Allgemeine Berichte | 01.03.2015

 Eine Familiengeschichte aus der Kreisstadt

Einfach mal wieder in den Zoo fahren...

Yasemin Tuncer aus Ahrweiler hat einen Wunsch: Sie leidet an der unheilbaren Krankheit Mucopolysaccharidose und würde gerne wieder am sozialen Leben teilnehmen

Einfach mal wieder in den Zoo fahren...

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Klar und hell ist dieser Samstagvormittag in der Kreisstadt. Kühl ist es zwar, doch die Sonnenstrahlen haben schon etwas Energie und kündigen den Frühling an. Eigentlich der ideale Tag für einen Ausflug mit der Familie. Nesrin Tuncer, Mutter von drei Kindern, braucht über Unterfangen wie Zoobesuche gar nicht erst nachdenken. Ihre älteste Tochter Yasemin (19) leidet an der unheilbaren Krankheit Mucopolysaccharidose Typ 3b, kurz MPS. Sie ist schwerbehindert und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Ebenfalls benötigt sie ständige Betreuung: Yasemin ist nicht in der Lage selbständig zu essen und trinken, auch muss sie gewickelt werden. Für Nesrin Tuncer sind das selbstverständliche Aufgaben und das sollte sie eigentlich nicht von Familienausflügen abhalten. Doch seit 2013 sind die Tuncers noch mehr in ihrer Mobilität eingeschränkt als ohnehin. Damals besaß die vierköpfige Familie ein großes, behindertengerechtes Auto. Durch einen irreparablen Motorschaden hatte das Fahrzeug nur noch Schrottwert. Mit dem Erlös aus dem Verkauf, eintausend Euro, war nur ein Gebrauchtwagen im Budget. Und das kleine Auto ist für Rollstühle absolut ungeeignet.

Eine niederschmetternde Diagnose

Yasemin ist Nesrin Tuncers erstes Kind. Als Nesrin schwanger war, dachte sie unmöglich daran, dass ihre Tochter behindert sein könnte. Die junge Mutter war erst 21 Jahre alt und an eine Frühdiagnose im Mutterleib dachte niemand. Doch selbst wenn: Die Medizin war und ist nicht soweit, die seltene und tückische Krankheit MPS pränatal zu identifizieren. Stattdessen schlich sich die Krankheit geradezu an Yasemin heran. „Sie war immer ein auffälliges Kind. Aber auch sehr aufgeweckt und fröhlich“, erinnert sich Nesrin an die Zeit als Yasemin ein Kleinkind war. So verlief ihre Entwicklung zunächst normal und erlernte Sprechen und Laufen. Und verlernte es schließlich wieder. Als die Diagnose MPS kam, Yasemin war gerade vier Jahre alt, war das für die Familie ein Schock. Nesrin Tuncer war bereit für ihre kranke Tochter und ihre Zukunft zu kämpfen, doch Yasemins Vater war es nicht. Überfordert von der Krankheit des Kindes behandelte er Yasemin schlecht und nicht wie es eines Vaters gebührt. Für die türkischstämmige Nesrin gab es nur die Möglichkeit der Scheidung, welches im muslimischen Familienkreis für großenAufruhr sorgte. Aber dies sollte für Nesrin die einzig vernünftige Lösung darstellen. Und so musste der Ex-Mann die junge Familie verlassen, liess Nesrin und Yasemin in ihrer Not zurück und ging zurück in die Türkei. Nach einigen Jahren bekam Yasemin zwei kleine Geschwister, Benjamin (10) und die heute sechsjährige Hanna. Doch auch die Beziehung mit dem neuen Lebensgefährten und Vater der beiden Kinder ging in die Brüche und so steht Nesrin heute als alleinerziehende Mutter dreier Kinder da. Das ist wahrhaftig eine schwierige Situation, doch die vier Tuncers lassen keinerlei Verzweiflung zu und stehen zusammen wie Pech und Schwefel. Eine besondere Beziehung zu Yasemin hat ihr kleiner Bruder Benjamin. Wie auf Knopfdruck bringt der Zehnjährige seine große Schwester zum Lachen, macht Faxen mit ihr und Yasemin strahlt über beide Ohren. Ein herzergreifendes Bild, das den scheinbar abwesendem Eindruck Yasemins widerspricht. „Sie bekommt vieles von ihrer Umwelt mit“, weiß Nesrin. „Landschaften, Fernsehen und die Leute um sie herum.“ Yasemin geniesst es scheinbar einfach, unterwegs zu sein.

