Malerin Christa Nelles eröffnet ihr neues Atelier im Zehnthof
Der Weinfarbenkunstprozess hält sie im Bann
Der Wein, sein Wachsen und Werden samt Kellergeschichte, fließt in Nelles‘ Malerei ein.
Sinzig. Weinfarben sind der rote Faden in der Kunst von Christa Nelles. Sie verfolgt ihn seit 2006, als sie anfing, mit Wein auf Papier und Weinfilter zu malen. Befeuert von der Frage, was ist Wein, was macht Wein so besonders seit Jahrtausenden, in so vielen Kulturen, stieß sie ihren „Weinfarbenkunstprozess“ an. Die in Bad Bodendorf lebende Malerin kam 1989 durch das Heimersheimer Weingut ihres Mannes Thomas Nelles mit dem Thema in Berührung. Und viele Jahre, von 1992 bis 2009, war sie im Betrieb für Werbung, Gestaltung und Entwicklungsförderung verantwortlich.
Ort der Ruhe und des Friedens
Auf der Suche nach einem Ort, wo sie in Ruhe malen und interessierte Besucher mit ihren Arbeiten vertraut machen kann, fiel ihre Wahl auf den Zehnthof. Es erfüllt sie mit Freude, dort im Barockgebäude Räume für ihr Atelier „Vinorello“ gefunden zu haben. Nicht nur der Helligkeit wegen, der große Fenster Einlass gewähren. „Die ganze Architektur, die Lage am Rosengarten, das ist in jeder Jahreszeit zauberhaft“, sagt Christa Nelles und empfindet, „hier werden Ruhe und Frieden, Schönheit und Harmonie erlebbar.“
Angenehm temperiert werden die beiden Atelierräume und der Flur, wie die Gäste jüngst bei der Eröffnung feststellen konnten, nun durch das in Rot schwelgende Bildkolorit der Künstlerin. Rot rinnt in Bahnen unterschiedlicher Breite formatabwärts, lagert waagerecht in verschwommenem Passagen, tritt als farbintensives Gewölk auf, bildet einen beinah flächendeckenden Farbfond oder aber es formiert sich als neblig-zartes Quadrat in der Mitte eines Bildes. Mit hinein spielen ausgespartes Weiß, Tupfen, Linien und Kreise in Gold, zudem das Grau von Rebholzasche sowie Weinfarben, die man ohne Erklärung schwerlich als solche identifizieren würde. „Das Gelb gibt unser 30 Jahre alter Grauburgunder her. Und das kräftige Grün stammt von Grünem Veltiner, eine Sorte aus Österreich“, erläutert die Malerin.
Wachsen und Werden des Weins
Der Wein, sein Wachsen und Werden samt Kellergeschichte, fließt also in Nelles‘ Malerei ein. Wenn sie als Malgründe benutzte Weinfilter einsetzt, dann summieren sich zusätzlich die vom Wein getrennten Trübstoffe und Hefen hinzu. Es sind Zutaten mit Vergangenheit, welche Nelles vornehmlich mit der Wärme zahlreicher Rottöne wie Rubin-, Himbeer-, Kirsch- oder Purpurrot paart. Ausnahmslos entspringen sie Rotweinen. Malte die Künstlerin anfangs mit purem Wein, so stieß sie später auf lichtfeste Weintinte und blieb dabei.
Dessen ungeachtet bleibt Nelles‘ Malerei im Fluss. Sie experimentiert gerne, hat zum Beispiel schon Weinfilter über Nacht in den Frost gelegt. „Morgens hat das Eis die Weinfarben regelrecht aufgesogen. Die leuchteten wie flüssige Lava, Feuer, Glut, es war faszinierend!“, erzählt sie voller Begeisterung. Im neuen Arbeitsdomizil ist eine dieser „Eisarbeiten“ im Flur zu bestaunen. Da treiben amorphe rosa Formen ihr wogendes Spiel und bringen sich quicklebendig in den Weinfarbenkunstprozess ein. Von ihm wird sich die Malerin weiter führen lassen und an ihm wird sie andere Menschen teilhaben lassen. Zum Beispiel im April bei ihrer nächsten Ausstellung auf der Intervitis Interfructa in Stuttgart und natürlich in ihrem Sinziger Atelier „Vinorello“, Zehnthofstraße 2. Über Christa Nelles kann man sich auch unter der Internetadresse www.vinorello.com informieren.
