Eltern demonstrierten in Sinzig
Gestresst und mit den Nerven am Ende
Sinzig. Demo in Sinzig: Kürzlich gingen rund 70 Eltern und Kinder der Kindertagesstätte Max&Moritz aus Bad Bodendorf im Sinziger Zentrum auf die Straße. Die Betroffenen machten damit ihrem Ärger über den seit Anfang Mai andauernden Streik in der Kindertagesstätte Luft. Es war eine bunte und fröhliche Demo auch weil einige der ganz kleinen Demonstranten als „Demokleidung“ noch Windeln trugen. Aber den Eltern war es bitterernst. „Wir akzeptieren das Recht auf Streik, aber wenn berufliche Existenzen auf dem Spiel stehen, muss ein Zeichen der Einsicht zu erkennen sein“, hieß es aus den Reihen der empörten Eltern. Denn nach fast vierwöchigem Streit gehen vielen Eltern die Alternativen aus. Um die Betreuung der Kleinen zu gewährleisten, wurden Jahresurlaube genommen und in Eigenregie sehr viel improvisiert. Bereits in der Woche zuvor hatten die Eltern bei der Stadtratssitzung auf ihre stressige Situation hingewiesen. Zum Hintergrund: die Kindertagesstätte Max und Moritz in Bad Bodendorf ist die einzige Einrichtung dieser Art im Kreis Ahrweiler, die der Streik mit voller Wucht trifft. 125 Kinder besuchen die Einrichtung normalerweise und werden dort betreut. Nur für rund 60 Kinder gibt es eine völlig überfüllte Notgruppe. In der Kritik dabei durchaus auch die Stadt Sinzig. „Es kann nicht sein, dass sich die Verwaltung auf ein Minimum bei der Suche nach Alternativen beschränkt. Mit etwas mehr Engagement hätte eine schnellere und bessere Lösung gefunden werden sollen“, war bei der Demo zu hören. Den Hinweis von Sinzigs Bürgermeister Wolfgang Kroeger, man müsse aufpassen, dass die Stadt nicht zum Streikbrecher werde oder versicherungstechnischen nicht Abseits stehe, konnten die betroffenen Eltern meistens nur mit einem müden Lächeln quittieren. Wie groß der Ärger und der Frust ist, zeigte sich bei einer kleinen Randbeobachtung. „Das ist unsere erste Demo, was müssen wir dann beachten“, wurde am Sammelplatz am Kreisel am Sinziger Kreuz gefragt. Auf dem Kirchplatz angekommen gab es noch mal eine direkte Ansprache in Richtung Stadtverwaltung. In der Großwetterlage des Streiks der Erzieherinnen steht das Barometer aber zunächst einmal auf gut Wetter. Denn durch die Schlichtung herrscht Friedenspflicht und ab Montag lief dann auch der Betrieb in der Kindertagesstätte Max und Moritz wieder ganz normal. Die Eltern hoffen natürlich nun auf eine Einigung der Tarifparteien. Weitere Streiktage will sich nun niemand wirklich antun. In der Elternschaft gibt es durchaus Verständnis für die streikenden Erzieherinnen man gibt aber auch zu bedenken: „Die Instrumentalisierung von Kindern und ihres Wohlergehens zur Durchsetzung finanzieller Interessen war in Deutschland bisher ein absolutes Tabu. Schade, dass dieses Tabu gerade durch den Streik von Erzieherinnen und Erziehern gebrochen wird“, wurde klargestellt. Einige Eltern sprachen sogar von einer gewissen Geiselnahme durch die Gewerkschaft.
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