Probleme und Aussichten

Im Verlaufe der Zeit arrangierte sich die Familie mit ihrem Schicksal, doch die Zeit brachte neue Probleme. Yasemin besucht noch die Levana-Schule, welche gar nicht soweit von der kleinen Erdgeschosswohnung der Tuncers entfernt liegt. Hier profitiert sie insbesondere von ergotherapeutischen Maßnahmen. Yasemin übt hier motorische Fähigkeiten wie zum Beispiel das Ballen der Faust, was angesichts der extrem eingeschränkten Bewegungsfähigkeit eine enorme Herausforderung darstellt.

„Das hilft dabei, bereits erlernte Fähigkeiten nicht zu vergessen“, erklärt Nesrin Tuncer die Möglichkeiten an der Levana-Schule. Das wird bald der Vergangenheit angehören, denn Yasemin ist bereits 19 Jahre alt und keine Schülerin mehr. Stattdessen wird sie in Sinzig in einer Tagesstätte der Caritas einen Platz finden. Für die dortigen Werkstätten ist Yasemin, unfähig zu sprechen und greifen, leider aufgrund der Schwere ihrer Behinderung ungeeignet. Die Mitfahrt nach Sinzig wird zwar von der Caritas übernommen, aber das Grundproblem der Mobilität bleibt. Notwendige Arztbesuche muss die Familie natürlich selber bewältigen. Aber Nesrin hat ein großräumig Fahrzeug gefunden, welches 24000 Euro kosten soll. Das Modell, ein Minivan, gilt als das günstigste Fahrzeug in dieser Größenklasse. Mit diesem könnte Yasemin nicht nur zu medizinischen Einrichtungen kommen, sondern auch und eine Teilnahme am sozialen Leben wären wieder möglich. Die Schwierigkeit, die sich stellt ist offenkundig: Es fehlt an allen Ecken und Enden Geld. Als Mutter dreier Kinder ist Nesrin Tuncer dauerbeschäftigt und kann somit ihrem erlernten Beruf als Zahnarzthelferin nicht nachgehen. Eine Situation, die Nesrin belastet. Sie wäre gerne ein vollwertiges, berufstätiges Mitglied der Gesellschaft und strebt deshalb ein Praktikum bei einem Zahnarzt an um wieder mit ihrem alten Job „warm“ zu werden. Dieses Ziel ist jedoch noch in in weiter Ferne und somit lebt die Ahrweiler Familie zur Zeit von den gängigen staatlichen Sozialleistungen. Unterhaltszahlungen sind von Nesrins Ex-Mann nicht zu erwarten. Ungreifbar für deutsche Behörden in der Türkei lebend, würde er erst zur Kasse gebeten, wenn er nach Deutschland einreisen würde. Und dies wird Yasemins Vater wohl tunlichst vermeiden.

Auch ein Kredit ist für Nesrin als alleinerziehende Mutter nicht im Bereich des Möglichen. Auf der Suche nach anderen Formen der Hilfe sind die Tuncers auf den Verein „Mobil mit Behinderung e.V.“ (kurz: MMB) mit Sitz in Jockgrim bei Karlsruhe aufmerksam geworden.Dieser setzt sich, wie der Name schon sagt, dafür ein, behinderten Menschen ein mobiles Leben zu ermöglichen und dieses somit schlicht lebenswerter zu gestalten. Der Verein unterstützt die Hilfesuchenden mit Rollatoren, Rollstühlen oder eben Fahrzeugen. Auch der Hospizverein Koblenz steht der Familie Tuncer beratend zur Seite.

Der MMB hat für die Familie ein Spendenkonto eingerichtet auf dem sowohl Verein als auch die Familie selbst Spenden sammelt, um das Projekt des neuen Fahrzeuges zu realisieren. Bis zum Erreichen der Summe von 24000 Euro ist der Weg zwar noch sehr weit, jedoch gibt es schon einen Lichtblick für die Zeit danach: Mit dem Landkreis Ahrweiler ist bereits Kontakt aufgenommen worden und man verhandelt über Unterstützung, beispielsweise in Form eines behindertengerechten Umbau des Autos, sobald dieses angeschafft ist.

Hilfe für Yasemin

Ein neues Fortbewegungsmittel für Yasemins Familie ist unerlässlich um Mobilität zurückzugewinnen. Da die finanziellen Mittel kaum aus der eigenen Tasche der Tuncers zu finanzieren sind, freut sich die Familie über Spenden. Hierzu hat der MBB ein Spendenkonto beim Bund für Sozialwirtschaft eingerichtet. Der Verein Mobil mit Behinderung verwaltet das Geld und gewährleistet, dass die Mittel bei Familie Tuncer auch ankommenn und ausschließlich zum Kauf eines Automobils verwendet wird.

