Allgemeine Berichte | 28.05.2014

Sinziger Turmgespräche

Die Burg Rolandseck

Professor Kurt Roessler bot neue Einsichten in altes Mauerwerk

Die Burg Rolandseck

Sinzig. „Neueste Erkenntnisse zur Burg Rolandseck“ – darum ging es in zwei Teilen und einer das Thema beflügelnden Pause beim „Turmgespräch im Schloss“ des Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig. Referent Professor Kurt Roessler, kulturgeschichtlich interessierter Chemiker, begann mit seinen Beobachtungen an den alten Burgmauern.

Romanische und gotische Mauern

Neue Einblicke eröffnete Ende 2010 die Freilegung des Rolandsbogens und vieler Mauerteile der Ruine vom Efeu. Ihnen folgend, erstellte Roessler, der seit den 1980ern die rheinische Literatur der Dichter Ferdinand Freiligrath und Guillaumes Apollinaire erforscht und sich intensiv mit dem Rolandsbogen beschäftigt, auch einen Plan von der einstigen kurkölnischen Burg, die durch ein Mauerdreieck eingegrenzt wird. Aus Größe und Abfolge der Basaltsteine im Mauerwerk schloss er im Südosten auf romanische Mauern (nach 1122) aus der ersten und im Nordosten auf gotische Mauern (um 1304) aus der zweiten Bauphase. Sie setzte ein, als es nach dem Abriss der ersten Anlage – ihre Nähe zum Reichsbesitz missfiel den deutschen Königen – zum Wiederaufbau kam. 1610 wurde die Burg aufgelassen. Doch lockte sie Diebesgesindel an, weshalb man sie zuletzt zum Abriss freigab: Äbtissin Sybille Bielefeld von Nonnenwerth hatte Verwendung für die Steine. So steckt ein Teil der Burg als Hochwasserschutz an der Südspitze der Insel, die ebenfalls zu Kurköln gehörte. 1673 schrieb ein Erdbeben die Zerstörung fort, verschonte aber, welch Glück für die Rheinromantik, den weithin sichtbaren Rolandsbogen.

Sanierung geplant

Bis heute gibt es keinen Stillstand dort oben. Gemeinsam mit der Denkmalpflege und Jörg Haas, dem Besitzer des Restaurants am Rolandsbogen, plant Roessler etwa die Sanierung der Mauern und des Bereichs der Vorburg sowie den Wiederaufbau des Aussichtspavillons, genannt „Tempelchen“. Verbunden mit dem Ort ist er auch durch den „Literarischen Weinberg“, den er seit 1990 bewirtschaftet und dessen trockenen Riesling der freigiebige Winzer in der Pause einschenkte.

Mit dem Berg „auf der Zunge“ erschloss sich die Landschaft im zweiten Vortragsteil umso eindringlicher. Zuvor hatte Roessler die Historie erläutert und zugleich in faszinierenden Ansichten, Druckgrafik, Gemälden, Zeichnungen deutlich gemacht, wie sehr die Elemente Rhein, spannendes Uferprofil und Insel die Maler unter den Reisenden in den Bann zogen. Die Rolandsecker Flusspartie mit Nonnenwerth und dem Kloster sowie der in steiler Höhe situierten Rolandsburg oder dem späteren prägnanten Überrest, dem Rolandsbogen, zählte über Jahrhunderte zu den Lieblingsmotiven. Einen Aufschrei gab es, als der Bogen an Silvester 1839 einstürzte. Der in Unkel lebende Dichter Ferdinand Freiligrath rief deutschlandweit zur Rettung auf. Mittels Spenden wurde das Bauwerk vom Kölner Dombaumeister Ernst Zwirner wieder errichtet, um, berühmter denn je, den Berg zu krönen.

Den Malern die Burg, den Dichtern die Sage

Während die Maler Herz und Pinsel an Burg und Bogen hängten, kreiste die literarische Beschäftigung nach 1700 um jene Sage, in der Hildegund vom Drachenfels, fehlinformiert über des Verlobten Rolands Tod, ins Kloster Nonnenwerth eintritt, sodass die Liebenden nach Rolands Rückkehr nicht zusammen sein können. „Eine erbauliche Geschichte im Sinne der Literatur als moralische Anstalt“, urteilte Roessler. Er erklärte: „Das Kloster hat keine Erinnerung an Hildegund in seinen Todeslisten“. Dessen ungeachtet zog Freiligraths Rolands-Album (1840) eine Flut von Dichtung und Prosa zu Rolandseck bis ins 20. Jahrhundert nach sich, die sich bis 1870 nur mit der Sage befasste und dann anderen Themen zuwandte. Bestens informiert, zeichnete Professor Roessler mit der Geschichte der Burg und ihrem starken Niederschlag in Literatur und Bildender Kunst, mal ernst, mal heiter, ein unverwechselbares Stück „Lyrische Landschaft Mittelrhein“. Dafür erntete er kräftigen Applaus und Dank, den der Vorsitzende Karl-Friedrich Amendt im Namen des Denkmalvereins aussprach.

