THW-Ortsverband Sinzig nahm an ungewöhnlicher Großübung teil
Frankfurt hatte für zwei Stunden eine neue Brücke über den Main
Sinzig/Frankfurt. Eifrige Unterstützung lieferte der THW-Ortsverband Sinzig beim Katastrophenschutztag der Hilfsorganisationen der Stadt Frankfurt am Main am vergangenen Samstag. Gemeinsam mit zahlreichen Ortsverbänden des THW-Landesverbandes Hessen-Rheinland-Pfalz und Saarland bauten die Helfer in Blau aus der Barbarossastadt eine rund 200 Meter lange und etwa 60 Tonnen schwere Pontonbrücke über den Main. Für die zahlreichen Zuschauer bot sich direkt unter der der Skyline der Frankfurter Innenstadt ein beeindruckendes Bild. Am Ufer drängelten sich so viele Zuschauer, dass nicht jeder einen Platz in der sprichwörtlichen ersten Reihe bekam. Um das ungewöhnliche Schauspiel ebenfalls zu beobachten, kamen aus Sinzig die Jugendgruppe mit ihrem Leiter Max Siegsmund sowie weitere Helfer mit dem Bus angereist. Der Schiffsverkehr auf dem Fluss war an diesem Tag komplett eingestellt. Es war die Aufgabe der für solche Aufträge besonders ausgerüsteten Fachgruppe Wassergefahren des Ortsverbandes mit seinem Leiter Michael Laß. Er hatte mit weiteren elf Helfern die besonders wichtige Aufgabe, gemeinsam mit dem Ortsverband Bingen die letzte Lücke der schwimmenden Brücke über den Main mit ihren Pontons zu schließen und somit den Übergang über den Fluss zu ermöglichen. Es war eine knifflige Aufgabe, die Pontons mit ihren Überbau so genau in die verbliebene Lücke zu bugsieren, dass alle Verankerungen mit dicken Bolzen verankert werden konnten und die Brücke trotz Strömung fest an ihrem Platz blieb. Lediglich eine Stunde dauerte es, ehe die 200 eingesetzten Helfer die Konstruktion mit ihren 24 Ganzpontons fest postiert hatten und die Frankfurter an dieser ungewöhnlichen Stelle den Main überschreiten konnten.
Perfektes Zusammenspiel
Um eine solche Flussüberquerung zu errichten, ist die Zusammenarbeit zahlreicher Ortsverbände des THW-Landesverbandes Hessen-Rheinland-Pfalz und Saarland notwendig, denn jeder von ihnen verfügt lediglich über vier der sogenannten Halbpontons, die zum Brückenbau fest zu zwei Ganzpontons zusammengefügt werden. Mit einem etwa 15 Meter langen Überbau, quasi ein auf Metallträgern montiertes Stück Straße, sowie eigenem Antrieb können sie einzeln als Fähre für Fahrzeuge oder ohne Überbau als Rettungsboote zur Personenrettung benutzt werden. Da sie alle genormt sind, können sie ohne Schwierigkeiten zusammengefügt werden und ergeben dann eben eine flussüberspannende Brücke. Die Brückenlänge ist dabei je nach Anzahl der Pontons variabel. Das THW ist derzeit die einzige Organisation in der Bundesrepublik, die einen solchen Brückenschlag vollziehen kann. Selbst die Bundeswehr hat heute diese Pionierfähigkeit nicht mehr. So war beim Frankfurter Katastrophenschutztag zur Förderung des Ehrenamtes die Vorführung des THW der Höhepunkt des Tages. Schon am Tag vorher waren Michael Laß und seine Kameraden aus Sinzig angereist, um die Pontons vom Fahrzeug in das Wasser zu heben und den Überbau zu montieren. Für alle war die Aktion natürlich ein aufregendes Erlebnis war. Nicht nur bei den Sinzigern, sondern bei allen zum Brückenbau eingesetzten 200 ehrenamtlichen Helfern klappte es reibungslos und die Vorführung war beeindruckend. Zahlreiche Landesminister Hessens, Staatssekretäre des Bundes, die Stadtoberen von Frankfurt und die Leitungen der Hilfsorganisationen waren dann die ersten Nutzer der neuen Brücke. Da es so schön war, wurde alles nach zwei Stunden wieder abgebaut und am Nachmittag erneut aufgebaut. Begleitend zum Brückenbau war entlang des Mainufers eine Ausstellung, in der nicht nur das THW mit rund 1.000 eingesetzten Helfern, sondern auch die Frankfurter Feuerwehr und weitere Rettungs- und Hilfsorganisationen ihre Geräte vorstellten. „Das THW ist für uns ein ganz wichtiger Partner im Katastrophenschutz - und die Ehrenamtlichen sind die Elite unserer Gesellschaft“, stellte der hessische Innenminister Boris Rhein fest.