Konto:Mobil mit Behinderung e.V.

BIC: BFSWDE33KRL

IBAN: DE41 6602 0500 0008 7113 00

Kennwort Yasmin

Fragen zu dem Projekt beantwortet Nesrin Tuncer gerne per E-Mail: htuncer@web.de

ROB

Einfach mal wieder in den Zoo fahren...
Einfach mal wieder in den Zoo fahren...

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
Imageanzeige
Image Anzeige
Titelanzeige KW 15
Doppelseite PR/Anzeigen
Stellenanzeige mehrere Stellen
Wohnträume
Koblenzer Kneipengeschichten
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Empfohlene Artikel
Copyright: Museum of Humanity
40

Kreis Ahrweiler. In wenigen Monaten jährt sich die Flutkatastrophe im Ahrtal bereits zum fünften Mal. Seitdem hat sich vieles verändert und der Wiederaufbau ist zu einem sichtbaren Symbol für die Kraft und das Durchhaltevermögen der Menschen in der Region geworden. Der Kreis plant zusammen mit der niederländischen Organisation „Museum of Humanity“ eine Freiluftausstellung, um diese Stärke zu zeigen und erfahrbar zu machen.

Weiterlesen

Buch-Tipp: 111 Orte im Ahrtal die man gesehen haben muss
21

Ahrtal. Wo sollten Halbnackte den Ahrtaler Untergrund erkunden? Wo trafen Panzerpioniere auf die Mutter Gottes? Und wo gibt es nachts noch leckere Rotwein-Wurst? Das Ahrtal bietet spannende Geschichten, kuriose Typen, jede Menge Natur und viel Kulinarik. In dem Buch „111 Orte im Ahrtal die man gesehen haben muss“ können die Leserinnen und Leser das Tal von einer ganz neuen Seite kennen lernen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.  Foto: pixabay.com
14

Allgemeine Berichte

BLICK aktuell sucht HeimatHelden!

Region. Auch in unserer Region gibt es sie: die stillen Stars des Alltags. Menschen, die anpacken, helfen, Verantwortung übernehmen oder einfach für andere da sind. Ob Feuerwehrmann, engagierte Ortsbürgermeisterin, unermüdliche Nachbarschaftshelfer oder die gute Seele im Sportverein – sie alle sind Heimathelden! BLICK aktuell möchte diesen Menschen eine Bühne geben und der Öffentlichkeit vorstellen – in einer neuen Serie in unserer Zeitung.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: pixabay.com
7

Region. Wir von BLICK aktuell möchten wissen, wo in eurer Heimatstadt oder Kommune der Schuh drückt! Aus diesem Grund haben wir die neue Serie „HeimatCheck“ ins Leben gerufen. Ob kleine Ärgernisse oder große Probleme: Schreibt uns, was euch bewegt, und wir berichten für euch! Handlungsbedarf gibt es eigentlich immer, sei es bei:

Weiterlesen

Expertenwissen aus erster Hand: Im Rahmen eines Infoabends gibt Dr. Tim Mödder (Chefarzt Kardiologie, internistische Intensivmedizin und Schlaganfalleinheit) Einblicke in Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten bei Herzklappenerkrankungen.  Foto: Joachim Gies | Marienhaus
9

-Anzeige-Infoabend im Krankenhaus Maria Hilf Bad Neuenahr-Ahrweiler:

Herzklappenerkrankungen früh erkennen und gezielt behandeln

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Viele Menschen kennen das Gefühl: Die Luft wird knapp, die Belastbarkeit lässt nach, vielleicht kommen Schwindel oder Unsicherheit beim Gehen hinzu. Nicht selten werden solche Beschwerden zunächst als „Alterserscheinung“ abgetan. Doch in einigen Fällen steckt eine Erkrankung der Herzklappen dahinter – eine Diagnose, die ernst genommen werden sollte. Um für das wichtige Thema...

Weiterlesen

Imageanzeige
Alles rund ums Haus
Rund ums Haus
Anlagenmechaniker
SB Standesamt
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Anzeige Lange Samstage
125-jähriges Jubiläum der Rosenkranzkirche Bad Neuenahr und offizielle Wiedereröffnung am 12.04.26
Mitarbeiter IT-Administrator
125-jähriges Jubiläum der Rosenkranzkirche Bad Neuenahr und offizielle Wiedereröffnung am 12.04.26
Wohnträume
Wohnträume
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, Wohnen
Staplerfahrer (m/w/d)
Blütenfest
Stellenausschreibung Hausmeister/in
Anzeige Tag der offenen Tür am Zeiberberg
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#