
