Professor Dr. Kurt Roessler während seinem Vortrag im Schloss.

Der Referent schenkte den Zuhörern in der Pause Riesling vom Rolandsbogen ein und signierte seine Schriften zum Thema. Fotos: HG

Die Burg Rolandseck

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Daniela Jacobs: Auch Fußgänger ????? sollten beachtet werden!Wenn jeder nur ein bisschen, wäre vieles einfacher!
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Monatliche Anzeige
Holz Loth-Entsorgung
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht 2026
Schulze Klima -Image
Maschinenbediener, Staplerfahrer
First Friday Anzeige März
Stellenanzeige Personalreferent/in
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Empfohlene Artikel
18

Sinzig. Am Dienstag, 14. April, führt die Rhein-Ahr-AöR Arbeiten an der Wasserversorgung in Sinzig-Westum durch. Zur Sicherheit der Arbeiter muss dazu ein Mittelspannungskabel der Energienetze Mittelrhein (enm) zeitweise abgeschaltet werden. Daher wird voraussichtlich zwischen 8 und 9 Uhr sowie zwischen etwa 15 und 16 Uhr kein Strom zur Verfügung stehen. Betroffen von der Abschaltung sind Sinzig-Westum...

Weiterlesen

Die Erwachsenengruppe ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.  Foto: privat
24

Remagen. Die Magic Dancers Remagen sind ein traditionsreicher Verein mit Herz, Leidenschaft und einer besonderen Geschichte. Gegründet im Jahr 1993, gingen sie ursprünglich aus einer Aerobic-Gruppe hervor. Über die Jahre entwickelten sie sich stetig weiter und sind seit 2025 als eigenständiger Verein organisiert. Heute stehen die Magic Dancers für Gemeinschaft, Kreativität und tänzerische Vielfalt – und das generationenübergreifend.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: pixabay.com
52

Remagen. Im Zeitraum vom 13.04.2026 bis zum 19.04.2026 sind in Remagen Geschwindigkeitskontrollen an mehreren Stellen vorgesehen. Im Stadtgebiet von Remagen selbst wird unter anderem am Güterbahnhof, in der Marktstraße, der Bergstraße sowie in der Alten Straße kontrolliert. Auch in den Ortsteilen sind entsprechende Maßnahmen geplant: In Kripp betreffen die Kontrollen die Mittelstraße, den Baumschulenweg...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
362

Aufgrund von Wartungsarbeiten muss´die Stromversorgung zeitweise eingestellt werden

Kein Strom in Sinzig-Westum und Löhndorf

Sinzig. Am Dienstag, 14. April, führt die Rhein-Ahr-AöR Arbeiten an der Wasserversorgung in Sinzig-Westum durch. Zur Sicherheit der Arbeiter muss dazu ein Mittelspannungskabel der Energienetze Mittelrhein (enm) zeitweise abgeschaltet werden.

Weiterlesen

Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel.  Foto:privat
15

Allgemeine Berichte

EIN-Spruch: Fest(e) der Befreiung

Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
423

Leserbrief zu „HeimatCheck: Bad Neuenahr: Zu viele unangeleinte Hunde im Stadtgebiet?“

Leserbrief: „Das ist keine Tierliebe, das ist Egoismus!“

Ich bin fast 75 Jahre alt. Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich Hunde. Zwei dieser Hunde wurden von unangeleinten Hunden angefallen, und so schwer verletzt, dass sie nur durch hohe tierärztliche Kunst gerettet werden konnten. Beide hatten ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Anlagenmechaniker
Tag der offenen Tür
Kreishandwerkerschaft
SB Standesamt
Stellenanzeige mehrere Stellen
Stellenanzeige
Anzeige KW 14
Dauerauftrag 2026
Ostergrußanzeige
Titelanzeige