Politik | 27.03.2015

Stellenabbau und zu viel Bürokratie:

IHK Koblenz fordert Anpassungen beim Mindestlohngesetz

Koblenz. Ein Vierteljahr nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns klagen viele Betriebe im nördlichen Rheinland-Pfalz über die Regelung: Vertragsanpassungen und umfangreiche Dokumentationspflichten führen zu hohem bürokratischem Aufwand. Zudem wirkt sich der Mindestlohn negativ auf den Arbeitsmarkt aus. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der IHK Koblenz hervor, an der sich 269 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen, Hotellerie und Gastronomie mit zusammen rund 11.900 Beschäftigten beteiligt haben.

„Unsere Bedenken im Vorfeld haben sich leider bewahrheitet“, sagte Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der IHK Koblenz. Die IHK Koblenz fordert daher dringend eine Überprüfung des Mindestlohngesetzes durch die Politik. Die Umfrage macht deutlich, dass die Einhaltung des Mindestlohngesetzes branchenübergreifend mit erheblichem bürokratischem Mehraufwand verbunden ist. In der Hotellerie und Gastronomie klagen 72 Prozent der Unternehmen über einen hohen Arbeitsaufwand durch die Anpassung bestehender Arbeitsverträge, die Erfassung der Arbeitszeiten nennen 87 Prozent als hohe Belastung. Knapp 60 Prozent der Industrieunternehmen sehen die Nachweispflicht über die Zahlung des Mindestlohns durch Nachunternehmer und damit verbundene Haftungsrisiken als großes Hindernis.

„Unsicherheiten und Hindernisse müssen dringend beseitigt werden“

„Neben den unverhältnismäßigen Dokumentationspflichten kommt erschwerend kommt hinzu, dass sich viele Unternehmen über die komplexen Regelungen bisher nicht ausreichend informiert fühlen“, so Arne Rössel. „Die Politik ist gefordert, die komplexen und unübersichtlichen Vorschriften des Mindestlohngesetzes zu prüfen und den damit verbundenen Bürokratieaufwand zu reduzieren. Unsicherheiten und Hindernisse müssen dringend beseitigt werden.“

Vor allem im Segment der geringfügigen Beschäftigung (Minijobber) planen der Umfrage zufolge außerdem viele Unternehmen, Stellen abzubauen. So gaben in der Hotellerie und Gastronomie 39 Prozent der Unternehmen an, sich von Personal trennen zu wollen - auch in der Industrie liegt der Anteil bei immerhin 27 Prozent. „Betroffen sind demnach vor allem Arbeitnehmer, die ohnehin nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Den Unternehmen wird die Möglichkeit genommen, gering qualifizierte Personen zu bezahlbaren Löhnen einzustellen - das verhindert ganz klar deren Einstieg ins Berufsleben.“ Branchenübergreifend wird zudem jeder fünfte Betrieb weniger Praktikantenstellen ausschreiben. „Die Rekrutierung und Bindung von Nachwuchskräften an Unternehmen und die Region wird dadurch deutlich erschwert. In Zeiten des fortschreitenden Fachkräftemangels kann dies gerade für ländliche Regionen einen massiven Nachteil im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte bedeuten“, so Rössel weiter.

Personalkosten könnten weiter steigen

Viele Betriebe erwarten zudem, dass der Mindestlohn das gesamte innerbetriebliche Gehaltsgefüge beeinflusst. In der Hotellerie und Gastronomie sind diese Befürchtungen besonders stark verbreitet. Hier rechnen 40 Prozent der Unternehmen damit, dass auch höhere Gehaltsgruppen mehr Lohn fordern werden und somit die Personalkosten weiter steigen. Der Anteil der Unternehmen, die ihre gestiegenen Kosten über Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben wollen, ist hier mit 60 Prozent entsprechend hoch. Rössel: „Inwieweit eine Preisüberwälzung jedoch überhaupt möglich ist oder ob letztendlich weitere Stellen zu Lasten der Servicequalität abgebaut werden müssen, bleibt jedoch abzuwarten.“

IHK-Pressemitteilung

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Titel
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Rund ums Hause Mayen/Mendig
First Friday Anzeige März
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
PR-Anzeige
Mitarbeiter IT-Administrator
Imageanzeige - Ostern
Empfohlene Artikel
Susanne Müller, MdL
28

Kreis Ahrweiler. Wenn Susanne Müller über Politik spricht, geht es selten zuerst um Programme – sondern um Menschen, Begegnungen und Erfahrungen. In der aktuellen Folge des Interviewpodcasts „Fragen an…“, moderiert von Frank Göbel, wird genau das spürbar.

Weiterlesen

Nur geringfügige Verkehrseinschränkungen durch Baumaßnahmen
27

Sinzig. Im Zuge des weiteren Ausbaus der digitalen Infrastruktur werden in der Kantstraße, Höhe Haus Nr. 1 bzw. 4 - 8, Glasfaserkabel verlegt. Ziel der Maßnahme ist es, die Versorgung mit leistungsfähigem Internet in dem betroffenen Gebiet nachhaltig zu verbessern.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2296

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
134

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag 2025
Dauerauftrag Imageanzeige
Holz Loth-Entsorgung
Alles rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Koblenz blüht
Schulze Klima -Image
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
Container Anzeige
Rund ums Haus
SB Standesamt
Stellenanzeige
Unterstützeranzeige
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in