Allgemeine Berichte | 20.10.2015, 09:53 Uhr

Ahrtalbahn sorgt für positive Schlagzeilen

Kein Sonderfahrplan, sondern Regelverkehr mit Zugverstärkungen

Lob von Tourismusverbänden und Ahrtalbahnfreunden für SPNV und DB Regio

Riesenandrang, aber die Zugkapazitäten stimmen. WITE
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Ahrbrück/Bonn. Die Ahrtalbahn sorgt weiter für positive Schlagzeilen. Wie bereits in Blick aktuell exklusiv berichtet, verkehren die Züge im sogenannten „Dernauer Takt“ zwischen Dernau und Remagen (RB 39) in den Herbstmonaten mit drei statt sonst mit zwei Zugteilen. Zudem wurden gleichzeitig die Züge des Stundentaktes Ahrbrück - Bonn (RB 30) verstärkt: Statt wie der in der übrigen Zeit mit drei Zugteilen, fahren hier jetzt zwei Doppeltaktionen - also insgesamt vier Zugteile. Der SPNV Nord teilte hierzu auf Rückfrage von Blick aktuell mit, dass „an Wochenenden im September und Oktober die Sitzplatzkapazität der Züge Ahrbrück - Bonn - Ahrbrück sowie Dernau - Remagen - Dernau auf mindestens 240 Sitzplätze/Zug zu erhöhen ist (zehn in der 1. und 230 in der 2. Klasse)“. Und beide Maßnahmen zeigen positive Wirkung. Beschwerden über nicht mitgenommene Bahnkunden sind bislang nicht bekannt geworden. Bei alledem wird der Fahrplan, zumal bei diesem Andrang, überwiegend stabil gefahren. Die Kritik nach den Zuständen an der Ahrtalbahn im vergangenen Herbst - nach dem Wegfall des bis dahin eingesetzten Zwischentaktes - ist auf offene Ohren gestoßen. Der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz (SPNV) Nord hat zur Lösung dieses Problems die zusätzlichen Zugleistungen bei DB Regio als Betreiber der Ahrtalbahn bestellt.

Positive Rückmeldungen

Ulla Dismon von der Tourismusförderung „Mittelahr Touristik“ der Verbandsgemeinde Altenahr teilte hierzu mit, dass man „auf die Schaffung von Zusatzkapazitäten an den besucherstarken Wochenenden bisher positive Rückmeldungen erhalten habe“. Christoph Schenk betreibt im ehemaligen Recher Bahnhof das Gasthaus „Am Herrenberg“. Daher kann er die Situation tagtäglich direkt beobachten. „Die verlängerten Züge sind eine ideale Lösung. Keiner bleibt mehr stehen, und die Züge kommen pünktlich. Die früheren Zwischenzüge hingegen waren vielen Besuchern gar nicht bekannt“, begrüßt Schenk diese spürbaren Verbesserungen ebenfalls. Und auch die Ahrtalbahnfreunde, welche die Zustände im letzten Jahr immer wieder angeprangert hatten, finden Lob für die jetzt gefundene Lösung: Kein Sonderfahrplan, sondern Regelverkehr mit Zugverstärkungen. Deren Sprecher Wolfgang Groß: „Die Freunde der Ahrtalbahn begrüßen dies und danken Dr. Thomas Geyer, Verbandsdirektor des SPNV Nord, sowie Dirk Helfert, Leiter der Abteilung Verkehrsbetrieb Rheinland bei DB Regio für diese positiven Maßnahmen.“ Dieses Fahrzeugkonzept gilt für die Zeit der Weinfestwochenenden vom 5. September bis zum 25. Oktober sowie am Luzia-Markt in Rech am 5. und 6. Dezember.

Bahnsteigerhöhungen

Auch der Recher Ortsbürgermeister Dieter Kutscher freut sich über diese Entwicklung, mahnt aber die zugesagten Bahnsteigerhöhungen an. Mit der jetzigen Situation der Zugfolge und Bestückung ist er durchaus einverstanden. Allerdings wäre nach Kutschers Meinung auch eine Systemveränderung (TuZ) nicht notwendig. „Wenn dann auch noch die zugesagten Bahnsteigerhöhungen am Ahrweiler Markt und in Rech installiert würden, wäre alles gut“, so Dieter Kutscher gegenüber Blick aktuell. Auch Ute Schenk vom Verkehrsverein Rech findet Lob für die aktuelle Lösung mit verlängerten Zügen und der damit verbundenen Erhöhung der Beförderungskapazitäten. Ahrtal-Tourismus-Geschäftsführer Andreas Wittpohl ist angetan von der Problemlösung, gerade an hochfrequentierten Wochenenden: „Es ist erfreulich, dass unsere Gespräche Ergebnisse gebracht haben. Die Erweiterung der Zugteile und damit der Fahrgastkapazitäten haben zu einer Entspannung bei den Engpässen geführt. Es ist eine gute Lösung, die zusammen mit der Kreisverwaltung Ahrweiler, SPNV Nord, DB Regio sowie den Freunden der Ahrtalbahn um Wolfgang Groß verabredet wurde. Wir Touristiker sind zuversichtlich, dass auch in den kommenden Jahren größere Zugeinheiten an den Wochenenden eingesetzt werden. Allerdings nicht nur bei Weinfesten, sondern auch an weiteren hochfrequentierten Wochenenden, denn dann wird dieses geeignetere Zugmaterial in NRW nicht für den Schülerverkehr gebraucht und könnte die vielen zahlungswilligen Kunden ins Ahrtal und wieder nach Hause befördern“, so Wittpohl.

Unwürdige Verhältnisse

Allerdings gibt es laut Wittpohl ein viel wichtigeres Thema, wo die Bahn auch Abhilfe schaffen muss: „Führungskräfte der Bahn sollten sich hier vor Ort im Ahrtal ansehen, welche unwürdigen Verhältnisse zahlende Fahrgäste an einigen Bahn-Haltepunkten vorfinden. An der Haltestelle Ahrweiler Markt zum Beispiel müssen täglich Beinahe-Stürze von aussteigenden oder einsteigewilligen Fahrgästen registriert werden. Die hohen Einstiege in die Züge sind für Fahrgäste nicht nur gefährlich, sondern bergen auch für die Bahn hohes Potenzial an Haftungsansprüchen. Auch die Hilflosigkeit, nicht nur von mobilitätseingeschränkten (zahlenden!) Bahnkunden, die aus Richtung Bonn kommen und vom Bahnsteig Ahrweiler Markt in die Innenstadt der Rotweinmetropole wollen, ist für die Bahn mehr als blamabel, denn Bahnkunden mit Gepäck, Kinderwagen oder Rollator haben größte Probleme, den Bahnsteig zu verlassen und für Rollstuhlfahrer ist dieses sogar unmöglich!“, ärgert sich Wittpohl.

Riesenandrang, aber die Zugkapazitäten stimmen. Foto: WITE

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